Hallo Ihr Lieben,
ich möchte mal Eure Meineung hren, weil mich das ganze hier tierisch aufregt.
Dieser Artikel stand im Kölner Stadtanzeiger:
Anwohner in Rage
BIRGIT LEHMANN, 05.11.05, 07:13h
Bild: Lehmann
Lautstark protestieren Anwohner aus Alt-Hürth gegen das Krematorium.
„Warum ausgerechnet bei uns?“, fragten die Bürger aus Alt-Hürth.
Hürth - Der Deutschordenssaal im Bürgerhaus war fast zu klein. Stehend verfolgten einige Besucher die Diskussion. Rund 130 Bürger waren am Donnerstagabend gekommen, um sich über die Pläne für ein Krematorium neben dem Friedhof und der Moschee in Alt-Hürth zu informieren. Die Stadt will das Grundstück an eine Firma aus Hameln verkaufen. 2000 Einäscherungen im Jahr - sieben pro Tag - sollen dort stattfinden.
Ob es an der fehlenden Lautsprecheranlage lag, die Worte der Architektin waren nur schwer verständlich, oder an einem Infoblatt der Alt-Hürther CDU über das „Großprojekt im Naherholungsgebiet“ - die Stimmung im Saal war jedenfalls aufgeheizt. Die Mehrheit der Anwesenden, dies war offensichtlich, ist gegen das Krematorium. Beifall brandete auf, als ein Anwohner gleich zu Beginn die Frage stellte, ob jemand annehme, dass der Wert ihrer Immobilien durch das Krematorium gesteigert werde? Ein anderer wandte ein, dass sich ein Krematorium für 200 Hürther, die sich, statistisch betrachtet, im Jahr einäschern ließen, nicht lohne. Auf die Entgegnung von Bürgermeister Walther Boecker, dass sich dort auch Leute von außerhalb einäschern ließen, tönte ein lautes „Aha“ durch den Saal. Einer beschwor einen „Massentourismus mit Urnen“ herauf, eine Bürgerin fragte, ob sich anderswo die „Särge stapeln“ würden. „Warum ausgerechnet bei uns?“ fragten viele, aus einer Ecke tönte es, den Alt-Hürthern sei genug zugemutet worden, mit der Moschee habe man schon „Toleranz“ bewiesen.
Wenig Verständnis
Den Bemühungen Boeckers, Verständnis für das Krematorium zu wecken, („Es gibt ein wachsendes Bedürfnis nach Einäscherungen“) schlug unverhohlene Ablehnung entgegen. Auch dem Argument, dass es aus Pietätsgründen nicht ratsam sei, eine solche Einrichtung im Gewerbegebiet anzusiedeln, weil dies den Vorwurf nahe lege, dass man die Menschen wie Abfall behandele, schien auf wenig Verständnis zu stoßen. Dezernent Peter Franzen betonte, dass in Bayern ein Gericht aus diesen Gründen einen Standort im Gewerbegebiet abgelehnt habe.
Fragen nach Umweltbelastungen oder Gerüchen wurden gestellt. Die Betreiber betonten, das Krematorium werde mit modernster Technik ausgerüstet und regelmäßig kontrolliert. Da im gesamten Verbrennungstrakt Unterdruck herrsche, könne nichts nach draußen dringen. Die Anlage verfüge über eine Rauchgasreinigung, die Abfälle aus der Reinigungsanlage würden als Sondermüll deponiert.
Krebs erregende Dioxine und Furane würden in geringen Mengen entstehen, die weit unter den gesetzlichen Bestimmungen lägen. Beim Rauchen einer Zigarette werde zehnmal mehr Dioxin frei als bei einer Einäscherung, erklärte Volkmar Schmidt von der Betreibergesellschaft. Auch jeder Kachelofen oder Kamin setze mehr Dioxine frei, die unkontrolliert entwichen.
Auch wenn es vereinzelt Stimmen für das Krematorium gab, sie blieben in der Minderheit. Bürgermeister Boecker versprach am Ende, man werde prüfen, ob auch ein Standort in der Nähe des Knapsacker Friedhofs in Frage käme.
