Wie sprechen Eltern mit ihren Kindern?

TheoTheo

44

bearbeitet 22. 12. 2004, 18:28 in Plauderecke
Gestern war ich in Warendorf, um ein paar Besorgungen zu erledigen.
Als ich über den Parkplatz schlenderte, sagte eine Frau zu ihrem Kind: "Laß nur, Mama macht dir gleich die Jacke zu." Wieso sprechen Eltern von sich oft in der dritten Person? Eigentlich wäre doch "Ich mache dir die Jacke zu!" besser.
Oder haben kleinere Kinder Probleme, das "Ich" Papa, Mama, Opa, Oma etc. bedeutet, je nachdem, wer "Ich" sagt?

Naja, wahrscheinlich werde ich es genauso machen. :grin:

LG

Theo

Kommentare

  • wudwudwudwud

    2,744

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Hm gute Fraga, also ich kann mich auch zu einer
    "Mama kommt gleich"-Sagerin bekennen.

    Ich denke mal das hat was damit zu tun das man so dem Baby das Gefühl vermittelt das die direkte Bezugsperson sofort wieder zur Verfügung steht und man dem kleinen Kind unbewusst abspricht das es unterscheiden kann.

    Natürlich ist es Blödsinn zu glauben das ein Baby die Worte an sich so versteht, es erkennt die umgebenden Personen eher an der Stimme oder am Geruch, aber nicht an dem was man sagt.
    Zumindest nicht in der ersten Zeit.

    Vielleicht haben wir ja zufällig eine Psychologin da die was dazu sagen kann.
    Würde mich auch interessieren.
  • imnreimnre

    15

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    es gab vor jahren mal ein Lied von Mike Krüger



    Meine Tochter lernt jetzt sprechen, ist das toll
    All die Verwandten quatschen ihr die Ohren voll
    Sie rufen: didi, dudu, dada und deidei
    Meine Tochter sitzt nur da und lacht dabei

    Denn das Auto ist ein Auti
    Wenn sie laut ist, ist sie lauti
    Und das Kissen ist ein Kissi
    Muss man klein, dann muss man Pischi
    Muss man groß, muss man Aa
    Bitte sag doch mal Papa
    Oder Mama oder so
    Meine Tochter lacht nur froh

    Ja, meine Tochter lernt jetzt sprechen, ist das toll
    All die Verwandten quatschen ihr die Ohren voll
    Sie rufen: didi, dudu, dada und deidei
    Meine Tochter sitzt nur da und lacht dabei

    Gibt es Essen ist das Happi
    Bitte sag doch einmal Papi
    Gibt es trinken ist das Trinki
    und die Tür die hat ‘ne Klinki
    Und die Ente die heißt Didi
    Und der Papa hat ‘nen Schniedi
    Und die Mama die hat kein‘
    Kind, das siehst du doch wohl ein

    Ja, meine Tochter lernt jetzt sprechen, ist das toll
    All die Verwandten quatschen ihr die Ohren voll
    Sie rufen: didi, dudu, dada und deidei
    Meine Tochter sitzt nur da und lacht dabei

    Ich hoff‘ für meine Tochter, dass sie clever ist
    Und so schnell wie möglich diesen Mist vergisst
    All das didi, dudu, dada und dumdum,
    All das plitschi, plutschi, platschi, plumplum
    Doch sollte sie’s behalten ist das auch nicht schlimm
    Dann wird sie später einfach Schlagersängerin
  • AnonymousAnonymous

    59,500

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Aaaalso: Babys/Kleinkinder haben bis zu einem ungefähren Alter von 1 1/2 Jahren (wenn ich jetzt nicht ganz falsch liege :oops:) nicht die Fähigkeit des "Ich-Denkens". Sie lernen zwar die Namen von Gegenständen und Personen, wissen demzufolge auch schon bald, wer "Mama" ist, können aber z. B. mit der Aussage "ich komme gleich zu dir" nichts anfangen.

    Ab dem Zeitpunkt, wo sie im Spiegel ihr eigenes Ich erkennen und wissen, dass sie es selbst sind, können sie auch mit der "Ich-Bezeichnung" etwas anfangen.

