7. Mai 2005 – Eine aufregende Nacht…
Ich saß gestern Abend noch am Computer, da wachte Janis im Schlafzimmer hustend auf. Seit vorgestern hatte er eine Rotznase, und ich dachte erst nur: „Oha, das hat sich aber rapide verschlechtert“, denn er war ziemlich am Röcheln. Dann fing er an, bellend zu husten und keine Luft mehr zu kriegen, so dass ich sofort an Pseudo-Krupp dachte. Ich legte ihn erstmal zum Stillen an, da trank er eigentlich ganz ruhig, also dachte ich erleichtert, dass es wohl nichts in der Richtung sein könne. Ich legte ihn wieder ins Bett, und er schlief auch tatsächlich wieder ein, wenn sein Schlaf auch unruhig blieb.
Ich setzte mich wieder vor den Computer, ständig mit einem Ohr im Schlafzimmer. 20 Minuten später, um kurz vor halb zwölf, war Janis wieder wach und hustete - diesmal um einiges schlimmer. Martin hat als Kind schlimme Krupp-Anfälle gehabt, deshalb hatte ich schon einiges darüber gelesen. Ich riss also das Fenster auf und rief im Krankenhaus an. Bei aller Husterei und Heiserkeit zeigte sich Janis nämlich erstaunlich fidel, angelte nach der Tastatur, sah aus dem Fenster und versuchte, mir zwischen den Hustenanfällen mit seiner Röchel-Kratz-Stimme „mitzuteilen“, was er dort sah. Eigentlich kam er mir zu fröhlich vor, um einen Rettungswagen zu rufen oder ins Krankenhaus zu fahren. Mir war aber klar, dass in diesem Zustand an Schlaf nicht zu denken war.
Die Dame in der Krankenhauszentrale erwies sich als aufgeregter als ich (klar, die konnte ja auch nicht sehen, dass Janis noch nicht blau angelaufen war und das Röcheln, das er ins Telefon hauchte, nur vergebliche Kommunikationsversuche waren). Sie verwies mich an unseren Kinderarzt, da das Krankenhaus Bückeburg über keinen eigenen verfügt. Der hatte natürlich nur ein Band geschaltet, welches uns empfahl, in Notfällen Dr. Nassini anzurufen, der Notdienst habe. Ich wählte also, immer noch mein hustendes und röchelndes Kind auf dem Schoß, die genannte Nummer. Ich hörte ein weiteres Band mit der Auskunft: „Hier ist die Praxis von Dr. Nassini. Wir haben heute Notdienst. Sie erreichen uns unter folgender Nummer…“ Leicht genervt wählte ich auch diese. Endlich sprach ich mit einem Menschen. Nicht unfreundlich sagte Dr. Nassini: „Ich bin Urologe. Bei einem zehn Monate alten Kind kann ich Ihnen auch nicht weiterhelfen. Da müssen sie nach Minden.“ Weiter ging die lustige Telefoniererei zum günstigen Nachtarif. Die Zentrale des Mindener Klinikums verband mich mit der Kinderklinik. Endlich hatte ich einen Gesprächspartner, der mir weiterhelfen konnte. Die Ärztin riet mir, erstmal eine Runde um den Block zu laufen, da die kalte Nachtluft oft lindernd wirke. Wenn das Röcheln danach nicht ganz verschwunden sei, solle ich vorbeikommen und ein Cortison-Zäpfchen bekommen (also, Janis natürlich, nicht ich).
Wir liefen durch die von Straßenlaternen erhellte, ziemlich einsame Obernkirchener Nacht, einmal um den Block. Janis fand das irre interessant, dass immer wieder Lichter an ihm vorbei getragen wurden. Er sperrte die Augen weit auf, hustete nicht mehr, aber wenn er mir etwas „sagen“ wollte, kam immer noch nicht mehr als ein Röcheln.
Wieder zu Hause entschied ich, dass das Zäpfchen unumgänglich war. Allerdings hatte ich keine Ahnung, wo die Kinderklinik in Minden ist… Ein weiteres Telefongespräch brachte Klarheit. Also packte ich mein immer noch waches und röchelndes Kind ins Auto – den „Trecker“, denn der Suzuki Samurai-Jeep war der einzige fahrbare Untersatz, den meine verreiste Verwandtschaft mir gelassen hatte – und eilte mit möglicher Maximal-Geschwindigkeit 110 km/h die 20 Kilometer über die Bundesstraße.
Über eine Stunde nach Beginn des Anfalls waren wir endlich in ärztlicher Behandlung. Na ja, erstmal nur in der von Schwester Brigitte, aber das reichte mir schon völlig. Janis bekam eine Maske zum Inhalieren. Diese fand er so interessant, dass er sie unbedingt von allen Seiten betrachten wollte. Außerdem versperrte sie ihm die Sicht auf all die anderen spannenden Dinge im Raum… Nach einem längeren Kampf, bei dem ich etwa genauso viel medizinischen Dampf eingeatmet hatte wie er, kam die geradezu lächerlich junge – aber sehr nette – Ärztin, um Janis abzuhorchen. Jetzt bekam er sein Zäpfchen, und wir wurden entlassen.
