Räucherlachs vom Discounter oft keimbelastet
erst im November rief der Discounter Netto seinen Aktionsartikel "Premium Räucherlachs, 120 Gramm" zurück. In dem Fisch seien Bakterien festgestellt worden, die eventuell gesundheitliche Beschwerden hervorrufen könnten. Verunreinigter Lachs erst im Supermarktregal und dann auf dem Teller? Nach Recherchen von Markt ist das keineswegs ein Einzelfall. Denn den Nachforschungen zufolge sind sowohl günstige Räucherlachs-Angebote als auch Premiumprodukte über die zulässigen Grenzwerte hinaus mit Keimen belastet. Das kann nach Aussagen von Medizinern bei leicht verderblichen Lebensmitteln wie Fisch zu Erbrechen und Übelkeit führen - den typischen Merkmalen einer Lebensmittelvergiftung.
Stichproben bei zehn Sorten Räucherlachs
Stichprobenartig hat Markt Räucherlachs-Packungen in Supermärkten und bei Discountern gekauft. Zehn Sorten wurden unter die Lupe genommen: jeweils die günstigsten aus dem Sortiment von Aldi, Edeka, Lidl, Netto, Penny, Rewe und Sky. Dazu drei Wildlachs-Angebote von Sky, Lidl und Penny, um zu prüfen, ob die deutlich teurere sogenannte "Premium-Qualität" besser abschneidet.
Proben überschreiten Grenzwert deutlich
Sachverständige vom KIN Lebensmittelinstitut im schleswig-holsteinischen Neumünster untersuchten die Proben. Schon bei der sensorischen Prüfung fielen einige Räucherlachsproben durch: wegen unangenehmem Geruch, tranigem Geschmack und unappetitlicher, roter Blutgerinnsel im Lachsfleisch. Überraschend für die Experten dann die Ergebnisse der mikrobiologischen Untersuchung: Der Richtwert für die Keimbelastung, aufgestellt von der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie, liegt bei einer Gesamtkeimzahl von einer Million pro Gramm. Neun von zehn Proben lagen über diesem Wert. Drei Proben, die Räucherlachse von Netto, Edeka und Penny, überschritten den Richtwert sogar um das Dreihundertfache! Mikrobiologen haben deshalb den Verdacht, dass diese Räucherlachs-Angebote aus dem Supermarktregal nicht verkehrsfähig sind. Aus Sicht von Experten dürften sie also eigentlich nicht mehr verkauft werden. Nur der Wildlachs von Penny war bei der Keimbelastung ohne Beanstandung. Edeka schreibt zu den Ergebnissen auf Anfrage, man lasse das Erzeugnis regelmäßig überprüfen. Netto sagt: "Wir beziehen den Lachs bei einem namhaften Hersteller, der die hohen Qualitätsstandards der Eigenmarkenzertifizierung nach dem IFS Food erfüllt." Der IFS Food ist ein internationaler Qualitätssicherungsstandard der Lebensmittelbranche. Penny ist der Auffassung, aus den übermittelten Unterlagen gehe nicht hervor, "dass der Prüfbericht mit dem angefragten Produkt übereinstimmt".