Sohn statt Tochter bekommen: Paar verklagt Ärzte

NukaNuka

2,340

bearbeitet 29. 03. 2008, 10:53 in Plauderecke
Sydney (AFP) - Ein australisches Paar hat eine Klage gegen Fortpflanzungsmediziner eingereicht, weil es nach einer künstlichen Befruchtung statt der erwarteten Tochter einen Sohn bekam. Wie die Zeitung "Sunday Telegraph" berichtete, leidet der 2005 geborene Junge an der gefährlichen Bluterkrankheit. Die Frau habe sich seinerzeit nur weibliche Embryos einpflanzen lassen, um die Geburt eines mit der erblichen Krankheit belasteten Sohnes zu vermeiden. Das Kind sei dann dennoch ein Junge geworden. Das Paar fordert nun von den Medizinern Entschädigungen für die seelische Belastung und die hohen medizinischen Kosten für die Behandlung des Kindes.
Mit der künstlichen Befruchtung hätten sie ihrem Kind das lebenslange Leiden an der Bluterkrankheit ersparen sollen, sagten die Eltern der Zeitung. Hätten die Ärzte ihnen früher mitgeteilt, dass sie trotz der künstlichen Befruchtung einen Jungen erwarteten, hätten sie sogar eine Abtreibung erwogen. "Wir lieben unseren kleinen Jungen, aber es tut uns sehr leid, dass er in seinem Leben so viel durchmachen muss." Bei der auch Hämophilie genannten Krankheit gerinnt das Blut nicht richtig, Erkrankte müssten schon bei der kleinsten Verletzung damit rechnen zu verbluten.
Quelle: msn

Kommentare

  • July78July78

    1,031

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Was würde der Junge wohl später mal dazu sagen, wenn er hört dass die Eltern den Arzt verklagt haben weil er ein Junge ist und dass sie ihn abgetrieben hätten wenn sie das früher gewusst hätten.... :flaming01:
  • krabbeltierkrabbeltier

    3,047

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Naja aber sie wollten ihm ja diese Krankheit ersparen und haben das sicher nicht ganz so böse gemeint? Klar, Abtreibung ist schrecklich aber diese Familie hatte ja für sich eine Entscheidung getroffen was ja so nicht direkt was mit dem Geschlecht zu tun hat. Ich heiße sowas nicht gut, kann die Familie aber in gewisser Weise auch verstehen.
  • sopie74sopie74

    2,615

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Das hört sich schrecklich an, aber ich denke es ist wahrscheinlich, das der Vater selber an dieser Krankheit leidet und einschätzen kann, wie stark sie die Lebensqualität beeinflusst... und wenn ein Paar einenen solchen Aufwand betreibt um genau das zu verhindern, kann ich schon verstehen, das man den Arzt verklagt!

    Ob man ein krankes Kind abtreibt oder nicht ist eine ganz andere Diskussion, ich finde den viel zu leichtfertigen Umgang mit den Instrumenten der Pränataldiagnostik auch erschreckend, doch am Ende müssen Eltern selber entscheiden dürfen, was sie auf sich nehmen...
  • JullaJulla

    5,464

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Mir fällt es sehr schwer, dieses Paar zu verurteilen. Eine Freundin von mir spielt mit ähnlichen Gedanken. Sie hat vor 1.5 Jahren ihren Sohn verloren - ein paar Tage nach der Geburt. Er wurde noch in die Kinderklinik gebracht, aber keiner wusste, was mit ihm los ist und wie man ihm helfen kann. Sie hat ihn auch nicht mehr lebend sehen können. Nach unzähligen Tests hat man herausgefunden, dass sie selbst einen Gendefekt hat, der für männliche Nachkommen tödlich endet, bei dem weibliche Nachkommen aber entweder völlig gesund sind oder "nur" Überträger dieses Gendefekts sind. Da haben wir auch mal eine Zeit lang die Möglichkeit diskutiert, sich nur weibliche Embryonen einpflanzen zu lassen. Ich weiß nicht, wie man sich fühlt, wenn man gehofft hat, sich und seinem Kind damit so viel Leid zu ersparen und das dann schief geht. Nachdem ich aber das Leid dieser Freundin auch nur ein bisschen miterleben durfte, traue ich mich wirklich nicht, ein Urteil zu fällen.
    Die Überschrift des Artikels finde ich jedenfalls irreführend. Ich dachte, es geht rein darum, dass sie lieber ein Mädchen wollten als einen Jungen.
  • ed24ed24

