Die Stillkultur ist kaputt - die Stillkultur erholt sich??

GoldSevenGoldSeven

3,151

bearbeitet 10. 09. 2004, 06:25 in Plauderecke
Vielleicht gibt es ja einen postivien Trend in der deutschen Stillkultur? Während zur Zeit unserer Eltern ja niemand ans Stillen dachte oder man es zumindest nicht annahm, stelle ich in letzter Zeit fest, dass immer selbstverständlich davon ausgegangen wird, dass man Babys stillt. Das äußert sich dann in Nebensätzen wie "Mach dir mal keine Sorgen ums Gewicht, das geht beim Stillen eh schnell runter!" oder "Kommen Sie uns doch gern mal mit ihrem Kind an der Schule besuchen, wir stellen Ihnen dann auch ein Stillzimmer zur Verfügung!"

Grund zur Hoffnung? :)

Kommentare

  • Kayleigh119Kayleigh119

    3,579

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Ich glaube, unsere Stillkultur erholt sich vielleicht ein wenig, aber leider kommen von Müttern, Grossmüttern, Freundinnen etc....immer noch diese Ratschläge zwecks frühzeitigem Zufüttern.

    Ich war im August zu Hause und habe mir ständig anhören müssen "Was du stillst noch ???" :shock: "Du musst doch mal langsam mit Brei anfangen!"
    Und ich habe dann den kleinen, dicken Nino gezeigt und gefragt "Meinst du mein Kind verhungert ?!"
    Und schon waren alle still.

    Jetzt ist es so, dass viele Frauen neidvoll sagen, "ich hätte ja auch so gerne sooo lange gestillt, aber ich hatte keine Milch"
    Das jede Frau aber stillen kann, wenn sie nur möchte, wissen wir ja ;-)

    Für mich ist das alles unter anderem ein Grund eine Ausbildung zur Stillberaterin zu machen. :grin:
  • PiratFinnPiratFinn

    276

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    nur in den Krankenhäusern sollte das noch jemand den Kinderschwestern beibringen - die haben bei uns damals zwar schön das stillen nach aussen propagiert, aber bei jeder kleinen Schwierigkeit, die es am Anfang ja zuhauf gibt, das zufüttern angeraten und in meinem Fall sogar ohne mein Wissen gemacht ! Anscheinend sponsort da die Industrie jede Menge und ausserdem ist es einfacher und bequemer für die !
  • AnonymousAnonymous

    59,500

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Ich habe das Gefühl, das es da regionale Unterschiede gibt: hier in Berlin ist es ganz und gäbe zu stillen (allerdings habe ich das Gefühl, das das ganze an ein gewisses Bildungsnieveau gekoppelt ist-> "einfacher gestrickte Menschen" scheinen mir irgendwie leichtgläubiger. Schlagt mich, wenn ich hier Vorurteile verbreite :lol: ). Ich kenne da eine Frau, die sich wegen einer Mastitis operieren lassen mußte und das Stillen dauraufhin (meiner Meinung nach echt verständlich, sie hat wirklich alles Mögliche versucht und nicht, wie viele Andere, gleich beim ersten Problem aufgegeben) aufgegeben hat. Die wird jetzt in ihrem Bezirk von den anderen Müttern schief angesehen, so nach dem Motto: was bist du denn für eine, die ihr Kind nicht stillt!
    Auf der anderen Seite weiß ich von meiner Schwester und von einer Freundin, die ungefähr zeitgleich mit mir entbunden haben, das das Stillen in ihren Gefilden (im Ruhrgebiet), wohl eher noch die Ausnahme zu sein scheint. Meine Schwester hat nach einer Woche abgestillt, meine Freundin pumpt bis heute fließig und füttert außerdem noch pre. Und was die beiden von anderen Müttern die sie kennen erzählt haben, sieht ähnlich aus. Meiner Meinung nach liegt das an den Krankenhäusern, die irgendwie nicht aufs stillen eingestellt sind (meine Freundin fragte 4 Stunden nach der Geburt: "Äh, was ist eigentlich mit Stillen?" und bekam die Antwort:"Jaja, machen sie mal" und an den Hebammen, die entweder nicht geholfen ("Ich komm dann in drei Wochen wieder vorbei") oder noch zum abstillen geraten haben ("Hab ich mir gedacht, das es bei dir nicht klappt. Fahr mal gleich ins Krankenhaus und laß dir was zum füttern geben") :neutral:
  • GoldSevenGoldSeven

    3,151

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Das mit den Krankenhäusern ist ja echt ein Hammer.

