Warum immer rechtfertigen müssen?

bearbeitet 25. 03. 2005, 00:23 in Plauderecke
Gerade eben habe ich einen Anruf bekommen und habe mich ziemlich aufgeregt. Sowas blödes. Aber mal von Anfang an.
Unser KiWu war lange Zeit unerfüllt, so dass ich mich ingesamt 2 Jahre mit dem Thema Kinderkriegen / Schwangerschaft / Geburt beschäftigt habe. Ich habe viel gelesen und viel gelernt und auch mit meinem FA und meiner Hebamme geredet. In diesem ganzen Findungsprozeß habe ich für mich entschieden dass ich gern im Geburtshaus entbinden möchte, wenn medizinisch bis dahin nix dagegen spricht.

Zuerst fing die Schwiegerfamilie an: wie kannst du denn... beim ersten Kind... bist du wahnsinnig... im KH ist das doch alles viel sicherer.
Ich hab sie reden lassen denn ich bin nunmal gut informiert und habe mich davon nicht bange machen lassen.

Nun grade der Anruf: eine alte Schulfreundin ruft an und fragt wie es mir geht. Ich sag gut und wir kommen so ins erzählen und ich sage ihr, dass ich mich im Geburtshaus angemeldet habe und dass ich mich da sehr wohl fühle. Na da hatte ich ja was gesagt. Sie schlug förmlich die Hände überm Kopf zusammen, das wäre ja der blanke Wahnsinn. So wörtlich "ich will dir ja jetzt keine Angst machen oder so... aber ich habe eine Freundin die arbeitet auf der Kinderintensivstation und die sagt auch, dass 80% aller Komplikationen aus dem Geburtshaus eingeliefert werden!" Na und so weiter... ich solle mir das richtig überlegen und auch wenn das KH nur 700m weit weg ist, das wäre alles ne Entscheidung von Minuten und dann isses zu spät, wenn einmal die Herztöne schlecht werden.... blablabla :flaming01: Ähm.. sollte ich erwähnen, dass die Gute einen Wunschkaiserschnitt hatte?

Könnt ihr mir bitte mal sagen warum das so ist? Warum man sich immer und vor jedem rechtfertigen muss? Jedes Argument meinerseits wird zu Grund und Boden diskutiert und überall herrscht die Meinung vor, dass man sein Kind nur im KH sicher bekommen kann. Die PDA scheint landläufig das Allheilmittel zu sein und alles andere sollte man sich nicht zumuten.

Klar, ich weiss beim ersten Kind nicht, was auf mich zukommt, ich weiss nicht, wie ich in dieser Situation reagieren werde. Aber muss ich mich deswegen immer wieder für verrückt erklären lassen? Bin ich wirklich so verantwortungslos?

Kommentare

  • BatisdaBatisda

    1,729

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Hallo
    Ich würde sagen mach es so wie du und dein Partner es für richtig halten ;-)
  • bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Hm... so wie sich das anhört, erwartest Du jetzt hier unsere Meinungen, regst Dich aber darüber auf, das Dir jemand seine sagt?

    Meine Meinung ist, ich würde und wäre immer nur ins KH gegangen und das auch nur, weil in unserer Familie genau das, jedenfalls so ähnlich, was Deine Freundin erzählt hat, passiert ist.

    Andererseits, hat Mutter Natur wahrscheinlich nicht geplant das die Babys irgendwo auf dem OP Tisch geboren werden und deshalb denke ich, das es vor allem wichtig ist, das man dem, der einem Hilft das Baby zur Welt zu bringen vertraut. Und wenn Du dem Geburtshaus mehr vertraust, dann ist es sicher für Dich die bessere Wahl. Und wenn die da ordentlich Arbeiten sehen die sicher bevor es zu spät ist, das sie eingreifen müssen.