SPD-Fraktionsvorsitzender Bert Reinhardt erklärte am Freitag, er persönlich sei für das Krematorium, die Stadt könne die Gewerbeeinnahmen gut gebrauchen. So sehen es auch die Grünen. Die Meinung der Anwohner auf der Versammlung spiegele nicht die Meinung der gesamten Bevölkerung wider, sagte Reinhardt. Auch die FDP erklärte, sie werde dem Verkauf zustimmen. Innnerhalb der CDU gibt es verschiedene Meinungen.
(KStA)
Ja, wo sind wir denn? Etwas saubrers als ein Krematorium kann es doch wohl nicht geben? Macht sich mal einer von diesen Nasen eine Vorstelung, was für giftige Stoffe nac einer Erdbestattung ins grundwasser gelangen, da redet auch keiner von Sondermüll. Was für eine Gesellschaft sind wir denn, wo Sterben und die Folgen ein Betriebsunfall sind, dessen Folgen möglichst schnell vertuscht werden müssen damit es bloß nicht auffällt.
Also, wenn nach Brühl ein Krematorium sollte, auch in unsere Strasse, hätte ich kein Problem damit, denn wer lebt stirbt zwangsläufig und soll auch anständig versorgt werden.
Das macht mich so wütend....
Kommentare
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Vor allem dieser Satz macht mich wütend :flaming01:
Wo leben wir denn?
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ISt die Gegend sehr katholisch?
Für Katholiken gilt verbrennen als Sünde.
Das darf man nicht.
BEi uns wurde ein "Waldfriedhof" als o ein Wald in den Urnen einfach unter Bäumen bestattet werden sollen von der katholischen Kirche verhindert.
Ansonsten ist es einfach so das die MEnschen mti dem sterben und dem Tod sehr große PRobleme haben und da als lebende möglichst nicht konfrontiert werden wollen
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Über religiöse Gründe hätte man aber noch vernüftig diskutieren können. Der Tod gehört aber nunmal zum Leben und der schöne Sonntagsspaziergang auf dem Gemeindefriedhof für viele ja auch.
Natürlich, der Tod ist ein Tabuthema in unserer Gesellschaft, aber das hält mich nicht davon ab, mich ber solche Kleingeistigkeit aufzuregen und versuchen, etwas zu bewegen. Es geht hier nicht um eine Mülverbrennungsanlage wo Tag für Tag hunderte stinkende Müllwagen durch die Strassen fahren und die Schronsteine Tag und Nacht rauchen, sondern um eine Mögllichkeit, am Tag sieben Körpern von Menschen, die man kante oder die anderen sehr viel bedeutet haben, viele aus der Nachbarschaft oder Verwandtschaft, zu verbrennen un ihnen so die die Chance zu geben, den letzten Weg so zu gehen, wie sie es sich wünschen. Ich frage mich wieviele von den Protestlern selbst verbrannt werden wollen.
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Genausowenig würde ich aber auch neben einen Friedhof ziehen ...
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Doch, darf man grundsätzlich schon. Sehr lange wäre man dafür zwar exkommuniziert worden, aber inzwischen ist das etwas anders.
Ja leider. Dazu hast du wahrscheinlich eine andere Haltung, allein durch Deinen Beruf wurdest Du ja damit konfrontiert. Oder hast Du da ohnehin keine Probleme mit gehabt?
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Ein wenig gegruselt habe ich mich regelmäßig, wenn ich übers Gelände der Uni-Klinik Heidelberg spaziert bin und da immer an so einer Mini-Kapelle vorbeimusste. Ganz dezent stand da dran "Institut für Rechtsmedizin". Und auch wenns albern ist, hat mir jedes Mal Unbehagen bereitet... :roll:
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Das führt zwar jetzt etwas vom Thema ab, aber wisst ihr zum Beispiel wie sich eure Eltern ihre Beerdigung wünschen? Ich bin so froh, dass diese Dinge seit langem bei uns immer mal wieder besprochen wurden. Als mein Vater vor zwei Monaten gestorben ist konnten wir uns daran festhalten, dass wir alles in seinem Sinne regeln konnten. Hätte man sich bei all der Trauer auch noch mit der Frage quälen müssen, ob er sich alles nicht ganz anders gewünscht hätte, wäre alles um Vieles schwerer gewesen.
