... Ich hatte nämlich gestern ein Erlebnis, das zu skuril ist, um es einfach so zu übergehen.

Gestern war die letzte Sitzung in meinem Uni-Seminar zur "Integration des Islam in Deutschland". Das war sowieso immer höchst interessant, weil die Deutschen ohne Migrationshintergrund - wozu ich gehöre - dort in der absoluten Minderheit waren. Im Anschluss an die letzte Sitzung hatte der Dozent (seines Zeichens Kurde) angekündigt, dass man mit den wenigen Treuen, die bis zum Ende durchgehalten hatten (solche Seminare schrumpfen über das Semester meistens auf die Hälfte zusammen) mal was Trinken gehen wolle. Klar, super Idee.
Zur letzten Lehrveranstaltung brachte er einen "Freund" mit, der eine Sinnlos-Debatte über den Begriff der interkulturellen Kompetenz anzettelte und ernsthaft mit dem manisch diskutierwütigen grauhaarigen Sozialpädagogen aneinander geriet. Nachdem der Sozialpädagoge ihn mit der Unterstützung mehrerer anderer Seminarteilnehmer an die Wand diskutiert hatte, entpuppte sich der "Freund" als ehemaliger Universitäts-Präsident und emeritierter Professor der Politikwissenschaften. :shock: Na gut, auch recht.
Nach der Veranstaltung hatten drei Studenten weitere Termine - oder keine Lust - also blieben nur noch fünf Leute übrig, die das Semester nett ausklingen lassen wollten. Darunter war auch Herr Ex-Präsident. Er entschied, dass die Kneipe um die Ecke nicht das Richtige sei. Er habe Hunger, also wäre das "Alberto" empfehlenswert, sei auch gleich um die Ecke. Hm, okay, klingt nett, ich kenn mich in Hannover eh nicht so aus. Also pilgerten wir ihm hinterher.
Die anderen in der Runde waren der Dozent, der manisch-diskutierwütige grauhaarige Sozialpädagoge, eine chinesische Studentin mit eigenem Unternehmen in Hong Kong - und ich.
Das "Alberto" entpuppte sich als
der Edel-Italiener der Nordstadt. :???: Zum ersten Mal in meinem Leben betrat ich ein Restaurant, in dem keine Speisekarten gereicht werden. Zum Glück hatt ich von vornherein gesagt, dass ich nur eine halbe Stunde bleiben kann, wegen meinem Sohn. So kam ich gar nicht erst in die Verlegenheit, zwischen "Carpaccio von Lachs und Jacobsmuscheln" und "Rehmedaillons an Salbeisoße" wählen zu müssen. Trotzdem bekam ich, wie die anderen auch, ein Tellerchen mit Krabben-Cocktail und überbackener Mais-Terrine gereicht, als Kompliment des Hauses.
Herr Ex-Präsident, dem die fassungslosen Blicke der anderen seine Lokalwahl betreffend völlig entgingen, bestellte eine Flasche Rotwein. Den Namen dieses edlen Tropfen habe ich leider vergessen, er stammte aus der Toskana, und es gab kein anderes Wort für ihn als "vorzüglich". Ich bat nur um ein halbes Glas, da ich ja stille. Die folgenden zwei Minuten verbrachte Herr Ex-Präsident in einer Diskussion mit der Kellnerin, ob man Frauen, von denen man erfahre, dass sie stillen, automatisch auf den Busen schaue (er vertrat die Ansicht, dass dies unumgänglich sei).
Wohl um das Thema zu wechseln, gab der Dozent zum besten, dass mein Referat das beste in der ganzen Lehrveranstaltung gewesen sei. :cool: Inzwischen hatte er uns allen das Du angeboten (mit dem Herrn Ex-Präsidenten waren wir mit Ausnahme des Dozenten natürlich alle noch per Sie). Letzterer bohrte beharrlich nach, was denn so gut an meinem Referat gewesen sei. Das enttäuschende Ergebnis dieser Befragung: Es war kurz. ;-)
Dann musste ich auch schon los, um meinen Zug zu kriegen. Ich würde gern mit einer netten Pointe enden, aber leider hab ich mal wieder nur so dahergeschwafelt, und es gab keine. ;-) Was mir persönlich bleibt, ist die Frage, wie ein Mensch mit derart schlechten Manieren in das höchste Amt der Universität gerät...
Kommentare
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Naja, ich hatte gestern Abend ein ganz ähnliches Erlebnis. Ich war beruflich auf einem Käse-Seminar, zusammen mit 3 Berufskollegen und einer Delegation der Stadt, in der ein Käsemuseum entstehen soll (Bauamtsmitarbeiter, Betreibergremium, Ziegenbäuerin, etc.).