    Alle Klarheiten beseitigt? ;-)

    :byebye01:

    Gisela
  • tesuntesun

    1,709

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Außerdem wie sollen sie sonst Mama sagen lernen wenn ich ständig von Ich rede :biggrin:
  • TheoTheo

    44

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Gisela schrieb:
    Ab dem Zeitpunkt, wo sie im Spiegel ihr eigenes Ich erkennen und wissen, dass sie es selbst sind, können sie auch mit der "Ich-Bezeichnung" etwas anfangen.

    Ach so ist das!
    Das Eltern, wenn sie mit ihrem Kind sprechen, die Tonhöhe um mindestens zwei Oktaven erhöhen hat da aber nichts mit zu tun, oder? :grin:

    Nicht böse sein, ich muß mich doch schon mal darauf vorbereiten, vom Menschen zum Papa-Tier zu mutieren. Da will ich wissen, was passiert.

    LG

    Theo
  • lilalila

    2,943

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Genau, tesun. Und das läuft alles instinktiv, ich glaube kaum jemand macht sich Gedanken darüber und beschließt nach längerem Grübeln, von sich selber in der dritten Person zu sprechen.

    Und der Instinkt ist im Umgang mit Kindern selten ein schlechter Ratgeber ;-)

    Und ich sag ja auch immer: "Mama ist schon unterwegs", "Mama zieht sich schon an", "Mama beeilt sich schon", "Mama läuft schon wieder aus",... und eben auch in einem anderen Tonfall, damit die Kleine auch weiß, dass sie gemeint ist. Und das alles mache ich, ohne vorher darüber groß nachgedacht zu haben. Und würde ich das verhindern wollen, mein Gespräch mit meiner Tochter klänge wohl sehr verkrampft.

    Ich gebe aber trotzdem die Hoffnung nicht auf, dass die Sprachentwicklung meiner Süßen einen unauffälligen Verlauf nimmt. ;-)
  • TheoTheo

    44

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Ja gut, es kommt, wie es kommen muß.

    Da gibt es nur so dunkele Erinnerungen an meine eigene Kindheit, wie schlimme alte Tanten auf den schon vierjährigen Theo losgingen, mit Sprüchen wie: "Na du bist aber groß geworden, komm zu Tante xy." . *grusel
    Wenn Eltern ihre Kinder in der dritten Person ansprechen ist das in Ordnung.
    Nur ich wurde auf dem Parkplatz irgendwie an diese Tanten erinnert...
    In einem halben Jahr sollte ich mir diesen Thread mal wieder in Erinnerung holen und staunen, über was ich mir so Gedanken gemacht habe, als es noch keine "durchgeblähten Nächte" gab. :grin:

    LG

    Theo
  • bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Man sitzt ja auch vor dem Kind, schiebt den Löffel ein, und macht dabei garantiert dem Mund auf.
  • LoreleiLorelei

    4,536

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Oh mein Gott, also ist es durchaus sinnvoll zu reden wie ein Vollhirni??? :biggrin:
    Wenn ich jetzt nich wüsste,wieso das sinnvoll ist, hätt ich sicher versucht sowas zu unterlassen. Das hat immer echt was von "minderbeittelt"... :???:
  • handjeryhandjery

    1,392

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Ehrlich gesagt spreche ich nur völlig normal mit ihr, zwar in höherer Tonlage und mit vielen Kinder-Wörtern, wenn wir Knuddeln (Pipibox zur Windel bringt sie momentan zu albernem Kichern, scheinen tolle Laute zu sein :grin: ), aber "geh mal zu Papa" oder "Mama kommt" bringe ich nicht über mich, käme mir total doof dabei vor.
    Robin hat mich auch nie Mama genannt, eben genau weil solche Sätze nie gesagt wurden. Gabriele war etwas kompliziert, deswegen wurde Ele draus, inzwischen Kosename. Am Spielplatz hat er etwas älter dann mal einer Frau erklärt, alle hätten Mamas, er hat eine Ele ganz für sich. Da hatte ich ein bisschen Tränen in den Augen, sehr süß.
    Mich machen "dibt-keine-schoki-wir-haben-apfisafti-im-flaschili"-Gespräche ganz kirre. Als Spaß beim Albern okay, aber nicht als Alltagssprache. Und ich bin auch nicht nur Mama und will auch nicht von meinem Mann so genannt werden, genausowenig wie ich zu ihm Papa sage. Mina geht zu Sander, denn so nenne ich ihn.
    Meine Mama ist auch schon immer Lisa und ich liebe sie über alles, solange ich denken kann, und es war auch immer klar, dass sie meine Mama ist. Da bin ich sogar stolz drauf, auf meine Lisa.
  • Ute_66Ute_66

