Das mache ich mal alles anders,

bearbeitet 7. 11. 2006, 17:29 in Plauderecke
habt Ihr so etwas früher auch gesagt? Anders sein als die Eltern? Anders erziehen, und überhaupt niemals nicht so leben wie sie. Was ist Euch davon bis jetzt gelungen? Hat sich Sichtweise auf die eigene Erziehung und Kinderzeit verändert? Was von diesen Vorsätzen setzt Ihr um, was nicht? Oder erwischt Ihr Euch selber doch immer wieder bei den gleichen Sprüchen oder Alltagsdingen, die Ihr damals so gehasst habt?

Kommentare

  • MonicaMonica

    1,525

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Hmmm... Ich wollte irgendwie immer anders sein als meine Mutter. Heutzutage stelle ich oft fest, wie ähnlich wir uns sind, und es erschrickt mich.
    So langsam aber frage ich mich warum... Ich bin nun mal ihre Tochter und es ist doch klar, das wir uns in manchen Sachen ähnlich sind, was ist so schlimm daran? ...Irgendwie eigenartig.

    Was die Erziehung angeht, ich mache da sehr vieles anders.

    Als ich mich erwischt habe, wie ich Benjamin mit sieben Monaten auf die Hand hauen wollte, als er an den Kaminofen ranwollte, war ich sehr erschrocken. Hab mich gefragt wie das möglich ist, so zu reagieren.

    Als meine Mutter mir erzählte, dass sie das so gehandhabt haben. Ging es wo dran wo ich nicht sollte, gabs sofort auf die Finger, und das bereits mit 6 Monaten. Ab da war mir alles klar. Seit dem bin ich in was das angeht besonders beherrscht.

    Ich schlage und 'klappse' meine Kinder nicht, ich stille, ich bleibe daheim mit den zweien, ich rauche nicht, ... das ist nur das was mir auf Anhieb einfällt.
  • Susanne67Susanne67

    4,797

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Ich glaube, dass ich ähnlich eingestellt bin wie meine Mutter, deshalb erziehe ich intuitiv auch so, wie sie mich erzogen hat (Ok, Ausnahme ist die Sache jmit dem Ordnung halten :biggrin: ). Was mir aber immer stärker auffällt, ist, dass ich sie und ihre Gefühlslagen viiiiiel besser verstehen kann.

    Mir war früher nie klar, dass Muttersein auch bedeutet, sich ständig Gedanken und Sorgen zu machen und sogar Angst zu haben... Kann ich mein Kind vor allem beschützen, was es nicht erleben soll, vor allen potentiellen Gefahren? Als Kind habe ich immer argumentiert, dass ich doch weiß was ich tue und auf mich aufpassen kann. Heute ist mir klar, dass ich damals einfach den entsprechenden Horizont noch nicht hatte und gar nicht überblicken konnte, was ich da eigentlich tat.

    Mich hat es früher tierisch genervt, dass meine Mutter jedesmal noch wach war, wenn ich als 17-18jährige nachts nach Hause kam, manchmal auch deutlich nach der vereinbarten Zeit. Wie gesagt, schließlich kann ich doch selbst auf mich aufpassen. Und ich war eigentlich relativ brav, ohne große Exzesse. Heute verstehe ich sie um so besser und kann ihre Ängste nachvollziehen. Wenn ich daran denke, dass meine Kleine irgendwann den falschen ersten Freund hat oder nachts per Anhalter fahren will oder drei Stunden zu spät nach Hause kommt, da sträuben sich mir jetzt schon die Nackenhaare.

    Der Punkt ist einfach, dass Lieben auch Leiden bedeutet. Wenn man sein Herz verschenkt, an Mann, Kind oder Schrankwand, dann hat man Angst, dass etwas passieren kann.


