Was so ein Umzug alles zu Tage befördert.... Heute fiel mir ein Tagebuch in die Hände, wo meine Eltern die ersten Monate mit mir protokolliert haben. Hab ich grad mal durchgeblättert und war streckenweise erstaunt bis schockiert. (Nein, ich mache meinen Eltern keine Vorwürfe, sie wußten es ja nicht besser und meinten es nur gut.)
Nur mal so ein paar Eckdaten:
Ich wurde 2 Wochen lang gestillt. Dann hatte meine Mutter eine Brustentzündung, fuhr in die Klinik (es war Feiertag) und die Krankenschwester stellte fest, daß meine Mutter fürs Stillen sowieso ungeeignet sei, weil sie rothaarig ist und sofort abstillen müsse. :scratch.: Hebammencoaching war damals wohl noch nicht üblich, also glaubte meine Mutter der Kr.Schw. und stillte ab.
Na gut, also bekam ich halt ab da die Flasche.
Mit 5 Wochen (WOCHEN!) bekam ich den ersten Brei.
Dann gings Schlag auf Schlag. Fast jeden Tag was anderes und ziemlich schnell auch eine 2. und 3. Mahlzeit. Also von wegen jede Woche nur ein neues Nahrungsmittel - nicht so in den 70ern. Auch Tee bekam ich - das Kind hat doch Durst! Hör ich jetzt bei Elena auch immer wieder. ;-)
Mit 6 Wochen wog ich 4000g und der Kinderarzt entschied, daß ich zu dick bin und meine Eltern die Nahrungsration reduzieren müssen. :eek01:
Mit 5 Monaten wurde die gute Humana dann gegen "normale" Milch mit Honig (!!!) eingetauscht. Von da weg gabs nur noch morgens 1x Milch und am Rest des Tages Brei und Tee/Saft. Es gab auch Pfannkuchen(-suppe), Pudding und Kuchen als Mahlzeit und es wurde Ei in den Brei gerührt.
Das alles entspricht so gar nicht den heutigen Beikostempfehlungen bzw. der Liste "verbotener" Nahrungsmittel im ersten Jahr. Aber damals war das sicherlich das Kredo der Babyernährung und von den KiÄ so abgenickt.
Ich wurde auch beharrlich jeden Tag gebadet, obwohl ich das wohl ziemlich lange doof fand und mit Brüllen quittierte. Aber ein Baby mußte damals nun mal einfach täglich gebadet werden. Also mußte ich da wohl durch... ;-)
Erstaunlich, daß ich noch lebe und mich in aller Regel sogar bester Gesundheit erfreue! ;-)
Ich glaube fast, ich muß rückwirkend Elenas Ernährung auch noch dokumentieren. Vielleicht lacht sie sich in 30 Jahren darüber genauso schlapp, wie ich heute!
Kommentare
1,977
aber hast schon recht. wahrscheinlich schuetteln unsere kinder dann den kopf ueber unsere "uebervosichtigkeit" oder sind geschockt, dass nicht 1 jahr lang vollgestillt wurde.
79
59,500
Aber abgesehen von der eher verkorksten Babynahrung haben wir ein gutes Essverhalten mitbekommen, also viel Obst und Gemüse, gern auch aus dem Garten oder vom Baum, sie hat immer ohne Tütchen oder Fertigsaucen gekocht, das gefällt mir gut und da war sie in den 70ern sicher ein Exot.
1,173
Also meine Eltern halten sich da ziemlich zurück und kleinere Versuche der "Belehrung" werden von mir wahlweise ignoriert oder toleriert. Ich persönlich seh das Ganze nicht so eng. Wenn also meine Mutter fest davon überzeugt ist, daß das Kind was trinken muß (außer Milch), soll sie Elena halt Tee oder verdünnten Saft geben. Sie trinkt es sowieso nicht oder nur ganz wenig und bei mir bekommt sie das Zeug eh nicht.
Mir war das überwiegende Stillen (voll ist mir nie so recht gelungen...) in den ersten Monaten wichtig, was sich durch meine Situation von Anfang an als logistische Herausforderung erwies. Aber das haben meine Eltern trotz zeitweisem Zähneknirschen und Kopfschütteln akzeptiert und unterstützt. Jetzt wo sie Beikost bekommt, bin ich nicht mehr so streng mit den "Vorgaben" und lasse ihnen auch etwas "kreativen Raum", wenn sie Elena sitten. ;-)
Das ist bei uns/mir genau so. Nur als Baby bekam ich meist die Gläschen, die ich für Elena eher meide, weil mir "Fertigkost" generell suspekt ist und ich lieber selbst koche.