    1,208

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Und es gibt ja auch unterschiedliche Ausprägungen der Krankheit und auch unterschiedliche Verläufe. Ich glaube das die Zeitung das Schiksal der Familie medienwirksam aufgepuscht hat.

    Das zum einen. Ansonsten finde ich es nicht gut "Gott" zu spielen und sich AUSZUSUCHEN welches Geschlecht besser in meine Familie passt.

    Gruß ed24
  • sopie74sopie74

    2,615

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    ed24 schrieb:
    Und es gibt ja auch unterschiedliche Ausprägungen der Krankheit und auch unterschiedliche Verläufe. Ich glaube das die Zeitung das Schiksal der Familie medienwirksam aufgepuscht hat.

    Das zum einen. Ansonsten finde ich es nicht gut "Gott" zu spielen und sich AUSZUSUCHEN welches Geschlecht besser in meine Familie passt.

    Nimm's mir nicht krumm, aber wo ist das denn aufgepuscht? Da hat sich eine Paar in die Hände von Medizinern begeben und bestimmt einige Torturen auf sich genommen, um sich und ihrem Kind Leid zu ersparen und der gegenteilige Fall ist eingetreten. Und weil es eine Erbkrankheit ist, wissen die Eltern sicher auch um die möglichen Ausprägungen der Krankheit. Das ist jetzt nach meinem Empfinden nichts aufgepuscht...

    Gerade die Familie von der Julla berichtet hat, zeigt doch, das es hier nicht nur Schwarz und Weiß gibt, es geht den Menschen darum, ein für sie unerträgliches Leid abzuwenden, nicht darum Gott zu spielen...

    ...ich hoffe ich hab dich nicht komplett falsch verstanden...
  • bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    sopie74 schrieb:
    Das hört sich schrecklich an, aber ich denke es ist wahrscheinlich, das der Vater selber an dieser Krankheit leidet und einschätzen kann, wie stark sie die Lebensqualität beeinflusst... und wenn ein Paar einenen solchen Aufwand betreibt um genau das zu verhindern, kann ich schon verstehen, das man den Arzt verklagt!

    Ob man ein krankes Kind abtreibt oder nicht ist eine ganz andere Diskussion, ich finde den viel zu leichtfertigen Umgang mit den Instrumenten der Pränataldiagnostik auch erschreckend, doch am Ende müssen Eltern selber entscheiden dürfen, was sie auf sich nehmen...

    Frauen übertragen die Erbmerkmale, aber Männer erkranken dann daran. Also denke ich mal, dass die Mutter die Gene hat, die die Bluterkrankheit auslösen. Sonst hätten die beiden ja evtl. über eine Samenspende nachdenken können. Nur Leihmutterschaft wäre eben illegal und die Alternative hieße Adoption, die viele Jahre dauern kann.
    The mother has a family history of the cancer and carriers have a 50 per cent chance of passing the gene mutation on to their children. The couple claim they would not have undergone IVF and, instead, would have adopted or chosen to not have children, if scientists had not assured them that they could select an embryo without the genetic disorder.
    Quelle: http://www.ivf.net/ivf/australian_paren ... 90-en.html
  • sopie74sopie74

    2,615

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Frauen übertragen die Erbmerkmale, aber Männer erkranken dann daran. Also denke ich mal, dass die Mutter die Gene hat, die die Bluterkrankheit auslösen. Sonst hätten die beiden ja evtl. über eine Samenspende nachdenken können. Nur Leihmutterschaft wäre eben illegal und die Alternative hieße Adoption, die viele Jahre dauern kann.