    Also wenn Du mit jemandem sprichst, der schon einen WKS hat, dann erwarte nicht, das dieser jemand dann bei einem Geburtshaus völlig entspannt zustimmt. Da würde ich das gar nicht ansprechen.

    Abgesehen davon, werden dir noch mehr "kluge" Leute "besonders Kluge" Ratschläge gehen, das fängt in der SS an und hört nie auf, also am Besten übst Du schon einmal das "Ohren auf Durchzug stellen" ;-)
  • BiboBibo

    260

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Hallo,
    nein, natürlich ist es nicht verantwortungslos. Ich habe jetzt zwei Geburten im Geburtshaus und eine Hausgeburt hinter mir (und bereue nichts).
    Und glaube mir, was sich meine Schwiemu aktuell wegen der Hausgeburt anhören muss ist echt der Hit. Mit mir haben sie zum Glück noch nicht gesprochen ;-) . Nachbarin: "Sei bloss froh, dass die in einem eigenen Haus wohnen, sonst hättest du die ganze Verantwortung (Spinnt die???). Stell dir nur vor, wenn sie einen Blutsturz bekommt (:shock: :twisted: Ohne Worte).
    Mein Schwiegervater (!!!): "Was machst du denn, wenn die Hebamme nicht kommt und sie hierher um Hilfe kommt?" Schwimu: "nichts" - weil sie genau weiss, dass ich nicht komme, bin ja nicht blöd. ;-)
    Wobei man sagen muss, dass meine Schiegereltern maximal 50 m von uns auf unserem Grundstück wohnen. Mein Mann kriegt diese ganzen Sprüche immer mit und wundert sich schon, in was für einer Welt wir leben. Aufgeklärt kann man das wahrlich nicht nennen. Krankenhaus ist das einzig wahre und wer keinen Kaiserschnitt bekommt, dem fehlt nicht viel von einem Kindsmörder :table2:
    Im übrigen hat irgendjemand meiner Lieblingsnachbarin (der von oben) erzählt, das Kind wäre so rausgefallen. :shock: Schön wärs, war ein hartes Stück Arbeit :cool: . Die Gerüchteküche brodelt hier also.
    Ich habe es übrigens geschafft, die Hausgeburtsquote schon im März für unsere Gemeinde zu verdoppeln (Letztes Jahr war nur eine) :grin:
    Viele Grüße und ärger dich nicht über die Ignoranten - du bist für dich und dein Kind verantwortlich - sonst niemand!
    Bibo
  • bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Im Grunde muss man sich für alles rechtfertigen was man mit seinen Kindern wie und warum macht. Das fängt bei der Geburt an und hört mit der Wahl der Schule auf (oder auch nicht). Habe mich bei beiden Kindern für ein KH ohne Kinderklinik entschieden und musste mir auch von Freunden anhören wie verantwortungslos ich wäre. Im Endefekt hat sich meine Freundin in den A... gebissen weil sie ihr das Kind (unsere beiden sind im Abstand von 7 Wochen geboren und beide in der 35. SSW) trotz gutem Gewicht weg genommen und in die Kinderklinik gebracht haben, und ich meine Maus die ganze Zeit bei mir hatte. Wenn mit meiner Tochter was gewesen wäre, hätte man uns sofort beide in die Uni verlegt. Oder jetzt in der Stillzeit kommt von meiner SchwieMu ständig die Frage warum das Kind keinen Tee bekommt. Bei uns würde Milch ja schließlich auch nicht den Durst löschen :roll:. Die Erklärung das man Kuhmilch nicht mit MuMi vergleichen kann schenke ich mir mitlerweile und stelle meine Ohren auf Durchzug. Und das ist glaube ich das Einzige was man in solch einer Situation tuen kann. Sagen ich habe mich schlau gemacht und mache es so weil ich das für richtig halte. Punkt. Aus. Ende.
  • jauchzerlejauchzerle