907
Vielleicht hatte man damals einfach keine Handhabe dagegen und wusste nicht was man tun kann?
Allerdings weiß ich nicht, was ich genau zu essen bekommen habe, da müsste ich mal meine Mutter fragen.
Ich bin übergewichtig und habe schon als Kind gekämpft, ich hatte (als Baby festgestellt) Kuhmilchallergie (jetzt nicht mehr) und bin gegen Penicillin allergisch (wäre als Baby fast an einem Allergieschock gestorben) und ich habe im Alter von 9 Jahren einen extrem starken Heuschnupfen entwickelt der immer schlimmer wurde und in den letzten Jahren mein Immunsystem völlig zerstört hat.
ABER: All das hat meine Schwester (Jahrgang 1962) nicht!
Ich dachte immer, dass ich diese Probleme (hauptsächlich Übergewicht seit Kindheit + Heuschnupfen, der mit nichts zu behandeln ist) habe weil ich nicht gestillt wurde aber das scheint ja dann doch nicht der Fall zu sein.
59,500
Ich weiss nicht, was es bei uns gab. Gestillt wurde ich auch nur kurz, danach, wie schon woanders erwähnt, Kartoffelwasser und sicher ziemlich bald mal Vollmilch. Ansonsten könnte ich mir vorstellen, dass wir schon sehr früh rohes Gemüse und Obst bekommen haben und gekochte Kartoffeln ;-) Naja, ging ja auch so. Meine Geschwister und ich haben zumindest keinerlei Allergien oder Sonstiges..! Tütenzeugs gab es bei uns auch nie und das verwende ich auch sehr ungern. Mittlerweile bekomme ich sogar Kopfweh von Fertigsachen..!
20,547
Es kann aber so sein. Nicht jedes Baby das (nach heutigen Wissen) nicht altersgemäß ernährt wird/wurde muß Krankheiten oder Übergewicht entwickeln. Aber das Risiko ist ist einfach größer.
Aber ich denke das bei einigen Erkrankungen wie Gunni schon sagte Veranlagung mit bei ist. Und bestimmt auch Uwelteinflüsse
1,977
ich weiss nicht, ob das auf mich zielt. ich hab's natuerlich ueberspitzt formuliert ;-) das ausgangspost war ja auch nicht bierernst gemeint...
mir ist auch klar, dass bei mir die disposition meines vaters durchgeschlagen hat und dass das neben kaiserschnitt, nicht-stillen und saeuglingsernaehrung UND die weiteren 15 jahre fertiggerichte und in-der-stadt-hocken durchaus eine entscheidende rolle spielt. ich habe z.b. erst mit 10 jahren herausfunden, dass man tomatensosse auch aus tomaten machen kann (bei einer freundin gesehen) :biggrin:
aber das wussten unsere eltern eben auch nicht. ich meine, dass man bei allergiegefaehrdeten kindern vielleicht ein bisschen vorsichtig sein muss.
1,284
Ich meine mal gelesen zu haben, dass die Flaschennahrung damals einfach nicht sonderlich gut war und es deshalb schon gerechtfertigt war, dass man schon mit ein paar Wochen zufütterte.
Das Problem ist halt, dass man das auch auf Stillkinder übertragen hat.
59,500
3,602
59,500
Nein, das bezog sich eher auf moneos Aussage
Ich hätte auf jeden Fall auch gerne so ein Tagebuch wie Alexa
DAS finde ich ja sehr interessant. Marlies, war das so?
1,173
Ich hatte Euch gestern glatt einen Kalauer unterschlagen!
Mit 5 Monaten gab es für mich zum Abendessen Wurstbrot oder Wurstsemmel. :eek01:
Neben der völligen Unsinnigkeit von Wurst in diesem Alter ist mir ja auch schleierhaft, wie man das einem so kleinen Baby überhaupt einverleiben kann. Ich meine, Zähne sind da ja noch keine oder nur wenige vorhanden und wenn ich mir Elena so anschaue... die würgt und hustet wie verrückt, wenn beim herumschnullen an einem Stück Brotrinde plötzlich ein Bröckelchen abgeht. Ein Wurstbrot würd ich in die Maus gar nicht reinbekommen (mal davon abgesehen, daß ich es gar nicht versuchen würde ;-) ) .