Um halb drei lag Janis endlich wieder im Bett. Schwester Brigitte hatte mich vorgewarnt, dass bei Anfällen vor Mitternacht oft noch ein zweiter in derselben Nacht folgt. Ich traute mich also nicht, mich bettfertig zu machen, legte mich in Klamotten neben Janis – und schlief zum Glück bis um kurz vor sechs, als es draußen hell wurde und die Vögel sangen. Ich schloss das Fenster (das ich auf Anraten der Ärztin die Nacht über sperrangelweit geöffnet hatte), und wir schliefen noch mal bis neun, ohne weitere Vorkommnisse.
Kommentare
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Besteht denn jetzt die Gefahr, dass das wieder passiert?
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Ja klar, natürlich passiert das genau dann, wenn ich mit ihm alleine bin. :roll:
Es ist wahrscheinlich, dass das noch mal auftritt, muss aber nicht sein. Martin hat das ziemlich oft gehabt, so sieben oder acht Mal, glaube ich. Oder noch öfter. Muss mal SchwiMu fragen... Aber ich denke, irgendwann hat man dann auch Routine drin. Die Zäpfchen kann man auch für zu Hause bekommen.
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Zum Glück hatte Janis da eine vorinformierte Mama, die nicht in Hysterie ausgebrochen ist.
Alle Achtung.
:fun47:
Nicht nett, gar nicht! :sad:
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und kinder werden ja meistens nachts oder zum WE krank. deiner hat gleich beides hingekriegt, nicht schlecht! :biggrin:
ich haette bestimmt totale angst bekommen. aber bei uns ist die kinderklinik zum glueck nur eine halbe stunde mit dem auto entfernt. also ohne auto haette ich echt nicht gewusst, was ich machen sollte.. :shock:
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Das war jetzt übrigens das zweite Mal, dass Janis krank ist, und es war das zweite Mal, dass ich über Nacht alleine mit ihm war... :twisted:
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Aber woher weißt du denn so genau, daß es Pseudokrupp ist?
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Ich selber war mir anfangs gar nicht so sicher, ob das wirklich Pseudo-Krupp sein kann, weil er ja gar nicht tat, als müsse er ersticken (jedenfalls, wenn er nicht gerade hustete). Meinst du, es war gar keiner, und die haben falsch behandelt? :shock:
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Was kann man denn bei sowas als "erste Hilfe Maßnahme" machen? Ich hab mal was von Wasserdampf erzeugen und einatmen lassen fehört. Stimmt das?
Du hast das wirklich toll gemacht!!! Ich wünsche dir, dass ihr beide heute Nacht besser schlafen könnt :razz: .
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der Husten wurde also immer schlimmer. Wir haben uns dann zwei Wochen lang nachts zu viert abgewechslet und sind mit der Kleinen nachts draußen spazieren gegangen ( war November )Das Beste und eigentlich auch einzige was man machen kann.
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Erstaunlich wie sachlich Du da dran gegangen bist. Ich wünsch Euch, dass der erste Anfall auch der letzte war. Und heute eine ruhige Nacht!
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@red: die kinder husten nicht normal, das klingt immer eher wie das heißere bellen eiens hundes. und sie bekommen oft massive atemprobleme weil der kehlkopf zuschwillt.
wie lenchen schon schreib: möglichst ruhig bleiben, wenn das kind sich aufregt steigt die geafhr des anschwellens.
übrigens: lenchen ich finds classe das du so ruhig geblieben bist, ehrlich gestanden: beim ersten mal war ich das nicht... :oops:
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Wünsche euch heute eine bessere!
Ich glaub aber echt nicht, dass er das vor der Hochzeit auch macht, es sei denn, du quartierst Martin aus. ;-)
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Mittlerweile geht's Janis Krupp-mäßig wieder gut. Jetzt hat er nur eine saftige Erkältung mit verstopfter Nase. :???:
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Ich selber habe als Baby (unter einem Jahr) ganz schlimme Krupp Anfälle gehabt und musste des öfteren draussen auf der Terasse schlafen.
Bei Elias habe ich deshalb schon etwas Angst. Nun ist er aber auch schon älter als ich damals.
Besteht trotzdem die Gefahr, das er solche Krupp Anfälle noch bekommt? Oder kann das immer vorkommen im Laufe der Kindheit?
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Ich drücke dir die Daumen, dass Elias verschont bleibt!! Aber wenn man weiß, was es ist und was man machen muss, ist es gar nicht so schlimm. ;-)
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Ich habe mich auch viel darüber informiert was im Fall der Fälle zu tun ist. Die kalte Luft aus dem Kühlschrank soll lindernd wirken.
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