20 jahre mauerfall

bearbeitet 10. 11. 2009, 23:44 in Plauderecke
bewegt euch dieses thema oder lässt es euch eher kalt ? habt ihr ganz persönliche erlebnisse, die ihr mit dem tag verbindet ?

Kommentare

  • MiaofeliMiaofeli

    3,647

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Ich war in Berlin und habe auf der Mauer gekifft vor den Augen der Ost-Soldaten.... :biggrin: Ich schreibe da nachher noch mehr zu ;-)
  • sophie33sophie33

    1,977

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    hallo,

    also ich muss jedes mal heulen, wenn ich die bilder sehe :oops: :oops: :oops: , obwohl mich das eigentlich direkt nicht betrifft bzw. betroffen hat. allerdings meinen vater. der ist ur-berliner und hat seit geburt (1935) bis zu unserem umzug nach bayern (1975) non stop in berlin gelebt, den mauerbau, trennung von bekannten und verwandten also hautnah miterlebt. indirekt zumindest fuehlte ich mich also immer sehr mit dem thema verbunden.
    ich kann mich auch noch genau an den morgen des 10. november 1989 erinnern. ich war (damals 14) auf schueleraustausch in frankreich und in aller herrgottsfruehe kam mein "austauschvater" ins zimmer gestuermt und hat mich mit einem aufgeregten "le mur est tombé! le mus est tombé!" geweckt. leider habe ich ihn nicht verstanden und mir gedacht, dass der irre geworden ist :shock: . ein blick ins woerterbuch und die etwas ruhigere erklaerung der "austauschmutter" haben mir dann klar gemacht, was er sagen wollte. nur glauben konnte ich es nicht! spaeter, als wir uns dann mit den anderen und unseren lehrern (also den deutschen lehreren) in der schule getroffen haben, haben die das bestaetigt. richtig geglaubt habe ich es aber erst, als ich abends mit meiner mutter telefoniert habe und sie meinte, ja, stimmt, dein vater ist sofort nach berlin gefahren.
    ein paar monate spaeter war ich dann mit meinem vater in berlin und habe mauerstuecke rausgeklopft. das fand ich damals total spannend. tatsaechlich habe ich diesen blick durch die mauerloecher nicht vergessen. dann war ich erst wieder zwei jahre spaeter in berlin und ohne mauer total desorientiert :shock: . als kind war ich mit meinen eltern (meine mutter ist auch in berlin aufgewachsen) oft in berlin und kannte das nur mit mauer. danach habe ich die stadt nie mehr "neu erlernt". ich war seitdem, wie gesagt, nur noch einmal mit 16, einmal mit 19 und einmal mit 27 in berlin.
    die jahre nach dem mauerfall waren fuer mich pubertaetsjahre, gepraegt durch die abwesenheit meines vaters, der "aufbau ost" betrieben hat, und da war einfach nicht viel platz in meinem leben fuer das thema mauerfall und wiedervereinigung, was ueber die persoenlichen probleme hinausging.
    seit 1998 lebe ich nicht mehr in deutschland.
    ich war noch nie in "ostdeutschland" (ausser in ehemals ostberlin) und habe in meinem leben sage und schreibe bisher nur eine handvoll "ossis" getroffen.
    wenn die kinder - so denn nummer zwei gesund zur welt kommt - mal groesser sind, will ich unbedingt mal diesen teil deutschland kennenlernen. mit meinem partner geht das leider nicht. der will nicht...

    sophie
  • MiaofeliMiaofeli

    3,647

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    So nun hab ich Zeit

    Wenn ich die alten Berichte aus Berlin sehe, bin ich wieder dort. Mir kommen die Tränen und ich fühle wieder diese Mischung aus Freude, fassungslosigkeit und Ehrfurcht weil ich ein Teil Geschichte bin, die in den nächsten Hunderten Jahren in den Schulbüchern zu finden ist.

