Patriotismus

LenchenLenchen

4,118

bearbeitet 24. 05. 2004, 18:52 in Plauderecke
Bin grad über ein Zitat gestolpert, das mir so gefallen hat, dass ich es euch grad mal mitteilen muss:

Patriotismus ist die Überzeugung, daß unser Vaterland allen anderen Ländern überlegen ist, weil wir darin geboren wurden.

Gesagt hat das George Bernhard Shaw, ein irischer Bühnendichter, der seinerzeit in allen Intellektuellen-Kreisen präsent war und zeitweise übrigens auch der Britischen Fasistischen Partei angehörte. Trotzdem, finde ich, trifft es das voll, oder? Ich meine, wenn das alle kapieren würden, könnten wir uns doch sämtliche Patriotismus-Debatten schenken. :roll:

Kommentare

  • coracora

    6,187

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    ich glaub, das hintersinnige darin kapiert nicht jeder...

    hab auch mal was gehört: Patriotismus ist Liebe zum eigenen land, Nationalismus Hass gegen die anderen Länder.

    Patriotismus ist im Grunde nichts schlechtes, nur in Deutschland halt ein streitiges Thema. Es ist halt eine schmale Grenze zwischen Patriotismus, übertriebenem Patriotismus (Amis...) und Nationalismus - und in Deutschland hat die eine Seite Angst, sie überschreitet die Grenze, die andere tut es..........
  • Kayleigh119Kayleigh119

    3,579

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Ich seh das wie Cora.
    Leider wird ja immer noch auf unserer Vergangeheit rumgeritten :???:

    Fahr mal nach USA, die haben wahrscheinlich sogar auf dem Klo ne Amerikafahne zu hängen. :eek01:
    Häng dir hier mal eine Deutschlandfahne in den Garten oder wo auch immer, dann wirst du gleich für einen Nazi gehalten . :sad:

    Schade ist das !
  • YasminYasmin

    3,093

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Ich mag mein Land und ganz besonders bin ich Hamburg Patriotin!
    So langsam aber sicher sollten wir uns nicht mehr die Schuld anderer Menschen aufladen....
    Ich finde es traurig, das ich nicht stolz auf mein Land sein darf, nur weil wir uns mal auf einen Österreicher eingelassen und damals böse böse Fehler begangen haben :???:
    Natürlich ist die Sache mit Hitler nicht zu verzeihen und auch nicht zu vergessen, aber letztlich sind wir das EINZIGE Land auf der Welt das für seine Taten noch heute büßt :!:
    Und es gab und gibt noch viele andere die grausame Taten begehen und das immer wieder :!:
  • LenchenLenchen

    4,118

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Dieses übertriebene Schuldigkeitsgefühl ist aber zum größten Teil ein deutschland-internes Phänomen, habe ich festgestellt. Ich hab ganz viele Breiffreunde und hab das Thema ausführlich mit denen diskutiert. Die allermeisten in meiner Generation finden es albern, den Deutschen heute noch Vorwürfe wegen Hitler zu machen. Und auch sonst werden diese Klischees höchstens noch mal ausgepackt, wenn man unbedingt ein Argument gegen Deutschland braucht und keine logischen mehr da sind. :roll:

    Führt vielleicht ein bisschen weit, aber ich möchte's trotzdem gern erzählen: Martin und ich waren vor zwei Jahren in Großbritannien und haben u.a. eine meiner Brieffreundinnen besucht, die in Telford wohnt, eine ziemlich erbärmliche Arbeiterstadt in Nordengland, wirklich nicht grad der beste Nährboden für Toleranz. Wir waren zusammen im Pub, und als eine Horde angetrunkener Jungs am Nachbartisch bemerkte, dass wir Deutsche sind, setzten sie sich unter großem Gejohle zu uns. Ich glaube, es war kurz vorher ein Fußballspiel gewesen, Deutschland gegen England. :confused02: Hatten wir sie da nicht grad aus der WM geschickt? Oder EM? Was auch immer, jedenfalls wollten sie das gern mit uns diskutieren, vor allem vor dem Hintergrund dieses Wembley-Tores 1966 (:?:) und waren dann höchst enttäuscht, dass wir als absolute Fußball-Laien so überhaupt nicht auf ihre Provokationen ansprangen. Eine Weile haben sie dann versucht, uns zum Fußball zu bekehren, dann haben sie's aufgegeben und angefangen, vom deutschen Bier zu schwärmen. :grin: Und irgendwann meinte dann einer, er hätte in der Schule letztens 'nen Film über die deutschen KZs damals gucken müssen und fragte uns ganz ernsthaft, ob wir verstehen könnten, wie das alles habe passieren können. Ich war ganz erstaunt, dass einer dieser Bengels historisches Interesse bekundete und wollte gerade zu einem hochphilosophischen Diskurs ansetzten :fun10:, als sein Freund meinte, das seien damals halt einfach ganz andere Zeiten gewesen und das könnte man heute einfach nicht mehr verstehen, Diskussionen lohnten sich nicht. Ist natürlich auch nicht so unbedingt die richtige Einstellung, aber zumindest diese Selbstzüchtigungsnummer wurde da in keinster Weise von uns verlangt oder auch nur erwartet! :shock:

    Ups, ist jetzt wirklich ein bisschen lang geworden. :oops: Sorry...
  • YasminYasmin

    3,093

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    ich glaub auch das das Problem innerhalb Deutschlands steckt.
    Klar gibt es in anderen Ländern noch Menschen die Deutsche Menschen wegen ihrer Herkunft diskriminieren, aber nicht mehr so viele.
    Ich hab mal einen guten Freund verloren, weil ich gesagt hab das ich stolz auf Deutschland bin :sad:
    Schade das die Deutschen selber sich solche Steine in den Weg werfen und das Wort Patriotismus am liebsten aus dem Duden streichen würden :???:
  • coracora

    6,187

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    also, ich halt mich öfters mal in Israel auf, hatte auch mal da ne Beziehung, und die wollten das gar nicht glauben, dass wir so ein Problem damit haben... die junge Generation da hält unsere junge Generation nicht für schuldig, bloß weil wir Deutsche sind, und sie verstehen nicht, dass wir uns kaum trauen zu sagen, dass wir gerne Deutsche sind.... ich sage es jedenfalls nicht in der Öffentlichkeit, das könnte zu leicht missverstanden werden!
    und ihr hättet mal die Witze über Juden und den Holocaust hören sollen - dafür würden wir hier fast wegen Volksverhetzung angeklagt werden.

    Aber in den Köpfen der Leute aus den anderen Ländern ist es immer drin, ich bin schon überall darauf angesprochen worden, teilweise positiv, oft ohne jede Kenntnisse. Der Holocaust lässt sich halt mit NICHTS anderem vergleichen, was andere getan haben....
  • YasminYasmin

    3,093

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Naja.....
    ........was ist mit der systematischen Vernichtung der Indianer und der Aboriginies?
    Oder was zur Zeit zwischen Israel und Palästina läuft?
    Oder die Amis und der Irak?
    Amerika schmeißt Atombomben auf Hiroschima?
    Spanien auch nicht zu vergessen und die Russen.....
    es gibt in fast jedem Land genauso grausame Geschichten, auch mit Plan!
    Nur wird das nicht so interessiert betrachtet wie das was Ddeutschland getan hat :!:
  • coracora

    6,187

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    "genauso" grausame Geschichten ? sorry, nie waren es so viele, so gezielt, so skrupellos und schnell... über 6 millionen Juden (alle anderen kommen noch dazu) in unter 10 Jahren einfach so gezielt ausgerottet?
  • YasminYasmin

    3,093

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Ich mein damit nur, das ich es etwas schräg finde immernoch von
    "Deutschland hat das schlimmste, grausamste und überhaupt... getan!"

    Es gibt nur diese eine Geschichte (wohlgemerkt über 10 Jahre stimmt)
    die wir auf unseren Schultern zu tragen haben!

    Was hat Amerika alles auf den Schultern zu tragen? Zähl das mal zusammen!
    Und nicht vergessen die auf dem elektrischen Stuhl landen,
    oder die die netterweise nur die Spritze bekommen....

    Wenn man dann mal ganz ehrlich ist, dann hat Amerika Deutschland schon
    vor vielen Jahren an Grausamkeit überrundet :!:
  • jauchzerlejauchzerle

    6,272

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    "genauso" grausame Geschichten ? sorry, nie waren es so viele, so gezielt, so skrupellos und schnell... über 6 millionen Juden (alle anderen kommen noch dazu) in unter 10 Jahren einfach so gezielt ausgerottet?
    Stimmt, aber davor war die Berichterstattung über die Medien nicht so gegeben. Es war der allererste Vorfall, über den so massenhaft und effektiv berichtet werden konnte.
    Frühere Kriege, Kreuzzüge waren sicherlich nicht minder schrecklich, aber damals konnte keiner Zeitung lesen oder fernsehen.
    Ausserden hatte man vorher auch nicht die technischen Möglichkeiten so viele Leute so schnell und gründlich umzubringen. Sonst hätten es sicherlich schon andere Völker probiert.
    Ausserdem sollte man wirklich nicht die Enkel für Verbrechen der Großväter verantwortlich machen und zur Rechenschaft ziehen.
    Irgendwann muss doch mal Schluss sein.
  • coracora

