Philosphierende Zwillinge

bearbeitet 14. 02. 2009, 14:52 in Plauderecke
+++ ZWILLINGE in der GEBÄRMUTTER unterhalten SICH --- ;-)

" Glaubst Du eigentlich an ein Leben nach der Geburt? "

" Ja, das gibt es. Unser Leben hier ist nur dazu gedacht, daß wir wachsen und uns auf das Leben nach der Geburt vorbereiten, damit wir stark genug sind für das, was uns erwartet. "

" Blödsinn, das gibt es doch nicht. Wie soll denn das überhaupt aussehen, ein Leben nach der Geburt? "

" Das weiß ich auch nicht genau. Aber es wird sicher viel heller als hier sein. Und vielleicht werden wir herumlaufen und mit dem Mund essen? "

" So ein Unsinn! Herumlaufen, das geht doch gar nicht. Und mit dem Mund essen, so eine komische Idee. Es gibt doch die Nabelschnur, die uns ernährt. Außerdem geht das Herumlaufen gar nicht, die Nabelschnur ist ja jetzt schon viel zu kurz. "

" Doch es geht bestimmt. Es wird eben alles nur ein bischen anders. "

" Es ist noch nie einer zurückgekommen von " nach der Geburt ". Mit der Geburt ist das Leben zu Ende. Und das Leben ist eine Quälerei und dunkel. "

" Auch wenn ich nicht so genau weiß, wie das Leben nach der Geburt aussieht, jedenfalls werden wir dann unsere Mutter sehen und sie wird für uns sorgen. "

" Mutter? Du glaubst an eine Mutter? Wo ist sie denn bitte? "

Na hier, überall um uns herum. Wir sind und leben in ihr und durch sie. Ohne sie können wir gar nicht sein! "

" Quatsch! Von einer Mutter habe ich noch nie etwas bemerkt, also gibt es sie auch nicht. "

" Doch, manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst Du sie hören. Oder spüren, wenn sie unsere Welt streichelt ...


keine Quelle

Kommentare

  • Iris3105Iris3105

    2,619

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    lachen10.gif

    Ja aber manchmal würde mich das schon interessieren, ob sie sich irgenwie untereinander verständigen.
    Auch wenn sie geboren sind, tun sie manchmal, ohne miteinander zu reden, das Gleiche oder sind zur gleichen Zeit an verschiedenen Orten unpässlich. Ob das so eine Art Telepathie ist?
  • supisupi

    8,312

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Mich macht das eher nachdenklich. Es ist eigentlich sehr schön und ich finde gar nicht "witzig".
    :eek:
  • GretchenGretchen

    3,369

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Ha...der ist echt gut!
    Ich war aber schneller - das hatte ich schon vor ein paar Monaten hier rein gestellt. :biggrin:
    Allerdings finde ich es nicht mehr.
    Die Quelle war Oliver Heuler, den ich sehr verehre...man google nach Voluntarist.de :grin:

    Und nee....witzig finde ich das auch nicht.
    Ich hab Gänsehaut bekommen, als ich das zum ersten Mal gelesen habe.
  • Tanja0906Tanja0906

    2,444

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    ich bin mir sicher, dass die zwerge sich miteinander "unterhalten"

    ich finds total schön
  • Iris3105Iris3105

    2,619

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Ich machte den hier lachen10.gif auch nicht, weil ich das Gedicht/ die Geschichte so witzig finde, sondern die Überlegung, über dieses Thema ein Gedicht/Geschichte zu schreiben. Tschuldigung, muß ich wohl das nächste Mal dazu schreiben.
  • Snoopy82Snoopy82

    7,740

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Das finde ich schön ... werde ich mal ner Freundin schicken, die studiert Theologie auf Lehramt, da kann sie sowas sicher gut gebrauchen :grin:
  • bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Wenn man Zwillinge nach der Geburt beobachtet, sieht man eindeutig dass sie "reden".