    6,272

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Die Frauen verlernen einfach, auf sich selber zu vertrauen, weil die Aparatemedizin durch Sichtbarmachung einiger Werte höhere Sicherheit vorgaukelt. Was die Leute immer vergessen, ist: Man kann nur daran arbeiten, Werte sichtbar zu machen, die man vorher auch schon entdeckt hatte. Leider kommt der Hebamme beim Abhören oder Abtasten des Bauches kein Papierstreifen aus dem Gesicht, somit gilt deren Aussage als subjektiv, warum auch immer.
    Das ewige Rechtfertigen wird nach der Entbindung erst noch so richtig losgehen, wenn die Kiddies sich schließlich der Pubertät nähern, wirds langsam weniger.
    Irgendwie fühlen sich alle berufen, den anderen zu sagen, was sie bei der Kindererziehung falsch machen. Entweder ist das leichter, als vor der eigenen Haustür zu kehren, oder einfach effektvoller. Schließlich heißt das für die Ratgeberin nichts anderes wie: Es gibt bescheuertere Mütter als mich.
    Und da wir zunehmend in einer Ellenbogengesellschaft leben kommen selbsternannte Nannies auch noch per TV mit Handkuss ins eigene Wohnzimmer. Es reicht also nicht, daß die Mamies fertiggemacht werden, man muss auch noch fleißig austeilen, und sich das abens noch reinziehen, wenn mann eigentlich endlich mal Zeit hätte, was für sich selber zu tun.
    Das lässt aber meist nach, wenn man das zweite Kind bekommt. Schließlich hat das erste diese ganze miese, unsachgemäße Behandlung überlebt. Im Umkehrschluss heist das: Beim zweiten Kind hält man sich mit seinen Tipps auch eher zurück.

    Ist doch irre, oder?? :traurig08:
  • bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Danke für eure Antworten! Es tut gut zu lesen, dass man da nicht allein dasteht. Ihr habt mir ein paar Anregungen für die nächsten Diskussionen gegeben ;-) Sofern ich nicht mit der Ohren-auf-Durchzug-Taktik weiterkomme.
    Aber ihr habt schon recht.. irgendwie graut mir vor der Zeit wenn man dann wegen jedem Pups nen klugen Ratschlag bekommt :???:

    sonnenblume74 schrieb:
    Hm... so wie sich das anhört, erwartest Du jetzt hier unsere Meinungen, regst Dich aber darüber auf, das Dir jemand seine sagt?
    Nein, ich dachte mir nur, dass hier vielleicht die ein oder andere Frau im Geburtshaus entbunden hat und DAS schlagende Argument für die Zweifler parat hätte. Meinungen kann mir ja jeder gern sagen nur hätte ich da halt auch gern etwas Fachwissen dahinter, und das ist in meinem persönlichen Umfeld leider nicht gegeben.
    sonnenblume74 schrieb:
    Also wenn Du mit jemandem sprichst, der schon einen WKS hat, dann erwarte nicht, das dieser jemand dann bei einem Geburtshaus völlig entspannt zustimmt.
    Hast recht... dummerweise ist mir das erst eingefallen als sie mitten im Gespräch ihren KS ansprach. Da wir im Jahr höchstens 2 mal telefonieren (an Weihnachten und Ostern ;-) ) war mir das nicht so präsent.
  • bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Sag ihr doch einfach, das jemand der einen WKS hatte sicher nicht qualifiziert ist, sich über Themen wie Geburtshaus auszulassen. ;-)
  • bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Na bis zum nächsten Gespräch ist Weihnachten, dann bin ich schlauer und kann ganz anders argumentieren ;-)
  • bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Guck doch mal in die Geburtsberichte. Da stehen alle "Sorten" von Geburten.
  • claudi.1claudi.1

    1,799

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Leider kommt der Hebamme beim Abhören oder Abtasten des Bauches kein Papierstreifen aus dem Gesicht,

    :lachen04: Barbara Du bist ein Knaller!
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