    Ich meine, von dem, was ich bisher gesehen habe, Glück gehabt zu haben--im Eschweiler Krankenhaus scheint Stillen einen relativ hohen Stellenwert zu haben, und es gibt wohl auch einige Fachfrauen, die einen da unterstützen. Aber in zwei Monaten kann ich dazu mehr erzählen! ;)
  • RegulaRegula

    952

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    PiratFinn schrieb:
    Anscheinend sponsort da die Industrie jede Menge und ausserdem ist es einfacher und bequemer für die !

    Das wäre eigentlich anhand des WHO Kodexes nicht erlaubt! Nicht einmal Vergünstigungen wären erlaubt... Allerdings, wer weiss, was so unter der Hand abgeht...
    Rigmor schrieb:
    Meiner Meinung nach liegt das an den Krankenhäusern, die irgendwie nicht aufs stillen eingestellt sind

    Da kann ich dich nur unterstützen..

    Ich kann mal erzählen, wie ich das in der Schweiz so erlebe:
    Die meisten Krankenhäuser sind recht kompentent in Sachen Stillen, es gibt auch viel mehr stillfreundliche Kliniken als in Deutschland. Auch die Ärzte, Mütterberaterinnen und Hebammen sind so weit ich das sehe, dem Stillen gegenüber positiv eingestellt. Die meisten Frauen beginnen zu stillen, allerdings gibt ein grosser Teil nach ca. 3-4 Wochen auf. (meist mit der Begründung "Ich habe zuwenig Milch" oder wegen Milchstauproblemen. Dann beginnen viele mit abstillen so um den 4. Monat rum, da natürlich auch hier die Nahrungsmittelindustrie fix ist und nicht an Werbung und Werbepaketen spart, auch wenn letzteres nicht dem Kodex entspricht.
    Allerdings habe ich bis jetzt noch nie gehört "Was du stillst noch? Gib dem armen Bub was rechtes zu essen!" Mag natürlich auch an meinem Umfeld liegen oder an Darios Babyspeck ;-), aber es finden es eigentlich alle gut, dass ich Dario noch voll stille.
    Rigmor schrieb:
    (allerdings habe ich das Gefühl, das das ganze an ein gewisses Bildungsnieveau gekoppelt ist-> "einfacher gestrickte Menschen" scheinen mir irgendwie leichtgläubiger

    Vermutlich, weil Akademiker eher allergieprobleme haben :lol:
  • GoldSevenGoldSeven

    3,151

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Das musste jetzt kommen! :biggrin:
  • AnonymousAnonymous

    59,500

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Aber ist doch so... *schnellnochmalanderhautkratz* :lol::lol::lol:
  • bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Also meine Nachbarin kam gerade mit einer Packung 2 er Milch, der Sohn wird jetzt 1 und fragte:

    "Was soll dein Baby trinken"

    ich antwortete:

    "Muttermilch"

    Sie wieder:

    "Und danach?"

    Ich wieder" Muttermilch " :roll:

    Sie war etwas erstaunt und meinte sie wollte mir das Packet schenken, es war ungeöffnet.

    Ich lehnte dankend ab... ;-)

    Naja, scheinbar ist die Stillkultur doch noch kaputt.
  • PiratFinnPiratFinn

    276

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    :table2:

    Hei, dass Akademiker mehr Allergien haben find ich gut - denn ich bin auf so ziemlich alles allergisch, was kreucht und fleucht - hmmmm - also bin ich hochbegabt ! Ha ! yippie !! Wußt doch schon immer, dass dieses doofe Asthma und Konsorten auch was positives haben müssen.

    hmm - allerdings mach ich mir jetzt Gedanken, was mit Finn ist - der zeigt keinerlei Anzeichen von allergischen Reaktionen - oje !
    :biggrin: :biggrin: :biggrin: :biggrin: :biggrin:

    Nee, mal im Ernst - auch wenns offiziell verboten ist, im KH haben die jede Menge Flaschennahrung rausgerückt, auf der Rechung stand aber nix davon - also ist das bestimmt irgendwie gesponsert, oder ?
    Klar haben die nach aussen auch das Stillen propagiert - aber entweder sehr ungehalten gewesen, wenns nicht sofort geklappt hat (und bei wem klappts schon sofort ?) oder einem eingeredet, ja dann müssen sie halt zufüttern...
    Allerdings bezieht sich das nur auf die Kinderkrankenschwestern - die Hebammen haben einem unterstützt wo sie konnten (meine Nachsorgehebi kam nach einem Verzweiflungsanruf mitten in der Nacht angesaust um mir beim Anlegen zu helfen - hilfe, ich schweife ab, zurück zum Thema:). Zumindest haben das alle, die mit mir da waren ähnlich gesehen. Allerdings hatte ich den Eindruck, den mir meine Hebamme bestätigt hat, dass so eine Art Konkurrenzkampf zwischen Hebis und Krankenschwestern besteht (nach dem Motto, dass hier ist unser Terrain, misch du dich nicht ein...).
    Als es bei mir schon im Krankenhaus überhaupt nicht klappte (bis heute nicht), hat meine Hebi (die dort auch arbeitet) die Schwestern gebeten mir Brusthütchen zu geben, Resultat war, dass ich beim nächsten Stillversuch zu hören bekam, "was mischt sich ihre Hebi ein, ausserdem geht das nicht, da hätten sie ja noch was zum aufpassen und wenn sie schon das stillen so nich gebacken bekommen..." (O-Ton !!).

    Die Reaktionen bei mir, wenn ich verneine, dass ich stille bzw. antworte: "ich stille indirekt" also mich immer fleissig melke, sind sehr unterschiedlich, allerdings oftmals negativ - viele finden es überflüssig, dass ich mich weiter so "quäle" und es gäbe doch so praktische Flaschenmilch und Allergie wäre nicht so schlimm, da gäbs doch Medikamente :flaming01: . Nur wenige haben Verständnis für unseren Weg. Aber da ich nicht gerade ne kleine Klappe habe, kriegen die entsprechende Antworten.

    Dass wir alles versuchen, um in den kleinen Mumi zu bekommen, finden vorallendingen die Älteren toll, also die Frauen so ab 70. die jüngeren - also meine Elterngeneration (so um die 60 - 40) sind eher die "Flaschenlobby" (O-Ton meiner Mutter: Du hast auch die Flasche gehabt und lebst noch, oder ? - was sie dabei vollkommen vergisst, ich hab Allergien ohne Ende und Übergewicht, aber sie sieht darin keinerlei Zusammenhang!)
  • Kayleigh119Kayleigh119

    3,579

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Mir ist auch aufgefallen, das in Punkto Stillen ganz, ganz viel Unkenntnis herscht.
    Wann immer ich frage "Warum hast du nicht gestillt " Höre ich "Ich hatte keine Milch" :roll:

    Deshalb kann ich nur jeder Schwangeren ans Herz legen, kümmere dich um eine Nachsorge Hebamme.
    Denn so lange wie man stillt hat man Anspruch auf eine Hebamme. Ich habe gestern noch mit meiner telefoniert :biggrin:
  • bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    So lange wie man stillt :shock: ich dachte nur so 10 mal oder so? Wo kann man das schriftlich finden?
  • Kayleigh119Kayleigh119

    3,579

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    sonnenblume74 schrieb:
    So lange wie man stillt :shock: ich dachte nur so 10 mal oder so? Wo kann man das schriftlich finden?

    Das weiss ich auch nicht. Meine Hebamme hat zu mir gesagt, solange ich stille ( und wenn es ein Jahr ist ) habe ich Anspruch auf sie.
    Also ich finde, dass ist ne tolle Sache. Ansonsten kannst du dich bei Stillproblemen aber auch an eine Stillberaterin wenden. Weisst du wie du eine in deiner Umgebung findest ?
  • RegulaRegula

    952

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Ich habe hier noch ein paar interessante Daten aus dem Jahre 2002:
    Stillgewohnheiten in Deutschland