    Wir waren am frühen Abend vor dem Jugendzentrum versammelt, wo ein Konzert statt finden sollte, als plötzlich einer aus dem zum JuZe gehörendem Cafefenster brüllte " Die Mauer fällt!!!" Das Konzert wurde auf später verschoben und alle stürmten ohne zu zahlen ins Cafe und hörten Radio. Als klar war das es kein Witz war, beschlossen wir nach Berlin zu fahren. Schnell waren 2 Autos organisiert im Supermarkt um die Ecke Bananen gekauft und los gings.
    Ein VW Bulli ( uralt ) und ein Golf machten sich auf, von Wolfsburg nach BErlin. Kommen wir denn überhaupt nach Berlin rein? Sind die Grenzen wirklich offen? Die Grenzen waren offen und wir wurden einfach durchgewunken. Ich war als Kind und Teeny öfter im Osten und daher war die Angst vor der harten Kontrolle an der Grenze tief verwurzelt und ich weinte als wir einfach durchgewunken wurden.
    Früher stand man 2-3 Stunden an der Grenze, dieses mal standen wir so lange im Stau. Alle wollten nach Berlin, teils sogar mit Taxis. Nach der Grenze stand auf der Strasse ein buntes Gemisch aus Trabbis und Klassenfeindautos. Wir nutzten den Stau zum feiern und verteilten das erste Stück Freiheit an den Trabbis. Die Bananen! Es war der helle Wahnsinn. die Stimmung euphorisch und der Stau war Partymeile. Wir schoben den Bulli um Sprit zu sparen und dabei wurde ich mit einem Bein dann zwischen 2 Stoßstangen eingeklemmt. Es waren riesige Schmerzen und bis Berlin blieb ich dann im Auto.
    Der Schmerz war in Berlin dann nebensächlich. Hier war die Hölle los. Wir haben falsch geparkt und sind zur Mauer vor dem Brandenburger Tor gestiefelt. Ich wurde zwischendurch gestützt oder humpelte. Mir wars egal, ich wollte das Wunder sehen. Es brauchte 3 Leute um mich auf die Mauer zu heben aber ich war letztendlich drauf und wir tanzten. Unter mir die Mauer mit feiernden auf der einen Seite und Grenzsoldaten auf der Anderen. Die Soldaten hielten Abstand und kamen nur näher, wenn jemand in ihre Richtung von der Mauer fiel, um ihm wieder rauf zu helfen. Aggressionen konnte ich keine sehen aber ein gutes Gefühl hatte ich bei dem Anblick bewaffneter Soldaten nicht. Jung wie ich war, hielt mich das aber nicht ab, von der angebotenen Tüte zu ziehen, die herumgreicht wurde. Für einen Rausch, reichte der Zug nicht aber es war auch eher eine Art Protest/Provokation und damit war ich dann auch zufrieden. Ich habe die Frau gesehen die durch das Brandenburger Tor geführt wurde, die man jetzt immer wieder im TV sieht . Ich habe mich kurz gewundert, es dann aber vergessen.
    Beim Aufenthalt bei/auf der Mauer lernten wir 2 Ostdeutsche kennen. Die Namen habe ich vergessen aber ich weiß noch das es ein Pärchen war das wir dann wieder aus den Augen verloren. Die Mauerspechtparty löste sich langsam auf und die Wasserwerfer kamen. Mir reichten die Schmerzen im Bein, da musste ich nicht noch nass sein und so zogen wir weiter.
    Als wir so durch Berlin fuhren, sahen wir die Frau des Pärchens wieder und sammelten die völlig aufgelöste Frau ein. Ihr Mann war verschwunden und sie hatte nun Angst ihn nicht finden zu können. Wir suchten und fanden ihn aber bald. Ich weiß noch das sie sich ein Schallplatte von Gary Moore gewünscht haben, für die wir damals ein paar Tage später Geld zusammen warfen und sie ihnen schickten. Wir bekamen ein Paket zurück mit allerlei DDR Dingen, von denen ich noch ein Blechschild fürs Auto mit der Aufschrift DDR besitze.
    In Berlin gab es keine Nacht, nur der Fernsein von Tageslicht. Nachdem das Tageslicht sich wieder blicken lies, frühstückten wir im Cafe Kranzler, in dem es drunter und drüber ging. Ich glaube wir haben nicht einmal die Rechnung voll bezahlt.
    Wir fuhren noch einmal zur Mauer aber die Stelle an der Wir am Abend zuvor waren, war abgesperrt. Wir hatten schon ein wenig Sorge, bei dieser sehr unklaren politischen Situation, ob die Grenzen offen blieben und fuhren lieber wieder gen Westen. Die Nachrichten verfolgten wir in diesen Tagen, wie selten zuvor und freuten uns über jeden Trabbi, den wir in den Strassen Wolfsburg sichteten. Zumindest in der ersten Zeit, dann stanken sie uns im einfachen Wortsinn ;-) Ich hatte übrigens nur starke Prellungen am Knie davon getragen. Ich hatte damals echte Sorgen um meine Kniescheibe...
  • bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    @miaofeli:
    du hast du ja wirklich einiges erlebt und mitgemacht in diesen tagen :shock:

    @sophie33:
    ich war auch 14 als die mauer fiel ;-).

    für uns war die ganze situation ziemlich komisch. mein vater war damals für 2 jahre im auslandseinsatz als entwicklungshelfer im hochland von angola an der grenze zu namibia. meine mutter und ich waren in potsdam (bei berlin ;-)) zurückgeblieben, da meine eltern aus sicherheitsgründen nicht beide gehen wollten und wir als kinder nicht mitkonnten, da ich damals schon zu alt war für die dt. schule in luanda.
    meine mutter und ich haben die ereignisse auch sehr (an-)gespannt verfolgt und haben uns erst eine woche nach dem fall der mauer getraut, über die glienicker brücke, der ehemaligen agentenaustauschbrücke im kalten krieg, nach berlin zu fahren. ich weiß noch, es war ein samstag (normalerweise hatten wir samstags immer schule, aber der war frei ;-)) und wir haben zwei stunden angestanden bsi wir passieren konnten. dann haben wir uns nur bis nach zehlendorf vorgewagt. dort hat man meinem bruder, der 6 war zu dem zeitpunkt, bei REICHELT bananen und 10,- westmark geschenkt. die bananen wollte er gar nicht haben - ein richtiges DDR-kind eben ;-). ich habe mir dann von meinem begrüßungsgeld einen kassettenrekorder gekauft, auf den ich ganz heiß war ;-).
  • LayaLaya

    631

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Ich komme aus Erfurt und besonders eins ist in meinem Kopf fest. Als die Mauer gefallen war, wollten wir mit dem Zug nach Hessen. Der Erfurter Bahnhof war sooooooo voll, soooo viele Menschen. Als die Züge kamen, so lange Züge habe ich nie gesehen und die Leute stiegen (versuchten) einfach ein ohne zu wissen, wohin dieser Zug fährt. Ich hielt mich an meiner Mutter fest, denn ich hatte Angst und Ehrfurcht. Die Menschen hatten eine eigenartige Stimmung zwischen Freude, Euphorie, Hysterie und Massenpanik besonders wenn ein Zug kam.
    Und plötzlich konnte ich meinen Vater nicht mehr sehen, ich hatte solche Angst! Das er weg ist und nicht wieder kommt, wenn er in einem Zug in den Westen fährt.
    Die Züge kamen ja schon aus Dresden und die Leute darin waren schon mehrere Stunden unterwegs und waren aggressiv. Sie traten aus den Türen, wenn welche einsteigen wollten.
    Den dritten oder vierten Zug haben wir genommen und sind glaub' nur bis Bebra gefahren.
    Dort habe ich mich über pinke Handschuhe mit Mickey Mouse gefreut und eine Oma hat mir eine Tafel Schokolade geschenkt.
    Für uns hat sich schlagartig ALLES geändert.