    :fies02: ja, da hast du natürlich recht, ist ja x-chromosomal... der Bio-LK ist halt doch schon sehr lang her :oops: Aber ein Teil meiner Aussage stimmt vielleicht doch noch: mit hoher Wahrscheinlichkeit gab es Fälle von Hämophilie in ihrer Familie und somit auch ein Wissen um diese Krankheit...
  • ed24ed24

    1,208

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    @sopie74 - Schiksal hin schicksal her. Natürlich haben die Eltern einen guten Grund für ihre Entscheidungen und es ist jedermans Sache wie er sein Leben gestaltet.
    Nur die Medien/Zeitungen lieben solche Storys. Und je krasser sie aussehen desto besser für die Auflage!!! Deshalb glaube ich, dass das Schiksal der Familie durch die Zeitung möglicherweise dramatischer dargestellt wurde als es ist.

    Gruß ed24
  • JullaJulla

    5,464

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Ich finde schon, dass es aufgepuscht ist, schon allein durch die Überschrift. Oder ging es Euch nicht so, dass Ihr als erstes dachtet, dass die einfach mehr Lust auf ein Mädchen hatten als auf einen Jungen? Und ich hatte beim Lesen schon den Eindruck, dass ich dadurch den Eltern gegenüber direkt mal negativ gestimmt war.
  • sopie74sopie74

    2,615

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    mmhh, gut die Überschrift könnte gegen die Eltern einnehmen und am Ende die Darstellung der Krankheit in ihrer schlimmsten Ausprägung ist auch etwas dramatisch. Ansonsten finde ich es aber nicht unsachlich, und die Fakten sind es, die mich davon überzeugen, dass die Eltern eben nicht Gott spielen wollten. Oder verstehst du (ed24) das so, dass die künstliche Befruchtung gemacht haben weil sie - einfach so - lieber ein Mädchen hätte? Und die Bluterkrankheit war nur ein Nebenaspekt?

    Ich finde nämlich, wenn der Fall so liegt wie ich es verstanden habe, kann die Situation der Eltern gar nicht dramatisch genug geschildert werden, den sie ist es! Da find ich es eher schlimm, wenn die Überschrift die Menschen gegen die Eltern aufhetzt.
  • ed24ed24

    1,208

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Ich finde allein die Möglichkeit schlimm, dass bei einer künstlichen Befruchtung vor der Verpflanzung in die Frau, das Geschlecht des Kindes festgestellt werden kann. So ganz allgemein gesehen. Als ob irgendein Geschlecht BESSER sei als das Andere.

    Ich könnte so ein paar Geschichten über die künstliche Befruchtungen und das Thema Gott-spielen hier aufzählen, aber das ist der falsche tread. Und das ist es worüber ich mich soooo schrecklich aufrege. Und das zurecht. Denn ich hätte ja auch einen guten Grund mir das Geschlecht meines Kindes vorher auszusuchen. Aber muss der Mensch denn alles bestimmen und kontrolieren????
  • sopie74sopie74

    2,615

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Ich finde allein die Möglichkeit schlimm, dass bei einer künstlichen Befruchtung vor der Verpflanzung in die Frau, das Geschlecht des Kindes festgestellt werden kann. So ganz allgemein gesehen. Als ob irgendein Geschlecht BESSER sei als das Andere.