Ich empfehle zu diesem Thema das unten stehende Buch. Ich habe viel geweint als ich es vor ca. 10 Jahren das erste Mal gelesen habe und zu dem von meiner Mutter ausgefüllten Fragebogen gekommen bin, wer nach ihrem Tod was wie regeln soll. Aber ich bin so froh, dass diese Themen bei uns nicht Tabu sind.
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Diese riesige Angst vor dem Tod brachte mich dann irgendwann dazu, mich damit mehr zu beschäftigen.
Und ich werde mein möglichstes tun, meiner Tochter einen anderen Umgang mit dem Tod vorzuleben.
Bei meinem Vater ja. Wir haben unsere Patientenverfügungen durchgesprochen, welche Bestattungsform, wo alle Dokumente sind... Er weiß das auch sehr genau von mir.
Meine Mutter sperrt sich dagegen, sie will nichts darüber hören, nicht darüber sprechen. Ich würde ihr gern helfen, damit besser umgehen zu lernen, aber wie?
Es tut mir leid, dass Du gerade erst diese Erfahrung machen musstest.
Aber genau wie Du sagtest, es ist so wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, dass man dem nicht aus dem Weg gehen kann.
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Ich muß sagen mein Verhältins zu dem Thema war vor meienr Ausbildugn eher neutral. Ich bin immer schon gern über Friedhöfe spaziert, weil es da so schön ruhig und friedlich war. 3 Großeltern Teiel waren bis dahin schon gestorben, und auch die Mutter meienr besten Freundin. Da ic hsehr gläubig bin hat mir das zumindestens keie nAngst gemacht.
Tja zum Schluß meiner Schulzeit mußten wir auf dem Weg zur Mensa immer an der Pathologie der Universität vorbei, das war schon irgendwie komisch.
Dann kam meine Ausbildung, und damit auch der direkte Kontakt zu sterben, Toten und angehörigen. Klar ich hab am Anfang auch gezuckt als mir der genaue Weg zum Totenkämmerchen beschrieben wurde. Noch heftiger wurde es als ich mitsamt verstorbenem und neuer Kollegin da unten stand und der Strom ausfiel ( Mit Laiche im stockdunklen Kühlraum war jetzt nicht soo prickelnd).
Mit der Zeit habe ich aber für mich begriffen das man vor dem Tod wirklich keien Angst haben muß. Er ist friedlich still und leise.
Und es ist soo wichtig das man in Familien darüber redet und sich klar macht was die einzelnen sich vorstele und was sie danach haben wollen.
Ahc ja solltet ihr mal mit dem sterben konfrontiert werden vergeßt nic ht wenn jemand gestorben ist, öffent man in dem Raum die Fenster damt die Seele raus in den Himmel und die Totenruhe einkehren kann. ;-)
Ich kann mci hübrigens bis heute an alle Verstorbenen die ich im KH kennengelehrnt habe erinnern, udn bei den Meisten weiß ich auch noch wo das Bett stand.
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man kann aber ein krematorium auch dort bauen, wo sich keiner gestört fühlt.
d.
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wo wäre das denn dann? Irgendwo ganz weit draußen auf einer einsamen Insel? Dann kommt aber wieder die Sache mit dem Umweltschutz....
Nur weil man sich mit dem Tod nicht auseinandersetzen will soll alles was daran erinnert aus unserem täglichen Leben verbannt werden? Aber sterben müssen wir trotzdem alle, das können wir nicht verbannen. Mit solchen Tabus machen wir es uns nur unnötig schwer mit dem Tod umzugehen.
