Post vom Hebammenverband zur Stillwoche
Deutscher Hebammenverband fordert deutliche Signale zur Stillförderung
Stillen fördern: goldrichtig,
so lautet das Motto, das die internationalen Stillverbände für die diesjährige Weltstillwoche vom 29. September bis 5. Oktober 2008 ausgewählt haben.
Stillförderung findet auf vielen Ebenen statt. Von der direkten Unterstützung durch Freunde und Familie bis zur öffentlichen Förderung durch da Gesundheitssystem und die Politik.
Bedauerlicherweise verhält sich die Politik in Deutschland indifferent und unentschlossen.
Es ist erwiesen und bekannt, dass Stillen die beste und auch maßgeschneiderte Ernährung für Babys ist. Neuere Forschungen zeigen, dass Stillen präventiv gegen Diabetes, Übergewicht und andere Zivilisationskrankheiten wirkt. Dennoch ist die Zahl der Frauen, denen es gelingt, ausschließlich sechs Monate zu stillen, so wie es die WHO empfiehlt, immer noch gering. Nach der Geburt beginnen 91 Prozent der Frauen zu stillen, mit fünf Tagen, d. h. nach der Entlassung aus der Entbindungsstation, sind es nur noch 86 Prozent.
Bis zum Ende des vierten Lebensmonats werden in Deutschland noch 33 Prozent und nach sechs Monaten nur noch 9,8 Prozent der Kinder ausschließlich gestillt.
Das zeigt, dass die Mehrzahl der Frauen zwar gewillt ist zu stillen, aber aufgrund mangelnder Beratung, falscher Informationen vorschnell aufgibt. Denn Stillen muss erlernt werden. Hier fehlt die Unterstützung durch die Politik und durch das Gesundheitssystems, aber es fehlt auch die Unterstützung für stillende Mütter am Arbeitsplatz.
Frauen, die gerne stillen wollen, haben ein Anrecht darauf, sofort und zeitgerecht die richtigen Informationen zu bekommen, die es ihnen erlauben, das Stillen zu erlernen und anfängliche Hürden zu überwinden. Schon im Jahr 2004 wurde in Dublin der EU Aktionsplan zur Stillförderung (Blueprint for Action der Europäischen Kommission) beschlossen. Dieser Aktionsplan beinhaltet eine Gebrauchsanleitung zur Umsetzung einer stillfördernden Gesundheitspolitik.
In unserem Land lässt die Umsetzung dieser Empfehlungen noch immer auf sich warten. Der Deutsche Hebammenverband fordert die Politik auf, eindeutige Maßnahmen zur Verbesserung der Stilldauer zu ergreifen.
Der Bund Deutscher Hebammen fordert anlässlich der Weltstillwoche:
Eine ständige Beobachtung und Aktualisierung der Zahlen zum Stillen;
eine breit angelegte, kostenlose Fortbildungsoffensive für alle Gesundheitsberufe, die mit Stillen in Berührung kommen;
Werbekampagnen für die Muttermilchernährung;
die Etablierung eines landesweiten Netzes von Frauenmilchbanken, um Kindern, die nicht gestillt werden können den Zugang zu Muttermilch zu ermöglichen;
konsequente, gesetzliche Umsetzung des WHO Kodex zur Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten zum Schutz des Stillens.
Quelle: Deutscher Hebammenverband vom 13.8.2008