    Ich hoffe ich habe nicht so konfus geschrieben, aber das sind alles so Gedankenblitze von dem Moment und schwer fassbar.
    Mir kamen direkt die Tränen und meine Eltern fehlen mir so sehr. Es gibt niemand mehr , der diesen Moment mit mir geteilt hat.
  • GretchenGretchen

    3,369

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Ich hatte zwiespältige Gefühle beim Fall der Mauer.
    Verfolgt hab ich das im Fernsehen, in Trier. Da hab ich damals gelebt.
    Ich war anfangs unwahrscheinlich wütend. Wütend darüber, dass man mich als jungen Menschen gezwungen hat, auf Studium, Familie, Freunde und Heimat zu verzichten, weil es in der DDR nur eine Möglichkeit gab - entweder/oder. Du lebst hier und kannst Dich nicht entfalten, wie es jeden Menschen möglich sein sollte oder Du gehst, und kommst nie wieder.
    All das hab ich auf mich genommen - die Monate vorher waren in der DDR die Hölle für mich. Um dann zu sehen, dass diese Betonköpfe die Mauer geöffnet haben - einfach so :roll:
    Hätte ich das gewusst, hätte ich mir viel Kummer ersparen können *seufz*

    Hätte, wäre, würde....jetzt ist es wurscht.
    Danach hab ich mich natürlich auch gefreut und ich war glücklich. Und Gänsehaut hab ich auch bekommen. Als ehemaliger "Flüchtling" musste ich allerdings noch ein paar Tage warten, um in die DDR zu fahren. Mich haben sie nicht sofort über die Grenze gelassen. Weiß nicht, ob das jeden so ging.
    Die ersten Tage in der DDR hatte ich ein sauschlechtes Gefühl. Ich dachte immer, dass das nur Verarsche ist und die die Grenze wieder schließen. Und dann lassen sie dich nie mehr raus :roll:
  • MaulpaulMaulpaul

    226

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    @Gretchen: Magst du mal erzählen wie du geflüchtet bist?
  • sophie33sophie33

    1,977

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    @franziska: oh mann, jetzt habe ich mich doch glatt vertan :oops: :oops: :oops: . 15 war ich beim mauerfall.
    das alter... :biggrin:
    sophie
  • bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    :biggrin:
  • bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Ich selber habe irgendwie keinen richtigen Bezug zum Mauerfall, muss ich ehrlich zugeben. Ich war damals neun Jahre alt und hab, wie heute auch, gaaaaaanz weit weg von Berlin gelebt. Für mich ist es einfach schon immer viel mehr normal gewesen, dass es keine Mauer gibt, als dass es eine gibt. Ich wusste zwar damals schon, dass es jetzt keine DDR mehr gibt und wir alle wieder "zusammengehören", aber das wars dann auch schon. Das war damals alles sehr weit weg und einfach so "unreal", ich weiss nicht, wie ichs besser beschreiben soll. Es war einfach nicht greifbar damals für mich als neunjähriges Kind. Zuhause wurde das bei uns auch nie thematisiert oder so. Ich kann mich nur noch dran erinnern, dass meine Eltern sich übers Begrüßungsgeld aufgeregt haben :roll: , das ist alles an Reaktion, was mir in Erinnerung ist.
    Wenn ich heute die Bilder zum Mauerfall im Fernsehen sehe, finde ich das aber schon ergreifend. Auch wenn es für mich kein Ereignis ist, an dem ich zu der Zeit, als es stattfand, teilhatte.
  • GretchenGretchen

    3,369

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Maulpaul schrieb:
    @Gretchen: Magst du mal erzählen wie du geflüchtet bist?


    Ooch...Die Ausreise war völlig unspektakulär und ist wirklich nicht die Mühe wert, hier erzählt zu werden. Das Drumherum war sehr unwürdig.
    Ich hatte mir allerdings beim letzten DDR-Thread schon überlegt, ob ich was dazu schreibe, hab es dann aber sein gelassen, weil ich mich dann immer so rein steigere ;-) Ich war und bin nämlich bekennender DDR-Hasser. Ja, immer noch :roll:
  • bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Ich war neun als die Mauer gebaut wurde. Im Gegensatz zu Euch bin ich ein wandelndes Geschihtsbuch.
    Natürlich habe ich nicht wirklich verstanden, was damals geschah. Zudem war die Medienlandschaft nicht vergleichbar.
    Trotzdem habe ich noch die Atmosphäre in Erinnerung.

