Doktorwürde kaufen - voll peinlich

HerzjeHerzje

1,048

bearbeitet 15. 01. 2006, 00:18 in Plauderecke
Hallöchen,
ich muss mich mal "ausschütten". Heute war unser wöchentliches TaiChiTraining, das ein guter Freund von mir leitet. Die Termine las ich gestern in der Zeitung - und was sah ich da? Den Namen des Kollegen zierte ein Dr. Ich hab mich erstmal köstlich amüsiert, von wegen Druckfehler und so. Hab ihn noch angerufen - ja da faselte er was von honoris causa und so und dass man das führen dürfe. Der Gute hat sich doch voll eine Ehrendoktorwürde im web für 159 Euronen bestellt!!! Nun ja, jedem Tierchen sein Pläsierchen. Heute beim Training kamen einige seiner Schülerinnen (keine jungen - nein etwas ältere Damen), gratuliertem, belaberten und überschütteten ihn mit Geschenken und Wünschen. :shock: Ich dachte schon es ginge um seinen Geburtstag letzte Woche - nein es ging um die Dr.-Würde! Er erzählte ihnen was von langen Nächten, Fernstudium und Doktorarbeit über chinesische Weisheiten.
Ja Mann, ist der denn abgehoben? Schämt er sich nicht, da noch Gratulationen entgegen zu nehmen? Ist der jetzt voll abgehoben oder was? Hat sich doch tätsächlich überall den Titel eintragen lassen. Voll der Blender! :finger:
Und ich dachte ich kenne ihn

Kommentare

  • bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Ist sowas denn erlaubt?? :shock:
  • bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Erlaubt ist es schon... allerdings muß man soweit ich weiß einen Zusatz anführen, aus dem für den "Wissenden" hervorgeht, dass dieser Dr.-Titel kein Studien-Dr. ist wie vergleichsweise Dr. med. (Doktor der Medizin).

    Leider ist es doch so, dass in unserer Gesellschaft sehr auf Äußerlichkeiten geschaut wird, da macht so ein Dr. Titel schon einiges Herr - die Reaktionen sieht man ja.
    Man kann sich ja auch den Adels-Titel ect. im Internet kaufen - ich glaub für ein Stückchen Land in Irland -ist auch nicht viel teurer, aber man darf sich dann wohl Lord oder Lady sowieso nennen.

    Da sind mir die "andersherum"-Menschen schon lieber: Ich kenne einige, die auch einen Dr. gemacht haben (also einen studierten) und das weiß kaum einer :biggrin: Bei einer Bekannten erfuhr ich das nur durch Zufall, als ich ihr mal bei einem offiziellen Schreiben helfen sollte, da stand dann ihr ganzer Titel drauf. Und mein Lehrchef hat sich immer köstlich amüsiert, wenn er von älteren Damen (Kundschaft) immer als "Herr Dr." angesprochen wurde - er legte da auch nicht viel wert drauf.

    Aber - jedem das seine!
  • HerzjeHerzje

    1,048

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Ja so ist es, an unserer FH legt man absolut keinen Wert auf die förmliche Anrede ob Dr. oder Prof., die sind alle per DU!
    Ich weiss, was hinter einer Diplomarbeit bzw. Doktorarbeit steht - aber sich dann mit so einem gekauften Titel schmücken, damit man es im Leben leichter hat ?
    Falls jemand am Link interessiert ist - bitte PN an mich. Übrigens dort kann man sich ein Grundstück auf Mond, Mars, Venus kaufen - und ein Ticket zur ISS lösen (20 Mio oder so).
    Die Titel kann man sogar in den Personalausweis eintragen lassen.
  • Maja1978Maja1978

    1,148

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Nun ja, vielleicht mag er sich den Dr. erkaufen können, aber die Würde, die fehlt ihm wohl noch. :lol:
  • coracora

    6,187

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    mein Mann ist promoviert, führt den Titel aber nie, würde mich umbringen, wenn ich es irgendwo erzähle. Eigentlich steht es nur auf offiziellen papieren und im Büro. :grin:

    Alles andere finde ich furchtbar peinlich, und wenn da nicht in der Zeitung h.c. dabeistand, ist das auch verboten!!!

    Viele Menschen geiern immer noch so darauf, das ist peinlich. ärzte werden auch wenn sie keinen Doktortitel haben, mit Herr/ Frau Doktor angesprochen, das ginde ich auch daneben. Das mancht man vieleicht in Österreich, aber hier doch nicht. Meine Mutter ist auch mit Frau Doktor angesprochen worden, obwohl sie nicht promoviert ist, aber mein vater :shock: Das ist doch auch bescheuert. :roll:
  • bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Ich meine das muss Dr.h.c sowieso stehen. Dann ist es in Ordnung. Sonst macht er sich sogar strafbar.
  • Susanne67Susanne67

    4,797

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Mein Mann ist auch promoviert. er hat sich seinen Titel schwerst erarbeitet. Er hat drei Jahre nach Studienende begonnen, als er schon Abteilungsleiter mit einer entsprechenden Arbeitsbelastung war. Er kam zu der Zeit bereits ebenso wie heute keinen Abend vor 20-21 Uhr nach Hause und war auch dienstlich viel über Nacht unterwegs. Die Arbeit hat er eigentlich nur am Wochenende gschrieben, sich aber dann auch voll in seine Unterlagen vergraben. Es hat knapp fünf Jahre gedauert (im Bereich Wirtschaftswissenschaften) und wir haben darauf verzichtet, in dieser zeit zusammenzuziehen, weil er dafür einfach keine Zeit gehabt hätte und ich nicht ins Zusammenleben starten wollte mit der glasklaren Arbeitsteilung er Doktorarbeit, ich Haushalt, um nicht für dieZukunft alles festzuzementieren (da wollte ich noch keine Kinder und war beruflich ähnlich eingespannt wie er.). Er hat definitiv dafür keine Zeit gehabt. Trotzdem hat er es geschafft, sich Zeit für mich zu nehmen, unsere Beziehung positiv zu gestalten. Wir sind verheratet und ich bin superstolz auf ihn, dass er seine Promotion so diszipliniert durchgezogen hat und sich immer wieder motiviert hat. Natürlich gab es zwischendurch Hänger, aber ich habe immer hinter ihm und seiner Entscheidung gestanden und so haben wir es gemeinsam geschafft. Mal abgesehen davon, dass ich einen Haufen Arbeit mit den korrekturen hatte. ich habe das ganze erk bestimmt 10mal rückwärts und vorwärts gelesen um alles auszumerzen. Er hat die Arbeit geschrieben, weil er Freude an dieser intensiven beschäftigung mit einem Thema hatte. Ob es im Job hilft, wird man sehen, er trägt den Titel auch nicht progressiv nach vorne und erinnert andere daran, dass er promoviert ist. Er versteckt ihn aber auch nicht und führt ihn auf Visitenkarten oder bei Vortragsankündigungen oder in seiner Firma.

    Vor dem Hintergrund ärgere ich mich auch sehr darüber, wenn Leute sich für klitzekleines Geld ohne echten Einsatz den Doktor kaufen, oder aber andere, die nicht promoviert sind, den Doktor an sich einfach abqualifizieren, weil es ja nur Status-Symbol sei. Das ist oft auch eine reine Neid-Diskussion. Ich bin der Meinung, auf Leistung darf man auch stolz sein und mein Mann hat da wirklich über 5 Jahre eine extreme Doppelbelastung ausgehalten. trotzdem habe ich ihm verboten auch nur ansatzweise über eine Habilitation nachzudenken. Denn mit Kind geht das nun wirklich nicht mehr, zumindest nicht nebenberuflich.
  • coracora

    6,187

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    ich finde aber auch, dass man stolz drauf sein darf! So meinte ich es nicht, falls du es so verstanden hast. Nur man sollte nicht so damit hausieren gehen!

    Mein mann hats auch eher abends gemacht, weil er ja tagsüber seinen Lebensunterhalt verdienen musste. ER war Assistent, ok, aber musste da vor allem für den prof arbeiten und hatte kaum zeit für die Diss. Was mich auch ärgert - wie leicht es zB im Fach Medizin ist, einen Doktor zu bekommen! Ein Bekannter hat 3 Tage an seiner Arbeit gesessen :roll: Und das ist öfters so...

    Mein Mann musste neben der Arbeit auch noch Scheine in anderen Fächern machen, die wolllen hier nämlich keine Fachidioten. :shock: Nur wenn man sowieso völlig ausgelastet ist, ist es schwierig,d ann noch schnell mal so eben einen Juraschein zu machen, nur weil das die prüfungsordnung vorschreibt. Komischerweise nur für manche Fächer :twisted: (Er hat interdisziplinär geschrieben, Psych und Wiwi)
  • Susanne67Susanne67

    4,797

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    cora schrieb:
    ich finde aber auch, dass man stolz drauf sein darf! So meinte ich es nicht, falls du es so verstanden hast. Nur man sollte nicht so damit hausieren gehen!

    Cora, das war nicht auf Dich gemünzt. Ich denke, wir sind da auf einer Wellenlänge. Es gibt aber wirklich Leute, die den Doc an sich verteufeln, weil das ja nur fürs Image gemacht würde und Status usw. Da habe ich einen Hals drauf.... Weil ich eben weiß, was das in unserem Fall auch für unsere Lebensplanung bedeutet hat. De facto sind wir erst fünf Jahre später zusammengezogen und das können vielleiocht genau die fünf Jahre sein, die uns jetzt bei der Familienplanung ob meines fortgeschrittenen Alters vielleicht fehlen werden ...
  • coracora

    6,187

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Mich ärgerts inzwischen auch. :cry: Mein mann ist dadurch in einer schlechten wirtschaftlichen Lage eingestiegen in die "richtige" Arbeitswelt, die anderen, die ohne Dr.-titel 3 Jahre vor ihm eingestiegen sind, verdienen Unsummen mehr. :???: Er hats gemacht, weil er dachte, es ist eine gute Qualifikation .. ging eher rückwärts los. :roll:
  • bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    cora schrieb:
    Das mancht man vieleicht in Österreich, aber hier doch nicht.

    Äh- was hat das denn jetzt mit Österreich zu tun ?
  • ataspisataspis

    506

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    In Österreich wars zumindest früher üblich, z.B. "Frau Geheimrat" zu sagen, obwohl der Herr Gemahl den Job hatte. (Was immer ein Geheimrat ist....). Ich schätze mal, das ist inzwischen auch nicht mehr so.

    Das mit dem Dr.h.c ist auch so eine Sache. Ich glaub nicht, dass er das dran schreiben dürfte, weil es ja eine richtige Ehrendoktorwürde gibt, die von Unis verliehen wird. Einer unserer Profs hat die von der Uni Stockholm bekommen, das war eine grosse Sache mit Feierlichkeit, einem Siegelring der verliehen wurde usw.
    Vielleicht muss er einfach Dr. schreiben ohne jeden Zusatz, denn alle "richtigen" haben doch einen.
  • bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Also, um hier nicht missverstanden zu werden... Auch ich finde in jedem Fall, dass man auf einen hart-erworbenen Dr.-Titel stolz sein kann - aber ich weiß nicht wie Ihr es empfindet:
    Meiner Erfahrung nach scheint es so zu sein, dass je mehr jemand für einen Doktor gearbeitet hat, desto weniger muß er/sie sich damit brüsten - es ist halt eben so, es ist "normal".

    Ich meine damit ein ähnliches Verhalten, wie im Bereich Adelstitel: Adel von Geburt geht zumeist recht normal mit der Tatsache um, nehmen es teilweise sogar als "notwendiges Übel" an, in offizielleren Sachen mit Titel angesprochen zu werden... angeheirateter Adel besteht sehr oft darauf, mit allen Titeln angesprochen zu werden.

    Krass finde ich es, wenn jemand sich so einen Doktortitel kauft, und dann auch im privaten Bereich immer darauf besteht... solch einen kenn ich nämlich auch!

    Deswegen finde ich es auch gut, dass normal sowas wie h.c. oder med. oder so dabei stehen muss, damit man wenigstens im Ansatz unterscheiden kann, was dahinter steckt.
  • coracora

    6,187

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    § 132a
    Mißbrauch von Titeln, Berufsbezeichnungen und Abzeichen

    (1) Wer unbefugt

    1.inländische oder ausländische Amts- oder Dienstbezeichnungen, akademische Grade, Titel oder öffentliche Würden führt,

    2.die Berufsbezeichnung Arzt, Zahnarzt, Psychologischer Psychotherapeut, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, Psychotherapeut, Tierarzt, Apotheker, Rechtsanwalt, Patentanwalt, Wirtschaftsprüfer, vereidigter Buchprüfer, Steuerberater oder Steuerbevollmächtigter führt,

    3.die Bezeichnung öffentlich bestellter Sachverständiger führt oder4.inländische oder ausländische Uniformen, Amtskleidungen oder Amtsabzeichen trägt,

    wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

    (2) Den in Absatz 1 genannten Bezeichnungen, akademischen Graden, Titeln, Würden, Uniformen, Amtskleidungen oder Amtsabzeichen stehen solche gleich, die ihnen zum Verwechseln ähnlich sind.

    (3) Die Absätze 1 und 2 gelten auch für Amtsbezeichnungen, Titel, Würden, Amtskleidungen und Amtsabzeichen der Kirchen und anderen Religionsgesellschaften des öffentlichen Rechts.

    (4) Gegenstände, auf die sich eine Straftat nach Absatz 1 Nr. 4, allein oder in Verbindung mit Absatz 2 oder 3, bezieht, können eingezogen werden.

    Abs. 2 passt auf ausländische Ehrentitel, nicht Absatz 1 - er ähnelt nur einem deutschen akademischen Grad. Es muss immer dabei angegeben werden, was für ein Titel es ist und woher er kommt, also dass er kein deutscher echter Titel ist. ;-) Der Kerl macht sich strafbar, wenn er einfach so den Dr. benutzt ....
  • bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    siehste, sag ich doch.
  • Susanne67Susanne67

    4,797

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    ChiraLoona schrieb:
    Meiner Erfahrung nach scheint es so zu sein, dass je mehr jemand für einen Doktor gearbeitet hat, desto weniger muß er/sie sich damit brüsten - es ist halt eben so, es ist "normal".

    Das zeigt auch meine Erfahrung. Wer es sich wirklich erarbeitet hat, kann sein Ego aus dieser vollbrachten Herausforderung ziehen, die anderen müssen ja erst noch Anerkennung von außen kriegen für ihr Geld.
  • HerzjeHerzje

    1,048

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Also fehlts den Leuten, die Anerkennung suchen an Selbstbewusstsein??
    Wahrscheinlich.
    Nächste Woche seh ich den Kollegen wieder, dann versuche ich mal mit ihm zu sprechen - wenn er nicht von irgendwelchen Fans umringt ist.
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