    2,833

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Man sitzt ja auch vor dem Kind, schiebt den Löffel ein, und macht dabei garantiert dem Mund auf.
    :lachen04: :lachen04: :lachen04:
    stimmt genau !!!!
  • EowynEowyn

    27,156

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Ich habe in den letzten zwei Wochen öfter selber über mich gestaunt. Irgendwie scheint man ja manche Sachen ganz instinktiv zu machen. Zum Beispiel eben in höherer Tonlage mit dem Baby zu sprechen. Und auch dieses von sich als "die Mama" zu reden kam bei mir ganz automatisch ohne dass ich mir darüber Gedanken gemacht habe :shock:

    Was ich aber in keinem Fall mag ist von Hunden als Wauwau und vom Schnuller als Schnulli zu sprechen. Und der Kindergarten ist der Kindi. *grusel* Wenn das Kind anfängt zu reden, Wörter noch nicht richtig aussprechen kann und dann irgendwelche lustigen Kurzformen dabei rauskommen ist das eine Sache. Aber bereits immer von selber nur solche verniedlichende Kurzformen zu benutzen halte ich für kontraproduktiv.
  • Snoopy82Snoopy82

    7,740

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Lorelei schrieb:
    Oh mein Gott, also ist es durchaus sinnvoll zu reden wie ein Vollhirni??? :biggrin:


    Ja, durchaus! ;-)

    Warum da so ist, kann ich Dir jetzt auch nicht sagen, so genau hab ich nicht aufgepasst :oops: aber es gibt viele Studien, die belegen, dass im Allgemeinen die sogenannte "Ammensprache" - halt dieses mit der höheren Tonhöhe, in der 3. Person sprechen, einfachere Sätze, an den Wortschatz der Kinder angeglichen - sinnvoll ist ... Kinder mit denen im vorsprachlichen Alter viel in der "Ammensprache" geredet wurde, haben im allgemeinen eine unauffälligere Sprachentwicklung und neigen weniger zu Sprachstörungen ...

    Es braucht sich aber keiner Sorgen zu machen, der nicht so mit seinem Kind spricht ... jedes Kind bekommt automatisch diese Sprache zu hören, und sei es von Fremden im Supermarkt ;-), außerdem passt eigentlich jeder seine Sprache ganz unbewusst seinem Gegenüber an und wenn das halt ein Baby/Kind ist, dann klingt die Sprache auch dementsprechend :grin:
  • GoldSevenGoldSeven

    3,151

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Eowyn schrieb:
    Was ich aber in keinem Fall mag ist von Hunden als Wauwau und vom Schnuller als Schnulli zu sprechen.

    Nein, prinzipiell verniedlichen mag ich auch nicht, aber es gibt Wörter, die sind einfach zu lang und müssen abgekürzt werden. Wenn Timo die Milch in den Kragen rinnt, würde es zu lange dauern zu sagen, "Guido, ziehst du mal eben das Moltontuch zurecht?" Da heißt es nur: "MOLLI!!!"

    :biggrin:
  • EowynEowyn

    27,156

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Snoopy82 schrieb:
    außerdem passt eigentlich jeder seine Sprache ganz unbewusst seinem Gegenüber an
    Oh ja! Und wenn es ein dreijähriger ist, dann spreche ich bewusst deutlich, was für mich klares Hochdeutsch bedeutet. Dumm nur, wenn man mittlerweile im Schwäbischen lebt. Der Neffe meines Mannes hat mich daher immer so confused.gif angeschaut, wenn ich mit ihm gesprochen habe. Er hat offensichtlich kein Wort verstanden. :neutral:
  • bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Eowyn schrieb:
    Was ich aber in keinem Fall mag ist von Hunden als Wauwau und .... zu sprechen.