    Aber das ein Geschlecht besser sein soll als das Andere war hier doch gar nicht die Motivation. Das fände ich auch schlimm, da gebe ich dir recht. In Deutschland gibt es die Möglichkeit ja auch nicht, befruchtete Eizellen 'vorzuselektieren', und das finde ich prinzipiell sehr gut so. Doch wenn es um solch schlimmen Erbkrankheiten geht finde ich es einfach unangemessen den Eltern zu unterstellen, sie würden Gott spielen, wenn sie so eine Möglichkeit in Erwägung ziehen. Deren Alternative wäre wahrscheinlich gar kein Kind zu bekommen.

    Wenn jemand tatsächlich so gaga ist, soetwas zu tun nur damit es das Wunschgeschlecht wird ist das ne komplett andere Baustell.
  • krabbeltierkrabbeltier

    3,047

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    sopie74 schrieb:

    Aber das ein Geschlecht besser sein soll als das Andere war hier doch gar nicht die Motivation. Das fände ich auch schlimm, da gebe ich dir recht. In Deutschland gibt es die Möglichkeit ja auch nicht, befruchtete Eizellen 'vorzuselektieren', und das finde ich prinzipiell sehr gut so. Doch wenn es um solch schlimmen Erbkrankheiten geht finde ich es einfach unangemessen den Eltern zu unterstellen, sie würden Gott spielen, wenn sie so eine Möglichkeit in Erwägung ziehen. Deren Alternative wäre wahrscheinlich gar kein Kind zu bekommen.

    sehe ich genauso
  • bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    aber eines ist mir erst nach dem Lesen des Artikels eingefallen: ein gezeugtes Mädchen würde selber nicht erkranken, aber trotzdem Träger des defekten Genmaterials sein (tschuldigung, hört sich so technisch an, dabei reden wir über Menschen). Also würde eine Tochter später evtl. vor der gleichen Problematik stehen. Vielleicht gibt es einen Grund, dass dann keine Schwangerschaft eintritt bzw. man sollte sie nicht forcieren. Mhm, schwer zu schreiben, weiß jemand, was ich meine?
  • NukaNuka

    2,340

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    Milchmädchen schrieb:
    aber eines ist mir erst nach dem Lesen des Artikels eingefallen: ein gezeugtes Mädchen würde selber nicht erkranken, aber trotzdem Träger des defekten Genmaterials sein. Also würde eine Tochter später evtl. vor der gleichen Problematik stehen.
    DAS habe ich mir auch gedacht !
    Andererseits dachte ich mir, daß man in dreißig Jahren vielleicht ganz andere Möglichkeiten hat :traurig04:
  • sopie74sopie74

    2,615

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    hi milchmädchen,

    da hast du recht mit deinem Einwurf :confuded: , bei allen medizinischen Möglichkeiten wird die Tochter vor der gleichen Problematik stehen wie ihre Eltern, wenn sie mal ein Kind will.
    Vielleicht gibt es einen Grund, dass dann keine Schwangerschaft eintritt bzw. man sollte sie nicht forcieren. Mhm, schwer zu schreiben, weiß jemand, was ich meine?

    Ich glaube nur nicht, dass keine Schwangerschaft eingetreten ist, ich vermute viel mehr, dass das Paar um die genetische Vorbelastung wusste und daher eine künstliche Befruchtung gemacht hat. Ist aber nur eine Vermutung....

    Einerseits könnte man sagen, dass vielleicht die Eltern - die ja diesen Weg für sich gewählt haben - ihn auch für eine Tochter 'zumutbar' fanden, auf der anderen Seite wird natürlich so das 'Erbe' weitergereicht (was aber unter obiger Annahme auch auf natürlichem Wege hätte passieren können). Bin ratlos :traurig04:
  • HjördisHjördis

    2,857

    bearbeitet 30. 11. -1, 02:00
    *hüstel*

    Ich kopiere mal ein Bild von onmeda.de hier rein:
    x_chromosomal.gif

    DSa es sich so anhört, als hätte die Frau zwei erkrankte X-Chromosomen, würde die Tochter am Ende eine 50%ige Chance haben, ein gesundes Kind zur Welt zu bringen...
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