    @ Marlies: Wenn ich mir mal Deine Signatur so recht angucke, dann scheinst Du ja auch aus dem Rheinland zu sein, oder? Bist Du gar ne Kölsche...?
  • bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    neeee...aber ich habe sehr lange im Rheinland gewohnt.
  • Susanne67Susanne67

    4,797

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Is schon ok, bin ja auch nur ne imitierte Kölsche, aber immerhin seit 1983 und vorher ach sc on mal zwei Jahre. Wobei ich Brühl natürlich zu Köln zähle, zumal ich kein BM als Kennzeichen habe, sondern eine Friesenschleuder fahre.
  • AnonymousAnonymous

    59,500

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Ja - ich habe schon immer gesagt, daß ich niemals so werden will wie meine Mutter. Außer der Gastfreundschaft, der Höflichkeit, dem Kochen und dem Handarbeiten (aber das hat mit Erziehung nichts zu tun) fällt mir so ziemlich garnichts ein, was ich so machen will wie sie und ich glaube auch, daß mir das weitestgehend gelingt.
    Ein paar Dinge:

    ° Ich hatte Ben im Krankenhaus immer bei mir.
    > Sie hat ihre Kinder ins Babyzimmer abgeschoben, um ihre Ruhe zu haben.
    ° Ich hatte Ben immer bei mir im Zimmer oder Bett.
    > Wir haben von Geburt an im eigenen Zimmer geschlafen
    ° Wenn Ben geweint hat, hab ich ihn sofort hochgenommen.
    > Meine Mutter sah das als Provokation, der man niemals nachgeben darf - Babys brauchen Nahrung, Kleidung, Schlaf, fertig.
    ° Ich habe nach Bedarf gestillt, bis Ben nichtmehr wollte (11 Monate).
    > Wir wurden nicht gestillt, sondern alle 4 Stunden tags gefüttert, nachts garnicht, damit wir durchschlafen.
    ° Ben durfte und darf immer zu mir ins Bett, wenn er das wollte.
    > Ich wurde im Schlafsack am Gitterbett festgebunden, damit ich mich nicht aufsetzen konnte.
    ° Ich habe Ben noch nie geklappst oder geschlagen und hoffe, daß ich auch nie so die Nerven verliere.
    > Für meine Mutter war Schlagen völlig normal und legitim als Erziehungsmethode, wenn wir nicht "gefolgt" haben - mit Hand, Kochlöffel, Teppichklopfer, ins Gesicht oder auf den Hintern.
    ° Ich strafe Ben niemals mit Schweigen/Ignorieren, sage ihm daß er blöd oder unfähig ist, daß ich ihn nichtmehr lieb habe oder weggeben werde, wenn er nicht macht was ich will.
    > Meine Mutter hat mich tagelang ignoriert, mir gesagt daß ich dumm, unfähig, häßlich und lebensuntauglich bin, daß sie mich nichtmehr lieb hat oder daß sie mich in eine Heim, Internat oder in die Psychiatrie geben wird, wenn ich nicht folge.
    ° Ich halte immer zu Ben, helfe ihm, unterstütze ihn bei Sozialkontakten, ziehe andere Kinder niemals vor, stelle ihn nie vor anderen bloß, lache ihn nie aus und bin immer da, wenn er mich braucht.
    > meine Mutter fand die Kinder der anderen immer besser und hat entsprechend gehandelt, im Zweifel logen immer wir und die anderen hatten Recht. Wenn es mir nicht gutging, hat sie mir gedroht, wieder "normal" zu werden und nicht zu flennen, durch schwierige Situationen mußte ich aus erzieherischen Gründen alleine, sie stand nie hinter mir oder hat mich emotional unterstützt - nur finanziell.
    ° Ich unterstütze Ben dabei, Dinge alleine zu tun, traue ihm etwas zu, unterstütze ihn auf Anforderung, freue mich über seine Erfolge.
    > Meine Mutter hat uns nichts selber tun oder ausprobieren lassen, es mußte alles so laufen, wie sie das für richtig und praktisch hielt, Erfolge waren keine Anerkennung wert, Mißerfolge ernteten ein "Hab ich eh gewußt."
    ° Ben darf aufstehen, wenn er satt ist.
    > Wir mußten sitzenbleiben, bis der Teller leer ist.
    ° Ben darf mitbestimmen, was er anziehen will (auch wenn das manchmal gruselig aussieht ;-) ).
    > Wir mußten das anziehen, was unsere Mutter schön fand.
    ° Ben bekam immer und bekommt soviele Kuscheleinheiten wie er will.
    > Wir bekamen keine körperliche Zuwendung.
    ° Ich sage Ben zig Mal am Tag, wie lieb ich ihn hab und wie stolz ich auf ihn bin.
    > Meine Mutter hat uns immer nur gesagt, daß sie sich für uns schämt, daß wir böse sind und wie enttäuscht sie von uns ist. Ich kann mich nicht daran erinnern, daß sie jemals gesagt hätte, daß sie mich lieb hat.
    ° Ich rede vor Ben nie schlecht über seinen Vater, und wenn ich noch so eine Wut habe
    > Meine Mutter hat sich bei mir ständig über meinen Vater ausgekotzt