    Ich arbeite(te) in einer HNO-Praxis. Manchmal ist es notwendig, einen Hörtest bei den Kleinen (so ab ca 2 1/2 bis 3 Jahren möglich) zu machen.
    In der Regel versucht man zunächst einen normalen Test mit Tönen. Aber am Anfang klappt das natürlich meistens noch nicht so.

    Dann greift man auf den sogenannten "Mainzer Kindersprachtest" zurück. Das ist ein Test, bei dem den Kleinen mit CD über Lautsprecher einfache Kinderwörter in mehreren Lautstärken vorgesprochen werden. Diese können sie entweder nachsprechen oder auf einer Bildtafel zeigen.

    Jedenfalls lange Rede, kurzer Sinn: Das Hundbildchen wird auf der CD mit "Wauwau" benannt (die Katze mit "Miau"- wahrscheinlich, weil die meisten Kleinen Dinge und Tiere zu erst mit den Lauten ausmachen und wieder erkennen. (Oft sagen sie ja auch Tick-Tack zu Uhren)

    Also ganz verkehrt ist so eine Babysprache also auch nicht. ;-)
  • kerstinjkerstinj

    2,322

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Also mal ehrlich, einiges an Babysprache nervt halt, aber viieeel schlimmer finde ich manche Slangsprachen.
    So z.B. hier im Ruhrpott, wenn ich dann Mütter höre die "Komma bei die Mama" sagen, oder dauerhaft mir und mich verwechseln. Oder auch "tu ma die Möhrchen".
    Da stellen sich mir die Nackenhaare hoch, obwohl ich meinen Ruhrpottslang nu wirklich nich verleugnen kann :roll:
  • handjeryhandjery

    1,392

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Mit der Slang-Sprache, das finde ich eher lustig, wenn ich es lese :lachen04:

    Ich finde es auch ein bisschen schade, dass das verloren geht. Ich spreche beides, bayerisch aufgewachsen und dann in der Schule auf komplett hochdeutsch umgestiegen, so, dass man es nicht mal in Berlin erkannte. Robin war ja seine ersten 7 Jahre in Berlin und hat auch ziemlich dolle berlinert (durch Kindergarten)- hat sich dann hier auch wieder verloren und er spricht rein Hochdeutsch, ohne jeden Dialekt. Mein Mann, in Südafrika geboren und aufgewachsen, spricht auch nur Hochdeutsch und so sehe ich Mina leider auch ohne Dialekt-das bisschen Oma reicht wohl nicht aus :sad: und ich käme mir komisch vor als einzige zu Hause mit ihr bayerisch zu reden...

    Wir hatten vor kurzem Besuch aus Wien und der Kleine mit 3 Jahren spricht ja so niedlich weanerisch!!!

    Übrigens verziehe ich beim Füttern auch ganz doof den Mund, bekenne ich mich voll schuldig, aber sonst wird wirklich ziemlich normal mit Mina gesprochen, wie auch mit Robin und der quatscht mich in Grund und Boden. :shock:
  • TheoTheo

    44

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    kerstinj schrieb:
    Also mal ehrlich, einiges an Babysprache nervt halt, aber viieeel schlimmer finde ich manche Slangsprachen.
    So z.B. hier im Ruhrpott, wenn ich dann Mütter höre die "Komma bei die Mama" sagen, oder dauerhaft mir und mich verwechseln. Oder auch "tu ma die Möhrchen".
    Da stellen sich mir die Nackenhaare hoch, obwohl ich meinen Ruhrpottslang nu wirklich nich verleugnen kann :roll:

    Da habe ich noch garnicht drüber nachgedacht! - "Krich Papa ma nen Pülleken Bier aus'n Keller..." - Ich freue mich auf meine Tochter! :grin:

    Theo - Der hofft, zumindest dieses Mal nicht ganz ernst genommen zu werden :knutsch01:
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