    Wir hatten entfernte Verwandte, von denn ich nicht mehr als uralte Fotos kenne. Im Ruhrgebit oder Rheinland ist einem Holland näher als die DDR. Aber ich war immer politisch interessiert, und habe schon gewußt was man eben so wissen konnte.
    In Berlin war ich noch mit Mauer. Eine Reise nach Moskau verschug mich dann zum Flughafen Schönefeld. Der erste Schock war die Bahnfahrt durch die DDR. Ich hatte das Gefühl, dass in den mit den Feldstechern noch nach meinem letzten Pickel gesucht wurde. :shock:
    Dann diese weiße Mauer :shock: ...ich kannte sie nur bunt. Zuerst habe ich gar nicht kapiert, dass sie es war.
    Im Westen waren wir ziemlich heftig unterwegs, und ich hatte auch nicht geschlafen. Wir fuhren mit einer ganzen Gruppe, und es war ziemlich lustig im Bus. Bis wir an die Mauer kamen. Es wurde totenstill.
    Vom Flughafen will ich gar nichts sagen und von der Interflug rede ich besser auch nicht.

    Aber auf dem Rückflug gab es noch eine merkwürdige Sicht der Dinge, nämlich Berlin von oben. :shock:
    Der Ostteil war stockdunkel.

    Im Sommer 89 habe ich ständig am Radio oder Fernseher geklebt, und hatte auch die Pressekonfernz gesehen. Von da an habe ich den Mund nicht mehr zugemacht, üngäubig geguckt, mich tierisch gefreut, und bin immer noch gerührt, wenn ich die Bilder sehe.
    Zu Besuch war ich dann mehrfach, aber das ist ein andere Thema.
    Aber ich bin mindestens 15mal durch das Brandenburger Tor gelaufen, und habe jede Säule einzeln begrüßt.
  • sophie33sophie33

    1,977

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    wow! hier hatten mehr leute etwas zu halloween zu sagen, als zum mauerfall :shock: :shock: :shock: sind hier alle so jung?
    sophie
  • dccdcc

    628

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Dann will ich auch mal was schreiben. Ich komme gebürtig aus Suhl, das liegt in Südthüringen und somit nah an der Grenze. Wie ich später erfahren habe, wurde man bereits kontrolliert, wenn man von Erfurt aus nach Richtung Suhl fuhr. Nun ja, ich war zum Zeitpunkt des Mauerfalls 11 Jahre alt, ich habe mich auch gefreut, aber von meinem kindlichen Standpunkt eher deswegen, weil wir nun auch endlich die tollen Sachen aus der Werbung kaufen können. Meine Eltern waren überglücklich und nutzen auch die erste Gelegenheit, um dem Westen einen Besuch abzustatten. Da standen wir nun also mit unserem alten Skoda (hehe kein Trabi) in dem kilometerlangen Stau. Es dauerte Stunden. Die Strecke bin ich später so oft gefahren und es hat max. 45 Minuten gedauert, um die ehem. Grenze zu erreichen.
    Als wir dann im Westen waren, erschien mir alles so hell und freundlich. Ich weiß nicht, ob das Einbildung war oder es war tatsächlich heller, schon durch die schmucken Häuser usw. Im erstbesten Dorf hinter der Grenze machten wir Halt und suchten eine Bank auf, um das Begrüßungsgeld abzuholen. In dem Dörfchen gab es natürlich nicht viel, aber allein ein Gang in den Schlecker war soo ..., ich weiß gar nicht wie ich es beschreiben soll.
    Wir fanden dann später noch einen Woolworth. Da bekam ich dann prompt meine erste Barbie. Eigentlich war ich schon zu alt dafür, aber ich wollte halt immer schon eine haben. Und einen Walkman bekamm ich auch, dann noch ein Paket Kassetten dazu und ich kann mich noch erinnern, dass ich eine Miranda-Brause bekam. Komisch, was einem so im Gedächtnis bleibt. Nunja, daheim wieder angekommen, nahm ich mit meinen neuen Kassetten erstmal das 101 Depeche Mode Konzert auf, das DT64 (kennt den Sender jmd. noch) übertrug. Ich war stolz wie Oskar.
    Ja meine Erinnerungen sind eher konsumorientiert.
    Ich kann mich noch an einen etwas späteren Besuch erinnern, da waren wir in Coburg und wurden im Vorbeigehen von einem Passanten als Scheiß-Ossis beschimpft. Selbiges passierte uns in Bad Kissingen. Damals fand ich das voll doof, aber im Nachhinein kann ich es auch irgendwie verstehen. Gerade die grenznahen Städte wurde ja geradezu heimgesucht. Für die Bevölkerung war das sicher nicht schön, aber die Geschäfte machten guten Umsatz und wurden auch ihren ganzen ollen Ramsch an uns Ossis los.
    In Bad Kissingen sah ich aber auch die Schattenseiten der westlichen Gesellschaft: in mitten des weihnachtlichen Geschäfts saß dort ein Bettler und er sah sehr erbärmlich aus. Ich kannte zwar auch so manche gestrandete Existenzen aus unserer Stadt, aber gebettelt wurde nicht und sie hatten auch alle ein Dach überm Kopf. Den ersten echten Bettler, den ich sah, habe ich nie vergessen.

    So naja, das sind meine Erinnerungen rund um die Grenzöffnung.
  • bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    das DT64 (kennt den Sender jmd. noch)
    ja, ich ;-)
  • MiaofeliMiaofeli

    3,647

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Mir kam die DDR auch immer etwas dunkler vor in den Städten... Dafür fand ich es außerhalb der Städte viel schöner und natürlicher.

    Was die Bettelei angeht, so war es auch in der DDR verboten zu betteln und wurde dort auch strenger bestraft und verfolgt :
    Zwar war das Betteln an sich straflos, „Arbeitsscheu“ dagegen wurde in der DDR empfindlich bestraft (Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahrenund im Rückfall bis zu fünf Jahren).
    Sie hatten also nicht nur ein Dach überm Kopf, sondern auch Gitter vor den Fenstern. Es ist aber kein Wunder, daß viele DDR Bürger geschockt waren über die Kriminalität und offensichtliche Armut in der BRD, denn in der DDR wurde drauf geachtet, das soetwas möglichst verborgen bleibt um dem Klassenfeind zu beweisen das der Sozialismus besser funktioniert als der Kapitalismus.
  • GretchenGretchen

    3,369

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Ja, Armut wurde in der DDR gut versteckt. Bei uns in der Stadt gab es ein Geschäft, die haben Hähnchen verkauft (früher hießt das Broilerbar ;-) ), da konnte man abends Rentnerinnen sehen (das waren wirklich alles Frauen), die die Mülltonnen nach Hähnchenresten durchsucht haben. Aber so etwas gab es natürlich offiziell nicht.
    Andersherum ist es in der BRD nicht so, dass jemand obdachlos sein und seinen Lebensunterhalt mit betteln bestreiten MUSS. Das ist immer und in jedem Fall die freie Wahl des jeweiligen Menschen. Auch wenn man z. B. bedingt durch Alkoholismus und Drogenkonsum natürlich nicht immer von einer freien Wahl sprechen kann. Letztendlich liegt es aber trotzdem an dem Obdachlosen selbst, ob er auf der Straße lebt oder nicht. Er hat die Wahl, ohne dass ihn jemand weg sperrt.
  • bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    hmm, ich finde, das hat jetzt nicht mehr so sehr viel mit dem eigentlich mauerfall zu tun und ist ja wohl eher ein gesellschaftliches problem, vor dem gern die augen verschlossen wird.
    Andersherum ist es in der BRD nicht so, dass jemand obdachlos sein und seinen Lebensunterhalt mit betteln bestreiten MUSS. Das ist immer und in jedem Fall die freie Wahl des jeweiligen Menschen.
    das sehen die betroffenen sicherlich anders. ich im ürbigen auch, selbst mit der von dir getätigten einschränkung bei vorliegendem suchtverhalten.
    Letztendlich liegt es aber trotzdem an dem Obdachlosen selbst, ob er auf der Straße lebt oder nicht. Er hat die Wahl, ohne dass ihn jemand weg sperrt.
    *sarkasmus-modus-on*
    stattdessen wird er lieber weggescheucht von örtlichen plätzen/einrichtungen, damit die gesellschaft ihn nicht wahrnimmt und sich ihres überflusses auch bloß nicht bewusst werden muss.
    *sarkasmus-modus-off*
  • GretchenGretchen

    3,369

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    das sehen die betroffenen sicherlich anders. ich im ürbigen auch, selbst mit der von dir getätigten einschränkung bei vorliegendem suchtverhalten.

    Es wirklich OT. Vielleicht kann man ja einen separaten Thread aufmachen - aber antworten möchte ich noch schnell:

    Viele Betroffene sehen das eben nicht anders, auch wenn uns das schwer fällt zu glauben. Viele haben sich dieses Leben auf der Straße wirklich ausgesucht. Es gibt nämlich immer noch Obdachlosenheime für den Übergang, Sozialhelfer, Ärzte, Kirche, Verbände, die sich danach um Unterbringungen in Wohngemeinschaften kümmern, die genau zu dieser Problematik des Suchtverhaltens helfen, wenn es funktioniert werden auch Wohnungen gestellt. Sie haben Anspruch auf Unterhalt im Monat, wenn es ihnen nicht möglich ist, die Formulare etc. auszufüllen, gibt es dafür Helfer, die das übernehmen. Es gibt ein dichtes, soziales Netz. Um diese Menschen wird sich gekümmert, wirklich. Sie hauen (zum größten Teil, um Gottes Willen - ich will nicht alle über einen Kamm scheren!) aber immer wieder ab, die holen sich noch nicht einmal das Geld ab, was ihnen zusteht und gehen lieber betteln. Sie WOLLEN einfach NICHT und das sage ich jetzt ohne Wertung, weil es deren Leben ist und es ihr GUTES RECHT, sich dieser Gesellschaft zu verschließen und nicht zu wollen.
    Aber aus diesem Grund bin ich dann auch der Meinung, dass man Obdachlose auch nicht überall dulden muss. Ich möchte z. B. keinen betrunkenen Menschen mit eingenässter Hose vor meiner Haustür liegen haben. Und dass, obwohl ich eindeutig kein schlechtes Gewissen gegenüber diesem Menschen empfinde. Warum auch. Er hat die Wahl. Immer noch. Und wenn ER nicht was ändern will an seiner Situation, wer soll es dann für ihn übernehmen?
    Ich finde oft, dass die Vorstellung von Obdachlosen bei den meisten ein wenig einseitig ist, wenn nicht sogar ein wenig romantisch. Da wird gern der Gesellschaft die Schuld gegeben. Und das stimmt definitiv so nicht.
  • bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    nochmal OT:
    Ich finde oft, dass die Vorstellung von Obdachlosen bei den meisten ein wenig einseitig ist, wenn nicht sogar ein wenig romantisch.
    ich kan an der lebensweise nichts romantisches finden und idealisiere diesen zustand auch nicht. ich persönlich denke, dass viele der betroffenen einfach zu stolz und zu schambehaftet sind, die hilfen, die es gäbe, anzunehmen. sicherlich wird es auch einen teil von obachlosen geben, die sich bewusst für das leben am rande der gesellschaft entschieden haben, wenngleich ich der meinung bin, dass dies der weitaus geringe teil ist.
    Es gibt ein dichtes, soziales Netz.
    ich finde es äußerst problematisch, wenn genau das erst zum tragen kommt, wenn bereits (fast) alles nzu spät ist.
  • LayaLaya

    631

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Ich finde ihr macht gerade das sehr wichtige Thema kaputt!!!

    Egal ob ihr in der DDR oder BRD geboren seid oder ihr guten oder schlechten Bezug dazu hattet.
  • bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    zur fortsetzung diskussion geht es hier viewtopic.php?f=9&t=52538 weiter
  • bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Ich versteh das immer nicht :traurig08: Bleibt Ihr hier bitte beim Thema???? Oder kehrt zumindest zurück?
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