jauchzerle
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Hast Du jemals eine Unterhaltung mit einem anderen Elternmenschen vom Zaun gebrochen und dabei gebetet, etwas zu hören, was die Geschichten von Deinem Zweijährigen übertrifft?
Da ist diese borende Idee, daß Dein Kind irgendwie nicht ganz normal ist und so horchst Du hoffnungsvoll nach Geschichten über anderer Leute Kinder.
Vielleicht hat irgend so ein anderer Zweijähriger vollenends die heimische Hütte niedergebrannt und nicht nur versucht die Streichhölzer anzuzünden, die er von einem Regal, hoch oben, 1,90 Meter über dem Boden, um fünf Uhr morgens entwendet hat.
Es gibt Hoffnung, daß es irgendwo da draußen einen Zweijährigen gibt, der den Orientteppich tatsächlich vollends ruiniert hat, statt nur zwölf Rühreier darüber zu verteilen, früh am Morgen, bevor Mutter und Vater erwachten.
Vielleicht gibt es sogar einen zwei Jahre alten Knaben, der, statt sich nur selbst von Kopf bis Fuß mit grüner Lebensmittelfarbe einzuferkeln, auch noch die gute Couch und den teuren Teppich verdorben hat.
Du meinst, daß wenn Du nur ein schwierigeres Kind finden könntest, Du Dein eigenes Kind in einem besserem Licht sehen könntest.
Also nutzt Du Deine seltenen Chancen, wenn Du Dich tatsächlich mit Deinem Kind auf öffentliche Plätze wagst. Du machst Deinen Weg durch ein Meer von schulterzuckenden Eltern und Großeltern, die alle abgrundtief gewiß sind, daß sie einen besseren Job in der Erziehung Deines Kindes leisten könnten -Du suchst, um nur ein einziges verständnisvolles Gesicht zu finden. Es ist eine harte Prüfung.
Doch irgendwann hast Du Glück. Du findest jemanden und mit vorsichtigster Hoffnung, fragst Du nach Dingen, die IHR Kind getan hat. Sie erzählen Dir dann, daß ihr Zweijähriger es liebt, nackt um das Haus zu toben ? aber sie können Dir nicht erzählen, wie er immer wieder seiner ältere Schwester dazu bekommt, die Tür aufzuschließen, so daß er im Hinterhof nackt herumhüpfen kann, während es Eissterne friert.
Du hörst, wie ihr kleiner Darling darin aufgeht, die Kühlschranktür auf und zu zu machen, aber sie können nicht davon berichten, wie er seine Fingerchen in alle die kleinen Cocktail-Tomaten steckte, während Du im Badezimmer warst.
Die Frau ist vielleicht sehr besorgt, weil ihr Sohn einer von denen ist, die ihre Finger mit Vorliebe in die Steckdose stecken - aber doch ist das Kerlchen nicht von der Sorte, die Pappas Schraubenzieher aus dem Werkzeugkasten holt und sorgsam vorher die Abdeckungen von den Steckdosen schraubt, wie es Dein Sohn tut.
Wie die ersten Strahlen der aufgehenden Morgensonne beginnt es Dir zu dämmern, daß sie Dich eigentlich nicht wirklich verstehen.
"Dann hat er Dich wohl nicht in größere Ärgernisse gestürzt", sagst Du und wechselst das Thema. "Wie schläft er denn nachts?", fragst Du vorsichtig.
Die Sonne der Einsicht in Dir steigt weiter empor, wenn Du hörst, daß er ein furchtbarer Schläfer ist, der für gewöhnlich jede Nacht zweimal aufwacht und jedesmal in den Schlaf gewiegt werden muß. Denn Du hörst nicht das Geringste darüber, daß auch er nur an sieben von vierundzwanzig Stunden schläft.
Mußte SIE jemals seine Windeln mit Tesaband an ihrem Jungen befestigen (und sicherstellen, daß sich das Ende auf dem Rücken befand), aus Furcht vor dem, was Du jeden Morgen in der Wiege und dem Kind finden konntest?
Hat SIE jemals die Kinderzimmertür verriegelt und das Kind eingeschlossen, damit es nicht um zwei Uhr nachts durch das Haus geistert und den bereits erwähnten Unfug anstellt?
Du fragst ja nicht nach Dingen, wie dem schweren 1,20 Meter hohen schmiedeeisernen Gartenzaun, der durch Dein Wohnzimmer führt, um Dein Haus vor Baby zu schützen.
"Bitte erzähl mir nur einmal, daß er um drei Uhr nachts aufgewacht ist und statt zu weinen das Licht eingeschaltet und seinen Raum verwüstet hat. Ich würde mich wirklich besser fühlen", denkst Du, während die Sonne in Dir höher steigt.
Als letzte Ausflucht fragst Du, ob er sich vielleicht dagegen wehrt, im Auto angeschnallt zu werden.
"Oh, er ist furchtbar," sagt sie. "Er wendet und dreht sich und will nicht still sitzen. Man muß eine Kiste Spielzeug mitnehmen, um ihn zu beschäftigen, auch für die kürzeste Fahrt zum Lebensmittelhändler."
Meint SIE jetzt, sie brauchte nicht fünf verschiedene Sicherheitssitze zu kaufen, um einen zu finden, aus dem er nicht freikommt? Sie braucht wohl nicht einmal während einer 20 Minuten-Fahrt anzuhalten, um ihn in den Sitz zurück zu verfrachten?
Sie war offensichtlich nie nahe dran, es mit einem Seil oder Klebeband zu versuchen, damit er sitzen bleibt? Dann hat sie wohl auch nie darüber nachgedacht, kurz entschlossen und wie von Sinnen seinen Hintern mit Kontaktkleber auf den Sitz zu heften? Ist sie niemals auf der Autobahn gefahren, mit dem Ellenbogen auf dem Türriegel und dem Finger auf dem Fensterheber, weil er es wie üblich geschafft hatte, den Sitz zu verlassen und nun an Tür und Fenster spielte und es gab keine Nothalte-Spur?
Aber halt! Sagte Dein Gegenüber nicht grad "Lebensmittelhändler"?
Heißt das, daß sie ihr Kind mitnimmt, wenn sie zum Einkaufen geht? Jetzt steht in Dir die Sonne fast im Zenit.
Die Hoffnung, daß Du eine verwandte Seele gefunden hast, ist gestorben. Während ihr Sohn "schwierig" sein mag, wie all die anderen, hat sie doch keine Ahnung.
Es war eine nette Unterhaltung, aber die bange Frage nach der "Normalität" ist wieder unbeantwortet geblieben. Du hast noch immer niemanden mit einer schwierigeren Herausforderung gefunden.
Sie war ganz nett und so tauschst Du Informationen aus und redest über mögliche Besuche unter den Kindern.
Aber was Dich angeht, da strahlt mit voller Gewißheit die Sonne der Einsicht über Deinen ganzen Himmel, wenn Du abschließend von Deiner netten Bekanntschaft hören mußt: "Vergiß nicht, er ist halt ein Junge."
Quelle:hypies.de
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Kommentare
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:cool04:
Ich hab ..........
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......................
ein Mädchen :fun02:
:laola03:
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Musst Du mir eigentlich die Freude auf ein ruhiges kleines Kleinkind verderben, jetzt ist mir alles wieder eingefallen :???: :twisted:
Aber es ist vollkommen richtig... Irgend wann denkt man und freut sich "Es ist wirklich eben ein Junge" ein glücklicher aufgeweckter neugieriger lebensforher Junge!
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