    Laut Umfrage beträgt die Stillzeit in Deutschland im Durchschnitt ein halbes Jahr. Diejenigen, die früher abstillen wollen oder müssen, tun dies nach ca. vier Monaten, während bei den Müttern, die stillen können bzw. wollen, die Stillzeit im Schnitt bei neun Monaten liegt. Interessanter Weise stillen Mütter, die älter als 33 Jahre sind, rund einen Monat länger als jüngere Mütter bis 26 Jahre. Bei allen Befragten hat Stillen einen hohen Stellenwert. Auffällig ist jedoch, dass Stillen eine überproportional hohe Bedeutung bei höheren Altersgruppen ab 33 Jahren hat, bei Familien mit mehreren Kindern sowie in Orten unter 20.000 Einwohnern.
    Wer berät? Meinungsbildner rund um’s Stillen

    Bauchentscheidung oder intensive Beratung? Die Umfrage ergab, dass 28% der Mütter selbst entscheiden, ob sie ihr Kind stillen werden oder nicht, ohne andere Personen oder Instanzen zu konsultieren. Die meisten jedoch ziehen gerne kompetente Berater hinzu, allen voran in der Klinik. Dort treffen 55% der befragten Frauen zusammen mit dem Arzt, der Hebamme oder Schwester die Entscheidung, ob sie ihr Baby stillen oder ihm die Flasche geben. Darüber hinaus lassen sich 32% von vertrauten weiblichen Personen – wie Freundinnen und anderen Familienangehörigen – beraten. Lediglich 24% sprechen mit ihrem Mann oder Partner über das Thema. Was die „aktive“ Beschaffung von Fachliteratur anbelangt, so dominieren die Zeitschriften und Magazine als meist genutzte Informationsquelle. Rund 37% der befragten Mütter informieren sich in themenbezogenen Zeitschriften.


    Auffällig ist, dass laut Studie die wenigsten Mütter auf das Medium „Internet“ zurückgreifen: So nutzen überraschender Weise nur geringe 5% themenbezogene Web-Seiten. Es fällt auch auf, dass der Informationsbedarf zwischen den Altersgruppen schwankt: Die Gruppe der über 33-jährigen ist wesentlich „informationshungriger“ als die Gruppe der unter 26-jährigen, bei denen sich fast die Hälfte (48%) der Befragten überhaupt keine Informationen beschaffen.

    Ich vermute allerdings, dass das Internet als Informationsmedium eine höhere Bedeutung bekommen hat in die letzten 2 Jahren.
  • EowynEowyn

    27,156

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    sonnenblume74 schrieb:
    So lange wie man stillt :shock: ich dachte nur so 10 mal oder so? Wo kann man das schriftlich finden?
    schriftlich habe ich das auch nicht, aber meine Hebamme hat im GVK auch ganz klar darauf hingewiesen, dass man während der gesamten Stillzeit bei ihr Unterstützung bekommen kann. Die 10 Hausbesuche beziehen sich ja nur auf die Zeit direkt nach der Geburt. Bei Bedarf werden die ja auch noch einmal erweitert. Und bei Stillproblemen ist sie eben dauerhaft zuständig.
  • PiratFinnPiratFinn

    276

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Soviel ich weiß, sind 10 Tage nach der Geburt pauschal ohne weitere Begründung mit der KK abrechenbar. Darüberhinaus kann man sie natürlich in Anspruch nehmen, mindestens 10 Wochen bzw. solange du stillst - nur muss dann die Hebi gegenüber der KK bescheinigen, das du Probleme hattest. So ähnlich hat es meine erklärt. Wie das allerdings genau mit der KK funktioniert kann ich nicht sagen - da ich privat versichert bin, ahb ich über alles ne Rechnung bekommen, die anstandlos (auch von der Beihilfe - die normalerweise schlimmer als jede gesetzliche KK ist) erstattet wurde und ich hatte weit mehr als die pauschalen 10. Ruf doch einfach mal bei deiner KK an und frag nach ?
  • AnonymousAnonymous

    59,500

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Ich habe übrigens neulich einen Anruf vom Krankenhaus bekommen. Sie fragten, ob ich noch stille. Als ich das bejaht habe, meinten sie: "Glückwunsch, stillen ist so wichtig. Halten Sie noch eine Weile durch!" Fand ich ja ganz nett.
    Hier stillt fast niemand, und es wird versucht, es wieder etwas zu propagieren. Ich denke, es ist schon eine Art weltweiter Trend zu beobachten, der wieder hin zum Stillen führt.
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