    6,187

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    nein, das meine ich gar nicht, natürlich sollten wir (unsere Generation) verantwortlich gemacht werden bzw. die enkel aller Verbrecher !!

    ich finde es aber gut, wenn man darüber mit menschen aus anderen Ländern reden kann, es sollte im Gedächtnis bleiben, nur sollte es so sein, dass sie uns nicht als die schuldigen ansehen. Damit muss auf jeden Fall schluß sein, auch dass sich Deutschland noch öfters das Büßergewand anzieht.

    genausowenig wie wir irgendwelche Amis etc für ihre besch.. Praktiken verurteilen, sondern nur die, die es konkret gemacht haben!
  • LenchenLenchen

    4,118

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Yasmin schrieb:
    Es gibt nur diese eine Geschichte (wohlgemerkt über 10 Jahre stimmt)
    die wir auf unseren Schultern zu tragen haben!
    Das stimmt nicht! Ich kopier hier mal einen Auszug aus einer Buchbeschreibung bei Amazon rein, von einem Buch, das ich leider nicht gelesen habe (steht auf meinem Wunschzettel, ist aber leider recht teuer...).
    Aus der Amazon.de-Redaktion
    Die deutsche Geschichte ist reich an dunklen Kapiteln. Doch weil die größte aller historischen Katastrophen -- das Dritte Reich und der vom nationalsozialistischen Deutschland entfesselte Zweite Weltkrieg -- alles bislang Dagewesene in jeder Hinsicht in den Schatten zu stellen vermochte, ist manches zu Unrecht in Vergessenheit geraten. So auch die koloniale Vergangenheit in "Deutsch-Südwestafrika". Dort, im heutigen Namibia, schlugen am 11. August 1904 die deutschen Kolonialtruppen den Aufstand der Herero nieder. Die Eingeborenen vom Stamme der Bantu, die vor den Erschießungskommandos fliehen konnten, verdursteten in der Wüste Omaheke. Die übrigen wurden großteils erschossen. Insgesamt fielen in der Zeit von 1904 bis 1908 etwa 60.000 Herero den Deutschen zum Opfer -- Schätzungen zufolge etwa 90 Prozent des gesamten Stammes.
    Dieser "Holocaust" ist zumindest prozentual noch "erfolgreicher" gewesen als der Mord an den Juden, und genauso systematisch. Seltsam, dass man davon heute überhaupt nichts mehr hört, oder?
  • coracora

    6,187

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    davon habe ich auch noch nie ein Wort gehört ! sehr seltsam...
  • YasminYasmin

    3,093

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    :shock: stimmt kenn ich auch nicht, wie furchtbar :roll:

    Naja, trotzdem denk ich finden wir in allen anderen Ländern auch noch sowas.....denn wer suchet der findet......
    Z.B. haben die Holländer die Rodisian Ridgeback Hunde in Africa gezüchtet.....angeblich zur Löwenjagt :???:
    Wie zur Jagt haben sie Schwarze laufen lassen und haben dann ihre Ridgebacks draufgehetzt......das war dann Sport :shock:
    Auch nicht schön.........
  • LenchenLenchen

    4,118

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Ja, in Südafrika haben die Weißen (und die Schwarzen wahrscheinlich auch) ganz schön Dreck am Stecken. Da gibt es ja heute noch Gemeinden, die sich offiziell Rassisten nennen und in ihrem eingezäunten Dorf keine Schwarzen dulden, hab ich letztens im Fernsehen gesehen. :traurig08:

    Und wegen der Herero-Sache: Da sieht man halt, dass die Juden eine ganz andere Lobby haben als ein kleiner afrikanischer Stamm. - Und damit wären wir auch schon wieder beim überall latent vorhandenen Antisemitismus angelangt. ("Der Holocaust war das beste, was den Juden passieren konnte, da haben die doch für die nächsten Jahrhunderte 'nen Freifahrtschein für alles!"). :traurig04: Das ganze ist überhaupt ein fürchterliches und schwieriges Thema...
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