Aber es war wirklich interessant, in diesem Büchlein zu blättern! Es standen ja auch wichtige Entwicklungsschritte drin, wo ich sagen muß, Elena kommt da gar nicht nach mir. Mit 3 Monaten konnte ich mich schon drehen und bin im Bett umhergerutscht. Das kann Elena jetzt vielleicht seit 4-6 Wochen. Mit 7 Monaten konnte ich sitzen, kann Elena zwar auch, aber sie kommt noch nicht selbst in diese Position. Mit 9 Monaten habe ich mich an Mamas Hand in den Stand aufgezogen. Davon ist Elena auch noch Lichtjahre entfernt.
1,977
ich meine mich erinnern zu koennen, folgendes hier irgendwo auf der HP gelesen zu haben:
der grund warum (frueh) mit karotte begonnen wurde, war weil man frueher kein (provitamin?-)A (oder beta-karotin :scratch.: ) in die flaschenmilch bekam und deswegen ein mangel zu befuerchten war. das problem ist bei der heutigen ersatzmilch nicht mehr gegeben.
meine hand ins feuer leg ich aber jetzt nicht ;-)
38,644
Antroprosophen empfehlen es heute noch so.
@Perle :fungif52:
http://www.hebamme4u.net/ernaehrung/vitamin-a.html
Seid nachsichtig mit Euren Eltern, Das war damals halt richtig. Zudem gab es fast keine Allergien Mädels. Darüber mußte man sich nicht den Kopf zerbrechen.
4,797
1,173
Jo!!!
7,471
Fotos gibts, da war ich grad 8 Wochen alt, als ich mein erstes Löffelchen Kartoffelpüree mit Soße bekam :shock: natürlich kräftig gewürzt, ich weiß ja, wie meine Oma so kocht. Und ich hab wohl recht geschlabbert, es hat ja so gut geschmeckt :shock: zugefüttert wurde also recht schnell, erst nur Häppchenweise, dann richtig.
Wobei ich Mama dankbar bin, dass sie immer alles selbst gekocht hat, es gab (außer der Fertigmilch) nie Gläschen, oder Fertigprodukte. Ich hatte mein Lebenlang, ab Geburt, Pilze im Darm, mein Bruder hatte Neurodermitis. So hat sie immer wenigstens auf gute, frisch gekochte Sachen bestanden, das Gemüse großteils aus eigenem Garten.
2,721
7,740
Ich bin Jahrgang 1982 - meine Mutter sprach mit ihrer damaligen FÄ (die gleiche, die mich bei Joelle betreut hat ;-)) übers stillen und erwähnte, dass sie da Angst vor hätte, weil ihr Mutter und ihre Oma ihr solche Horrorgeschichten erzählt haben (meine Oma musste wohl damals für 9 Wochen ins Krankenhaus, wegen ner Brustentzündung) ... Antwort der FÄ war: "Na, wenn Sie solche Angst vorm Stillen haben, hat das eh keinen Zweck - ich schreibe Ihnen dann direkt Tabletten für nach der Geburt auf." - super Beratung :wut93 Weder mein Bruder noch ich wurden jemals angelegt ...
Vom Essen weiß ich nur, dass es erst Aptamil gab, später Milumil, und so ab 2-3 Monaten dann in Milch aufgeweichten Zwieback mit Banane als Start ;-) ... dann natürlich relativ schnell die ganze Palette. Meine Mutter meinte es gut und empfahl mir, als ich Joelle anfing, ein Brot zu machen, sie hätte damals immer Leberwurst oder Schmierkäse genommen (den ganz künstlichen quasi ;-)), das hätte ich gut gegessen. Ich hab mich für den Tipp bedankt und ihr ein Frischkäse-Brot gemacht ;-)
Ich mache meiner Mutter da keinen vorwurf, was die Ernährung angeht, und sie redet mir bei meinen Kindern auch nicht ganz so sehr rein (sie konnte sich halt nie vorstellen, dass ein Kind vom Stillen wirklich satt werden kann ;-) ), aber ich ärgere mich über die sogenannten "Fachleute", die sich damals erdreisteten, zig Frauen durch unsinnige Argumente vom Stillen abzuhalten :flaming01:
4,287
Ich habe in meiner Ausbildung 2001!!!noch gelernt wie man aus Pomps Grießbrei eine Griessbreiflasche kocht und wie man Schmelzflocken macht. Ebenso dass Neugeborene Tee bekommen und das Folgemilch nicht das Beste ist, wurde mir auch nicht beigebracht! DAS find ich viel schlimmer ;-)
1,173
Nee, da stand "Brot mit Geflügelwurst" oder "Gelbwurstsemmel" und DAS kann ich mir einfach nicht vorstellen, wie das ein 5 Monate altes Kind ißt. :scratch.: :traurig41: