Ökotest: Babynahrung
Einige untersuchte Muttermilchersatzprodukte enthalten weniger Fettschadstoffe als in vorhergehenden Tests. Dennoch ist nicht alles im grünen Bereich: In allen Anfangsnahrungen wurden Gehalte an Chlorat gefunden. Zwei Produkte schneiden mit "sehr gut" und "gut" ab.
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Muttermilch ist zweifellos das Beste, was Babys in den ersten Lebensmonaten bekommen können. Wenn Mütter aber nicht (mehr) stillen, ist industriell hergestellte Säuglingsnahrung die erste Wahl. Wir wollten wissen, welche Muttermilchersatznahrungen empfehlenswert sind, und haben 13 Produkte auf zahlreiche Parameter untersuchen lassen.
Das Testergebnis
Nur ein Produkt schneidet mit "sehr gut" ab, weitere neun Nahrungen erreichen noch ein "befriedigend", während zwei Nahrungen gänzlich durchfallen. Die Gründe: Fettschadstoffe, Chloratrückstände, die Belastung mit Keimen und Deklarationsmängel.
In der Aptamil Profutura Anfangsmilch 1 von Milupa wurde ein so hoher Chloratgehalt gefunden, dass die tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (TDI) überschritten wird. Wir sind dabei von einer Tagestrinkportion für ein zwei Wochen altes Baby ausgegangen. Der TDI wurde erst im Juni 2015 von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) festgelegt. Eine chronische Belastung hemmt die Aufnahme von Jod. Übrigens enthalten auch alle anderen Produkte im Test Chlorat in Spurengehalten. Die Hersteller sind also gefordert, die Werte zu senken. Bei den anderen getesteten Anfangsmilchen von Milupa ist es dem Hersteller immerhin gelungen, die Belastung so weit zu reduzieren, dass der TDI nicht mehr überschritten wird.
In der Babydream-Nahrung ist die Belastung mit der Kontaminante Perchlorat so hoch, dass eine Tagesportion den von der EFSA aktuell festgelegten TDI übersteigt.
Die Zusammensetzung der eingesetzten Fette und Öle hat sich im Durchschnitt verbessert. So sind in den Nahrungen von Nestlé sowie in der Aptamil Profutura von Milupa und der Hipp Bio Combiotik Bio-Anfangsmilch 1 nur noch Spuren der bedenklichen Fettsäureester zu finden. In den übrigen zehn Produkten ist die Belastung aber immer noch zu hoch.
In der Holle-Nahrung stecken Sporen sulfitreduzierender Clostridien. Eine Gesundheitsgefahr lässt sich daraus nicht ableiten, sagt Dr. Annemarie Sabrowski vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Freiburg. Der Nachweis sei aber ein Indikator für eine mangelhafte Hygiene im Betrieb - und in jedem Fall Anlass für den Hersteller, den Produktionsprozess zu überprüfen.
Werbung, die den Anschein erweckt, industriell hergestellte Säuglingsnahrung sei ebenso gut oder sogar besser als Muttermilch, kann Mütter vom Stillen abhalten und ist daher gesetzlich untersagt. In der Praxis stoßen vor allem Begriffe wie "nach dem Vorbild der Muttermilch" oder "nach dem Vorbild der Natur" sauer auf, so eine Auflistung von Beispielen des Arbeitskreises Lebensmittelchemischer Sachverständiger. Der auf der Hipp-Bio-Combiotik-Nahrung prominent platzierte Slogan "nach dem Vorbild der Natur" ist daher nicht akzeptabel, auch wenn Hipp den Spruch inzwischen mit dem Pflichthinweis auf die Überlegenheit des Stillens kombiniert.