Der Seminarleiter (einer der 4 einzigen Affineure in Deutschland) hielt also seinen Einleitungsvortrag über Rohmilch-Käse und auch über die lebendigen Bakterien und die potentielle Gefahr durch Listerien...weshalb alle Schwangeren deshalb die Rinde vorsichtshalber nicht mitessen sollten...er schaue da ja jetzt niemanden speziell an (starrt mich Moppel dabei an). Ha, war das ein Brüller...
Ich habe ihn dann gefragt, ob das auch gelte, wenn man stillt udn ob die Bakterien auch in die Milch übergehen können. Da war er allerdings dann überfragt, wies aber vorsichtshalber bei JEDEM neu aufgetragenen Käse darauf hin, daß ich bitte vorsichtshalber die Rinde abschneiden solle - "wegen dem Stillen".
Es waren 15 Sorten in jeweils 2 Reifegraden...also 30 Käse. 30 Mal alle Augenpaare auf meinen Ausschnitt.
Es stimmt.
Und - wie hat das "Amüsgöl" gemundet...? :biggrin:
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Von solchen manisch diskutierwütigen grauhaarigen Sozialpädagogen gibt es igendwie auch in jedem Seminar ganau einen, oder? ;-) Was hat denn der zu dem Edelrestaurant gesagt? Die Exemplare, mit denen ich studieren musste, hätten an im-Erdboden-versink-würdigen Kommentaren nicht gegeizt. XD
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Mhh, Käse, klingt toll! War's wenigstens lecker? Und wo ist dieses Käsemuseum? Und was hast du da beruflich mit zu tun?
Geschmeckt hat "Albertos" Zeug wirklich lecker. Die Chinesin bestand auch darauf, mich von ihrem Lachs-Muschel-Carpaccio probieren zu lassen, und das war wirklich einsame Spitze! Zu schade, dass ich nicht bis zur Rechnung bleiben konnte, hätte mich schon interessiert, wie spitze das war... :razz:
@ GoldSeven:Den manisch diskutierwütigen grauhaarigen Sozialpädagogen hat das Ambiente irgendwie nicht so beeindruckt. Er hat sich nur 'ne Vorspeise bestellt und seine Diskussionen (mit vollem Mund! :roll:) wieder aufgenommen.
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Käsemuseum in Nieheim - das ist irgendwo zwischen Paderborn, Bielefeld und dem großen Nichts (so wie in der unendlichen Geschichte). Dort entsteht eine Museumsmeile mit einem Bier-, einem Schinken-, einem Schnaps-, einem Käse- und einem Brotmuseum. Ich als unpassionierter Käseesser arbeite am Käsemuseum und der Gastronomie.
War toll, wahnsinnig interessant (vor allem die menschlichen Geschichten drumrum, wo welcher Käse herkommt, von welchen Tieren, was die fressen, warum er im Sommer anderst schmeckt als im Herbst, wie welche Käse verfeinert werden dun welchen Wein man warum dazu trinkt) und soooo lecker...naja, bis auf ein paar ganz "reife" Sorten, das war mir dann doch zu streng. Der vollreife Roquefort brennt mir heute noch nach... ;-)
Der krasseste Vergleich war der Supermarktkäse dazu. Ich bin geheilt.
Zum Glück war ich vom Auftraggeber eingeladen, das hätte ich mir nicht leisten können...:shock:
Lebendige Muscheln? Ihhhhh...
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Nee, tote Muscheln. Die waren ja so Carpaccio-mäßig aufgeschnitten. Da hat nichts mehr gelebt. War aber lecker!
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Marc ist ja jetzt als Referendar am Gericht einer Richterin zugeteilt, die bereits vier Mal (von 6) den Termin mit ihm vergessen hat, heißt er ist extra angereist und sie war nicht da und ihr Vorzimmer hatte keine Ahnung wo sie hin ist und wann sie wiederkommt. Einmal hat man sie auf Handy erreicht, dreimal ist er unverrichteter Dinge nach zwei Stunden Wartezeit heim gekommen. Ich hab mir Richer immer irgendwie kompetenter vorgestellt.
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Hattest Du schon mal das Vergnügen, an einem Gerichtsverfahren teilzunehmen? Von Kompetenz hab' ich da nix merken können ...
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Man sollte sich vorher gut erkundigen, man kann doch manchmal Wünsche anbrigen, wo man hinwill!
Meine Richter haben mich entweder nicht sehen wollen
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Naja, in der Wirschaft sieht es ja auch in Sachen Kompetenz nicht unbedingt besser aus - irgendwie läuft's doch (fast) überall gleich :???:
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und ehrlich gesagt zu Recht!
das beste ist die Hassliebe zwischen Lehrern/Juristen.... die sind sich so ähnlich und können einander nicht ausstehen, und es geht selten gut aus, wenn ein Lehrer vor Gericht steht.