"Ausraster" in schwierigen Zeiten

SandwichSandwich

1,061

bearbeitet 5. 03. 2008, 10:18 in Plauderecke
Heute mache ich mir mal wieder einen Kopf und wollte mal Eure Meinung wissen.

Mir ist aufgefallen, dass ich in schwierigen Zeiten, z.B. Krankheit, Schub, etc. manchmal echt komisch reagiere und bekomme dann immer ein schlechtes Gewissen gegenüber meinem Kind.

Bsp.1. Jacqueline ist ja zur Zeit sehr krank und die Nächte bescheiden. :sad: Ich verstehe ja, dass es ihr nicht gut geht und sie Trost u.ä. braucht, aber nachdem ich mehrere Nächte nur maximal 30 Minuten am Stück geschlafen habe, ertappe ich mich dabei, wie ich heute Nacht zu ihr sagte: "Nun reicht es mir mit Dir aber mal. Geb jetzt Ruhe, wir wollen alle mal schlafen". :fingers: Ist nicht ganz mein O-Ton (den bekomme ich nicht mehr zusammen), aber ich war ziemlich geschockt über mich. Zumal meine Lautstärke auch dementsprechend war. Hatte mich einfach nicht im Griff.

Bsp. 2. Jacqueline trotz. Mir reichts und ich werde irgendwann laut und sage "Zicke" zu ihr. Ich versuche in meiner Erziehung eigentlich nie laut zu werden, da ich denke, es muss auch anders gehn, aber manchmal passiert es dann doch. :fingers: Auch das "Zicke" rutschte mir raus. Schlechtes Gewissen kann wieder kommen !

Habt ihr auch manchmal das Gefühl, diesen Situationen nicht gewachsen zu sein ??? Kennt ihr auch diese "Ausraster" ??? Ist dies wirklich ein Wunsch-Realitäts-Konflikt, da man doch anders reagiert, als man es eigentlich vorhat ??? (da finde ich mich oft zum :groggy: )

Kommentare

  • bratenbraten

    2,538

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    ich finde es nicht tragisch, in besonders schwierigen situationen auch mal etwas aus der haut zu fahren. solange diese situationen nicht jeden tag vorkommen und das kind nicht "niedergemacht" wird, sondern du einfach mal laut sagst (dass es jetzt reicht, dass du nicht mehr kannst etc.)

    dein kind merkt ja sowieso, dass du dich ärgerst, ich glaube es ist gesünder wenn du dann auch so reagierst und nicht total verständnisvoll und ruhig vorzugeben versuchst, das alles in ordnung ist..

    ich versuche mich dann so auszudrücken, dass ich nicht sage "du nervst", "du bist ein böses kind" oder so was. sondern ich versuche, mich in ich-botschaften auszudrücken: "ich bin müde, es ist nacht, bitte schlaf jetzt", "ich ärgere mich, dass du dein glas ausgekippt hast, hol den lappen aus der küche", "ich möchte nicht, dass du die puzzleteile durchs zimmer wirfst. es können welche verloren gehen und das wäre schade. wir räumen das puzzle jetzt ein!", "ich verstehe, dass du dich ärgerst. ich kann es aber nicht ändern (dass keine nudeln mehr da sind, dass du irgendwas noch nicht kannst, etc.)"

    und wenn ich mich doch mal im ton vergreife, versuche ich mich zu entschuldigen wenn ich mich wieder beruhigt habe.
  • krabbeltierkrabbeltier

    3,047

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    so einen ähnlichen Thread wollte ich auch erst eröffnen :oops:. Ich bin jetzt schon die vierte Woche total erkältet, zwischenzeitlich wurde es wieder besser und jetzt ist es wieder schlechter. Und ich bin unausstehlich zu meinem Sohn was mir jedesmal total leid tut. Er kann ja nichts dazu das es mir schlecht geht aber ich bin im Moment irgendwie am Ende weil es nicht besser wird mit mir. Ich sage ihm oft das ich nicht mehr kann, das es mir so schlecht geht, teilweise schreie ich leider auch. Ich habe aber auch keine Lust alles 100 mal zu sagen und dann macht er sowieso was er will, ich möchte nicht das er seine Schuhe durch die Gegend schmeißt usw. Heute hat er sich 3 mal komplett ausgezogen bis es mir gereicht hat und ich gesagt habe das ich ihn dann so in den Kindergarten bringe. Ich fühle mich so mies ihm gegenüber.

    Er weint jetzt auch total schnell selbst wenn ich ihn nur anziehe meint er ich hätte ihm wehgetan (was nicht stimmt) und umarmt mich ganz lieb und weint. Denke das er einfach möchte das ich lieber bin und nicht nur mecker. Ich entschuldige mich auch bei ihm und sage ihm wieder das es mir so schlecht geht und ich lieber im Bett liegen würde etc.