    Für mich ist schon lange klar dass sie im Bauch kommunizieren. Deswegen lege ich sie auch immer so hin, dass sie sich berühren können. Denn so sind sie viel ruhiger.
  • Tanja0906Tanja0906

    2,444

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    meine ziehen sich dann immer an den haaren :biggrin:

    nein, sie liegen tagsüber auch immer nebeneinander, dann schauen sie sich oft minutenlang an, das ist echt faszinierend...
  • FreyaFreya

    577

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Ein sehr schöner nachdenklicher Beitrag, den man nicht nur auf Zwillinge beziehen kann.

    Vielleicht macht sich jedes Kind -auch die "Einlinge"- so seine Gedanken, was da draußen wartet.

    Ein Kind ist doch immer wieder ein Wunder.
  • bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    von kurt tucholsky gibt es was zu "colloquium in utero"
    COLLOQUIUM IN UTERO

    Ein trüber Herbsttag im Mutterleib.
    Zwei Stück Zwillinge, Erna und Max,
    legen sich bequem und sprechen leise miteinander.

    "Mahlzeit!"
    "Mahlzeit! Na, gut geschlafen...?!"
    "Soweit man bei diesem Rummel schlafen kann - es sind bewegte Zeiten. Ich träume dann immer so schlecht."
    "Was hast Du bloß?"
    "Du bist gut! Was ich habe! Hier, hast Du das gelesen, im Reichsverbandsblatt Deutscher Leibesfrüchtchen?"
    "Nein. Was steht da?"
    "Da steht: Warnung vor dem juristischen Studium. Fünfzigtausend Primaner legen die Reifeprüfung ab. Hundertunddreißigtausend stellenlose Akademiker, es kann auch eine Null mehr sein, ich kann das bei der Beleuchtung nicht so genau unterscheiden. Warnung vor dem Veterinär-Studium. Warnung vor Beschreitung der Oberförster-Laufbahn. Warnung ...und so geht das weiter."
    "Na und?"
    "Na und ...Du dummes Keimbläschen! Willst Du mir vielleicht sagen, was man denn eigentlich noch draußen soll? Nun fehlt nur noch die Warnung vor einem Beruf!"
    "Vor welchem?"
    "Vor dem eines Deutschen. Aber, wenn das so weiter geht:
    Ich bleibe hier."
    "Ich gehe raus."
    "Warum?"
    "Weil es unsere Pflicht ist. Weil wir heraus müssen. Weil im Kirchenblatt für den Sprengel Rottenburg und Umgebung steht: Das Leben im Mutterleibe ist heilig. Lieber zehn Kinder auf dem Kissen als eines auf dem Gewissen, steht da. Und die Präservativ-Automaten sind auch aufgehoben. Wir stehen, meine Liebe, unter dem Schutz der Staatsanwaltschaft und der Kirche!"
    "Draußen?"
    "Nö, draußen nicht. Bloß drin."
    "Na, da bleib doch hier!"
    "Wir haben nur für neun Monate gemietet, das weißt Du doch!"
    "Es ist, um sich an den eigenen Nabelstrang aufzuhängen! Ich für meinen Teil bleibe drin!"
    "Du bleibst nicht drin. Sei froh, daß wir nicht dreie sind, der vier, oder fünf, oder sechs ..."
    "Halt! Halt! Wir sind doch nicht bei Karnickels!"
    "Es ist alles schon mal da gewesen, Deutschland kann keine Kinder ernähren, nur Kartelle. Deutschland braucht Arbeitslose!"
    "Ich bleibe drin."
    "Ich geh raus!"
    "Du gehst nicht raus! Streikbrecher!"
    "Pergamentfrucht!"
    "Dottersack!"

    (Gestrampel) Die Mutter : "Was sie nur hat...?"

    von Kurt Tucholsky, 1932
    Aus: Kurt Tucholsky Zwischen Gestern und Morgen Rowohlt Tb.

    http://www.geburtskanal.de
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