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und nur um ein beispiel zu bemühen: selbst wenn ich mich intensiv mit müllentstehung und -vermeidung auseinandersetzen würde, wollte ich doch neben keiner müllkippe wohnen. ich denke es geht hier nicht nur um das auseinandersetzen mit dem tod. das erzählt i. ü. der potentielle bauherr um genau solche reaktionen wie hier hervorzurufen.
vielleicht bin ich einfach zu harmoniebedürftig, wenn ich mir wünsche, dass konflikte vermieden werden können, auch beim bau von krematorien. ich kenne mich in alt-hürt ja nicht aus, aber vielleicht gibt es auswärts einen friedhof, neben dem man das krematorium bauen kann. aus umweltschutzgründen hätte ich auch nichts gegen so ein bauwerk, obwohl ich die geschichten kenne, die immer erzählt werden, von leichenteilen, die angeblich durch den schornstein nach draußen wirbeln würden u.s.w.. ich denke mir nur, dass die anrainer befürchten, dass der wert ihrer grundstücke sinkt, weil nun mal viele leute außerhalb dieses forums nicht gerne neben krematorien wohnen, ob das nun begründet ist oder nicht. ich denke ohne not sollte man nichts gegen den willen der anrainer tun.
d.
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Anja
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Es gibt auch viele Leute, die nicht neben Spielplätzen wohnen wollen. Sollen dann die Spielplätze auch nicht gebaut werden?
59,500
Insofern handelt es sich bei dem Krematorium doch nicht um ein Gebäude, daß den Tod neu an diesen Ort bringt und auch die damit verbunden, obene beschriebenen Umstände. Worüber dann die Aufregung? Hätten es die Menschen, die sich jetzt da aufregen, dann nicht schon vermeiden müssen, neben einen Friedhof zu ziehen? Warum ist das Verbrennen von Leichen, bei dem ein Häufchen sterile Asche übrigbleibt, anrüchiger, als das 1,5 Meter tiefe Vergbuddeln, um sie den Würmern zu überlassen? Das ist doch Doppelmoral.
Vor allem wenn ich mir die chemische "Belastung" des Erdreiches und damit die Beeinträchtigung der Blumenrabatte oder des Salatbeetes von Frau Müller nebenan vorstelle...
Mich begleitet übrigens schon zeitlebens eine panische Angst vor meinem eigenen Tod und dem von Menschen, die ich gernhabe - aber das bewegt sich auf einer Vorstellungs- und Gefühlsebene von Endlichkeit und Verlust, die mit der sterblichen Hülle und deren "Entsorgung" nach dem Tod nichts zu tun hat. Daran - vor allem an der Verbrennung - ist für mich nichts Beängstigendes, Beklemmendes, Schmutziges, Erschreckendes. Es ist schlicht eine Notwendigkeit und der Friedhof für viele Menschen ein Ort, an dem sie symbolisch ihrer verstorbenen Angehörigen gedenken.
In Karlsruhe waren auf dem Friedhof, auf dem meine Großeltern beerdigt sind, auch sehr viele Sinti und Roma begraben. Die Familien (die meisten waren übrigens katholisch) kamen einmal im Jahr und feierten am Grab ein fröhliches Fest mit vielen Kerzen, machten Picknick, tranken, sangen und rauchten auf den Grabplatten. Viele haben sich daran gestört. Ich fand das einen sehr positiven Umgang mit dem Tod und eine viel größere und liebevollere Ehrung für den Verstorbenen, als ihm von einer Grabpflegefirma stinkende Tagetes und Buchsbaumhecken über die Nase planzen zu lassen, vor denen man dann jeden Sonntag nach dem Kirchgang pflichtschuldig schweigend und seufzend eine Minute stillsteht, bevor man vor dem Unbehagen wieder schnell nach Hause flieht.
Als ich das das erste mal gesehen habe war ich so ungefähr 12 Jahre alt, tief beeindruckt und habe mir gewünscht, das später mal jemand mir mit soviel Liebe gedenkt und mich in sein normales Leben ganz selbstverständlich noch mit einschließt, wenn ich gestorben bin. Wüßte ich das sicher, dann hätte ich vielleicht nichtmehr so große Angst vor dem Totsein.