    Ich rauche nicht, ich trinke selten und mäßig, ich respektiere mein Kind als Mensch mit eigenen Bedürfnissen und Gefühlen und versuche ihm auch den Respekt vor den Bedürfnissen und Grenzen anderer zu vermitteln. Ich bin meistens konsequent aber liebevoll, ich kritisiere sein Tun, aber nie ihn als Mensch oder drohe ihm mit Liebesentzug. Und ich erpresse ihn nicht mit Leiden, auch ein ganz wichtiger Punkt. "Es geht mir so schelcht, weil du unartig bist, jetzt werde ich krank oder bin ganz arg traurig." - das geht für mich garnicht.
    Wenn ich ihn mir so anschaue, dann glaube ich schon, daß ich auf dem richtigen Weg bin.
    Aus mir ist zwar auch was geworden, aber im sozialen Bereich und beim Selbstbewußtsein hab ich schon massive Defizite - immer gehabt und das dauert auch noch an. Und weil ich mich noch sehr gut daran erinnern kann, wie ich vor allem unter der Illoyalität, dem mangelnden Respekt, der emotionalen Erpressung, der Drohung mit Verlassen und der Lieblosigkeit gelitten habe als Kind, ist der Druck in mir schon sehr groß, nicht die gleichen Fehler zu machen.
    Wenn Ben geweint hat und ich ihn hochgenommen habe, dann war der Kommentar meiner Mutter: "Quälst du deine Mama schon wieder?"
    Oder "Lass ihn doch schreien, das muß er lernen.".
    Als Ben 6 Wochen alt war sagte meine Mutter zum Stillen: "Wird Zeit, daß dein Busen wieder dir gehört." Und die neuste Nettigkeit zur endgültigen Trennung von Ben´s Vater war: "Wie schrecklich, daß da erst ein Kind hat geboren werden müssen." :shock:
    Diese Sprüche, die sie durchaus so meint wie sie sie sagt haben mich jedesmal wieder daran erinnert, was ich alles anderst machen will und werde... zum Glück empfinde ich wohl auch grundlegend anderst Ben gegenüber.

    Ein bißchen Sorge macht mir das Loslassen - also dem Versuch zu wiederstehen, ihn an mich zu binden indem ich ihm vermittle wie sehr ich leide, wenn er sich entfernt. Das fällt mir auch in partnerschaftlichen Beziehungen schwer und ich habe schon ziemliche Angst davor, was ihm alles passieren könnte und hergeben möchte ich mein Baby auch nicht. Dagegen kämpfe ich ständig an... :roll:
    Und das ist etwas, das meine Mutter auch immer schon gemacht hat - also das Erjammern von Kontakt und Aufmerksamkeit durch Leiden... :traurig08:
  • bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Also was mein Leben mit Kindern betrifft, mach ich eigentlich auch fast alles anders als meine Mutter:

    Ich stille die beiden Kleinen nach wie vor. Ich selbst wurde sechs Wochen, meine Schwester gar nicht gestillt (Begründung: meine Schwester war ein KS, das ging nicht mit dem Stillen, weil sie sich nicht bewegen konnte. Natürlich muss man dazu auch sagen, dass man vor 25 Jahren auch keine großartige Unterstützung beim Stillen bekommen hat).

    Ich haue meine Kinder nicht. Das geht z.B. überhaupt nicht in den Kopf meiner Mutter rein. Weil anders kapieren die ja nicht, dass sie bestimmte Sachen nicht dürfen. Wir sind zwar als Kinder nicht verhaun worden, aber Klapse auf Finger und Hintern waren durchaus "normal".

    Ich sperre Leander nicht in sein Zimmer, wenn er grade seine "Spinnphase" hat. Da ich nicht sehe, was daran bestrafenswert ist, wenn er rumrennt und laut ist. Er macht das schliesslich nicht den ganzen Tag lang. Aber für meine Eltern ist das eine Unart, der man "Einhalt gebieten" muss. Deshalb wurden wir als Kinder in unser Zimmer verbannt, wenn wir mal ein bisschen zu wild waren (und es wurde zugesperrt!).