    Aber auch was du schreibst kenne ich von mir. Wenn er krank war und wir keinen Schlaf bekommen haben habe ich auch solche Sprüche wie du abgelassen :oops:
  • DawnDawn

    3,183

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Achja, ich glaube das kennen so ziemlich alle Mütter (und Väter). Ich bin eigentlich auch eine Ruhige und Geduldige, aber zur Zeit bin ich halt sehr müde tagsüber und Jonah lässt mich ja nicht mal 5 Minuten auf der Couch dösen, Mittagsschlaf macht er daheim auch nicht. Da bin ich auch mal gereizt und werde lauter, als ich das will. Ich versuche es ihm zu erklären und sage ihm auch, dass ich grade müde bin und deswegen "grätig". Ich nehme mir inzwischen auch nicht mehr vor, nie laut zu werden, lieber mal kurz laut als was Schlimmeres. Mich ärgert es dann, wenn Mütter am Spielplatz völlig von sich weisen, jemals in 10 Jahren mit kleinen Kindern laut geworden zu sein. Und ob es was bringt, wenn man immer künstlich dahinsäuselt "Darian, mein liiiebes Kind, bitte lass es jetzt sein mit dem Sand werfen" *tätscheltätschel*... Ähm ja... :cool:
  • tinattinat

    11,944

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Künstlich ist das Stichwort. Ich werde auch mal lauter, obwohl ich es nicht will. Aber ich kann mich auch nicht verstellen, ich BIN dann eben wütend. Ich finde das ehrlicher als dann zu sagen "Ich will aber nicht, dass du dir im Schrank die Finger einklemmst" oder so, ich KANN das nicht, so bin ich eben einfach nicht. Ja, ich sage auch solche "Ich möchte nicht..."-Botschaften, aber nicht, wenn ich sauer werde. Gut, vermutlich wäre es idealer, immer ruhig zu bleiben, aber ich finde das auch ein wenig langweilig und leidenschaftlos und bin einfach so nicht. Aber natürlich muss das alles im Rahmen bleiben. Das Kind soll auch merken, dass ich noch immer seine Mama bin und es liebhabe, auch wenn ich mal schreie "Bleib vom Schrank weg!" oder so... ;)
  • kerstinjkerstinj

    2,322

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Ich denke manche "Ausraster" sind vom Kind auch gewoolt provoziert, ala: Wann wird es Mama zu bunt?
    Lukas kann man es jedenfalls ansehen, dass er sich freut *grr* wenn er es geschaftt hat, mich laut werden zu lassen...
    Ich hab die Zählmethode eingeführt (3,2,1, danach folgt eine von ihm unerfreulich empfundene Aktion (z.B. unbequem abgeschleppt werden) und er legt es sehr oft drauf an, dass ich anfange zu zählen, um dann zwischen 2 und 1 loszuspurten :flaming01:
  • katjaklarakatjaklara

    2,149

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    oh man, ich passe hier auch gut dazu. ich versuche ruhig zu bleiben, aber irgendwann, besonders wenn ich angespannt bin, dann platzt es aus mir raus und ich spreche lauter oder schreie. irgendwie hab ich mich nicht unter kontrolle. wenn leonie x-mal etwas macht, was sie nicht soll, dann werde ich meist laut. derzeit ist sowieso der wurm drin. leonie ist so zickig. sie will immer das nicht, was ich will oder genau umgekehrt. zähne putzen, wickeln, umziehen, anziehen, ....
    ich arbeite an mir, aber so wirkliche fortschritte sehe ich noch nicht.
  • SandwichSandwich

    1,061

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Es ist doch immer wieder beruhgend, dass man mit diesen Problem nicht allein auf der Welt. ist. ;-)
    Und es zeigt mir sehr deutlich: "Auch Mamas sind nur Menschen".
    Dann wünsche ich Euch allen viel Kraft und Geduld in den schwierigen Phasen der Erziehung. :troest:
  • supisupi

    8,312

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    ich schließe mich an.
    Mir geht es genau so, wie katjaklara geschrieben hat.
    Ich finde allerdings auch, dass es ehrlicher ist, dem Kind tatsächlich zu zeigen, dass und wo Grenzen vorhanen sind, auch bei der Geduld und dem Gefühlsleben der Eltern. Das sehe ich so wie tinat.
    Wobei ich zugeben muss, dass mir schon auch mal die Pferde durchgehen, da ich zur Zeit eigentlich aus der Ansopannung nicht mehr rauskomme.
    Ich handhabe das aber so, dass ich IMMER anschließend noch mal ruhig alles erkläre, was mich gestört hat, warum ich so reagiert habe usw. und falls ich wirklich zu sehr abgehoben habe, dann entschuldige ich mich auch (und habe ein schlechtes Gewissen).

    Das "Zählen" machen wir bewusst nicht, weil wir es viel zu oft im Bekanntenkreis erlebt haben, dass der Schuss dann nach hinten losgeht, v.a. wenn man einmal inkonsequent war.
  • MiaofeliMiaofeli

    3,647

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Hehe was glaubt ihr wie es hier manchmal abgeht. Das wird nicht besser je größer die werden und es schadet auch nicht. Kinder müssen auch erkennen und verstehen das Mama ein MEnsch ist. Eine Übermutter wird unwirklich und das Kind kann sich nicht in ihr wiedererkennen. Denn das Kind hat ja Wut und brüllt sie auch raus. Wenn da nun Mutti immer ruhig und entspannt ist, kann das nur bedeuten das diese Gefühle und deren Auslebung falsch sein müssen.
    Soll nicht heißen das man sich gehen lassen sollte aber eben Mensch bleiben und sich wegen "Ausrastern" ( sofern sie nicht die regel sind, sondern wie hier beschrieben von Euch ) nicht so einen Kopf machen sollte. Man entschuldigt sich hinterher, erklärt und verträgt sich. Das gehört zu jedem sozialen Miteinander dazu und schult soziale Kompetenzen. Mama ist ein Mensch wie ich selbst und hat die selben Gefühle. Sie zeigt wie man damit lebt und umgeht ohne sie zu verleugnen.


    Gruß Feli

    Ps.: Ha mit Elena fliegen hier öfter die Fetzen und sie meinte letztens zu mir "Gut das wir uns aneinander abreagieren können, denn bei Dir bin ich immer sicher, das wir uns wieder vertragen. Dich kann ich nicht verlieren dadurch." Sie reagiert sich ab, ich übe berechtigte Kritik *ggg*
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