    Ich zwinge Leander nicht, Sachen zu essen, die er nicht mag. Da ist allerdings eher mein Vater derjenige, der sagt "Gegessen wird, was auf den Tisch kommt". Ich frage ihn dann immer, warum er sich ein Rührei brät, wenn meine Mutter saure Nieren (iiiiiihhhhhh) kocht.

    Leander durfte und darf zu uns ins Bett kommen, wenn er das möchte. Die Kleinen schlafen ohnehin bei uns im Zimmer und meistens auch irgendwann in unserem Bett. Das war bei uns früher auch unvorstellbar. Wir haben von Anfang an im eigenen Zimmer geschlafen.

    Meinen Eltern klarzumachen, dass meine Ansichten, was das Leben mit Kindern betrifft, andere als ihre und die einzig für meine Kinder gültigen sind, ist manchmal ein ganz schöner Kampf.

    Und was für mich ein ganz wichtiger Punkt ist, in dem ich nicht so werden will wie meine Mutter: sie hat sich solange ich denken kann, immer und immer wieder darüber beschwert, was sie als Hausfrau und Mutter für uns alles tun muss und dass sie selbst zu gar nichts kommt usw. Für mich war das als Kind wirklich nicht schön, immer das Gefühl zu haben undankbar zu sein. Was definitiv nicht gestimmt hat.

    Auch ansonsten finde ich, dass ich meiner Mutter nur in sehr wenigen Bereichen ähnlich bin. Ich merke das manchmal gar nicht so, wenns doch so ist. Mein Freund macht mich dann immer darauf aufmerksam, dass ich gerade klinge wie meine Mutter. Ich versuche dann wirklich mir selbst zu erklären, warum das jetzt gerade so ist. Denn begeistert bin ich nicht davon. Allerdings ist bei meiner Mutter genauso, dass sie immer gesagt hat, sie will nie so werden wie meine Oma. Und auch hier sind gewisse Ähnlichkeiten einfach nicht zu leugnen. Vielleicht ist da auf eine gewisse Art doch Vererbung dabei...
  • OkaasanOkaasan

    356

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    oh ja diesen satz kenne sogar ich und das ist warum sie mir so auf den nerv geht. ich bin hausfrau und mag es so wie es ist meine mutter hingegen war als wir klein waren auch zuhause fand es aber schrecklich deshalb lacht sie mich auch dauernt aus und meint wie ich mit dem armseligen dasein nur zufrieden sein kann.

    ich moechte eine liebe mutter fuer haru sein die ihr kind nicht schlaegt nicht in der oeffentlichkeit demuetigt ,nicht mit liebes entzug und andere seelischen grausamkeiten misshandelt.

    und auch moechte ich meinem mann eine gute ehefrau sein auch wenns komisch kling aber ich bin mit der klassischen rollenverteilung zufrieden und mein mann weiss das auch ich arbeite und wuerdigt das und erkennt das an auch wenn sie meint das das nicht so sei. und na und dann backe ich meinem mann halt manchmal einen kuchen .ist das so schlimm?
  • bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Was mir so auffällt...spielen die Väter gar keine Rolle, als Vorbild oder auch Antibeispiel?
  • coracora

    6,187

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    mein vater spielt absolut keine Rolle als Vorbild und ich habe mir das gegenteil meines Vaters als Mann ausgesucht, damit meine Kinder einen wirklichen Vater haben ;-)

    Ich selber werde einiges wie meine MUtter machen, einiges bewusst anders. Grad seit der geburt meines Kindes reflektiere ich einiges, was an meiner erziehung gut oder falsch lief.

    Als caius mal mit wenigen Monaten jämmerlich weinte, weil er sich gestoßen hatte beim rumkugeln, meinte meine Mutter: wenn er älter wäre, würdest du ihm jetzt schnell ein Bonbon reinstecken! - da ist mir erst aufgefallen, wie sehr ich süßes brauche, wenn mir irgendwas wehtut (auch seelische schmerzen), und jetzt weiß ich ja, woher das kommt!

    Bei Caius vermeide ich das bewusst, Essen ist nie Trost oder Ablenkung oder so.

    Auch hat meine mutter irgendwie komische Kinder gehabt :roll: , sie hat ihre Kinder nie bestrafen müssen. Sie meinte damals immer ganz stolz zu den anderen müttern, ihre Kinder würde sie so lieben, dass sie gehorchen würden... Keine ahnung, wie das wirklich war, als wir klein waren, ich weiß nur, dass es nicht mehr funktioniert hat, als wir älter waren.
    :roll:
    Ich find das inzwischen eine unverschämte Aussage - mein Kind liebt mich, aber trotzdem testet es Grenzen pausenlos aus und muss manchmal auch die konsequenzen tragen. Solche aussagen gibt es zu dutzenden von ihr ... wir wollten damals zB nur den schnuller nicht, weil sie uns sehr viel liebe gegeben hätte usw... Schnuller ist bei ihr sehr verpöhnt und natürlich ist ausgerechnet mein Kind absolut schnullersüchtig. :roll:

    ach ja, und die Scheidung meiner Eltern - ich würde meinen Kindern zwar eine Scheidung antun, aber nie auf diese Art und weise. Die beiden haben gegenseitig vor uns Kindern über den anderen hergezogen - das ist absolut indiskutabel.

    Anderseits lief anderes sehr gut - ich habe immer sehr viel Liebe und Geborgenheit bekommen und Rückhalt, immer die nötige Hilfe und Unterstützung und konnte immer zu ihr kommen, egal was ich gemacht hatte.
    ;-)
  • bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Hmm, also meine Mutter sagt immer, ich bin ganz und gar meines Vaters Tochter. Also von der ganzen Art und Weise her. Ich meine jetzt nicht, was Kindererziehung und Rollenverteilung o.ä. in der Partnerschaft betrifft. Mehr so die Art wie wir reden und in gewissen Situationen reagieren (z.B. auf Polizisten bei sinnlosen Verkehrskontrollen :biggrin: ).

    Aber dass ich bewusst meinem Vater in gewissen Bereichen nacheifere, kann ich nicht behaupten. Die Ähnlichkeiten im Wesen sind halt einfach da. Ich muss allerdings schon sagen, dass ich zu meinem Vater schon so lange ich denken kann, ein entspannteres Verhältnis hatte als zu meiner Mutter.

    LG
  • AnonymousAnonymous

    59,500

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Die Frage nach dem Vater hat mich jetzt wirklich zum Nachdenken gebracht...
    Nein, eigentlich spielte er früher als Vorbild nie eien Rolle, nur als abschreckendes Beispiel. Er arbeitete hauptsächlich nachts, schlief am Tag und wollte Abend seine Ruhe. Er ließ und lässt keine Meinung neben seiner gelten, hat sich nie spielend mit uns Kindern beschäftigt, es gab keine liebevolle Zuwendung von ihm er zeigte nie andere Emotionen außer Wut, Ablehnung und Frust. Meistens hat er sich schweigend in seinen Sessel zurückgezogen. Ich glaube, ich habe ihn nie wirklich herzhaft lachen gesehen. Er war wohl mit seinem Leben sehr unzufrieden und so wie seine Frau bei uns Kindern über ihn herzog, hat er das umgekehrt über seine Frau gemacht.
    Er hat immer dafür gesorgt, daß es uns materiell an nichts mangelte und das ist heute noch seine größte Sorge. Ich habe ihn als Kind und Teenager als kalt, abweisend und emotional vernichtend grausam erlebt.
    Mit der Erziehung von uns hatte er nichts zu tun, außer daß er ab und zu zugeschlagen hat.

    Heute wundere ich manchmal, daß von ihm mehr wirkliches Interesse an meiner Befindlichkeit und Hilfsangebot kommt als von meiner Mutter. Meine Mutter bietet Hilfe an wenn diese sich mit ihren Interessen deckt, sonst steigt sie aus.
    Früher hat meine Mutter sehr oft gesagt, ich wäre wie mein Vater - das bezog sich allerdings immer auf negative Eigenschaften. Vor allem auf Wutausbrüche, Dickköpfigkeit, Essen als Trost und schweigenden Rückzug. Halt nein: mein handwerkliches Geschick schrieb sie auch der väterlichen Vererbung zu.

    Einen ganz wichtigen Punkt versuche ich übrigens ganz bestimmt anderst zu machen als meine Eltern, auch wenn mir das aufgrund von erlernten Verhaltensmustern oft sehr schwer fällt: Kein dauerjammerndes, beklagendes, leidendes, resigniertes Verharren in Situationen, die einem unglücklich machen, sondern ändern der Situation. Und der Punkt mit dem nicht Schlechtreden des anderen Elternteils ist mir auch sehr wichtig, denn das empfand ich als Kind als sehr belastend.
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